
© Tagesspiegel/Frank Bachner
Erinnerung an über 200 Menschen: Neukölln gedenkt einsam Verstorbener
Zum Jahresbeginn gedenkt der Bezirk jener über 200 Menschen, die im vergangenen Jahr ohne Angehörige verstorben sind. Zu Beginn sollen neuköllnweit die Kirchenglocken läuten.
Stand:
Am Sonntag, 18. Januar, findet die mittlerweile siebte Gedenkfeier für einsam verstorbene Menschen in Berlin-Neukölln statt. Zum Auftakt sollen ab 17 Uhr in ganz Neukölln die Kirchenglocken läuten, um an die Verstorbenen zu erinnern und zum Innehalten einzuladen.
Im vergangenen Jahr musste das Bezirksamt über 200 Neuköllner:innen ordnungsbehördlich bestatten, weil keine Angehörigen bekannt waren oder diese die Beerdigung nicht zahlen konnten oder wollten. In diesen Fällen beauftragt das Amt ein Bestattungsinstitut. Die Menschen werden dann in der Regel anonym auf dem Neuen St. Michael Friedhof in Tempelhof beigesetzt.
Manche dieser Menschen starben alleine in ihren Wohnungen, wurden teils erst Tage später gefunden. Andere, die etwa als Obdachlose gelebt hatten, starben auf der Straße oder in einem Krankenhaus. Von einigen sind die Namen nicht vollständig bekannt.
„Uns ist es wichtig, bei der Gedenkfeier die Namen jeder und jedes einsam Verstorbenen zu verlesen“, sagte Christian Nottmeier, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises. „Denn mit jedem Namen verbindet sich eine Geschichte – und die Gewissheit, dass vor Gott jedes menschliche Leben wertvoll ist.“
Im Rahmen der Gedenkfeier werden ab 17 Uhr die Namen aller Menschen verlesen, die 2025 ordnungsbehördlich in Neukölln bestattet wurden. Dazwischen gibt es musikalische Beiträge und literarische Texte, die zur Besinnung einladen sollen.
An dem Gedenken nehmen unter anderem Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD), Sozialstadtrat Hannes Rehfeldt (CDU) und Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) sowie der Fernsehmoderator Ulli Zelle teil. Die Gedenkfeier findet in der Philipp-Melanchthon-Kirche, Kranoldstraße 16, statt.
Die Feier ist öffentlich und soll zugleich die Möglichkeit bieten, im Schutz der Anonymität stillen Abschied von einem Verstorbenen zu nehmen, mit dem zu Lebzeiten vielleicht keine Versöhnung möglich war. Aber auch Bekannte der Verstorbenen und andere mitfühlende Menschen sind eingeladen.
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