Bezirksinitiativen : Pflegen die Pankower ihre Parks und Spielplätze bald selber?

Pankow ist arm, aber reich an engagierten Bewohnern. Die sollen nun die prekäre Lage auf Spielplätzen und in Parks durch Eigeninitiative lindern.

Bei Aktionstagen wie hier im vergangenen Sommer am Arnswalder Platz haben die Berliner viel Initiative gezeigt.
Bei Aktionstagen wie hier im vergangenen Sommer am Arnswalder Platz haben die Berliner viel Initiative gezeigt.Foto: Thilo Rückeis

Pankow ist ein Pflegefall: Historisch hohe Ansprüche und großes Engagement der Anwohner treffen aktuell auf leere Bezirkskassen und Amtsstuben. Kaum eine Woche vergeht ohne Klagen der Bürger über die Zustände im Bezirk.

Nun will Bezirksbaustadtrat Vollrad Kuhn (B’90/Grüne) die Ressource Anwohner stärker nutzen, um die größten Mangelerscheinungen abzubauen – etwa bei der Pflege von Spielplätzen und Grünanlagen.

Insbesondere die Spielplätze sind zum Politikum geworden. Gerade erst noch wurde Pankow in einer Studie zum familienfreundlichsten Berliner Bezirk gekürt, doch unter besorgten Eltern rumort es schon länger.

Fast jeder sechste Kinderspielplatz ist wegen Baufälligkeit gesperrt (32 von insgesamt 215), nur für zehn davon gibt es eine Terminierung für die Wiedereröffnung. In Weißensee hat sich deshalb die Elterninitiative „Ja! Spielplatz!!“ gegründet, dort ist die Not besonders groß. Vergangene Woche konfrontierte die Initiative Pankows Bürgermeister Sören Benn (Linke) damit.

Eltern wollen gesperrte Spielplätze wiedereröffnen

Die Eltern bemängeln, dass der Bezirk den Sanierungsstau von aktuell 21 Millionen Euro weder abbauen könne noch wolle, weil dafür jährlich nur 580 000 Euro zur Verfügung stünden. Und laut der Initiative soll es bald noch dramatischer werden: Für insgesamt 150 Plätze im Bezirk bestehe mittelfristig Sanierungsbedarf, es sei deshalb zu befürchten, dass nun pro Jahr zehn Spielplätze netto verschwinden.

Die Eltern fordern einen Bezirksspielplatzplaner, der die Mittel vom Senat abruft und zielgerichtet einsetzt. Die Initiative schlägt als Interimslösung vor, die defekten Geräte abzubauen und die Spielplätze als einfache Freiflächen mit Minimalausstattung wiederzueröffnen. "Wir erleben eine große Bereitschaft der Leute, dabei auch mitanzupacken, und haben in den letzten Tagen sofort Angebote von Weißenseer Unternehmen erhalten, das logistisch zu unterstützen", sagt Uwe Scholz von der Initiative. Die Zahl der Menschen, die sich persönlich engagieren möchten, sei inzwischen auf 64 Leute angewachsen.

Für diesen Vorschlag zeigt sich Baustadtrat Kuhn offen. Er hat das Thema Spielplätze zur Priorität ausgerufen, aber nur eine Handvoll Mitarbeiter zur Verfügung. Vom Budget müssen zudem Grünflächen sowie Spiel- und Sportplätze in Kitas und Schulen in Schuss gehalten werden, „das reicht hinten und vorne nicht“. Auch der geforderte Spielplatzkoordinator, der im April eingestellt werden soll, werde nicht genügen. „Deswegen schauen wir, wie man punktuell Abhilfe schaffen kann“, so Kuhn. „Dabei ist es eine Möglichkeit, dass sich die Anwohner beteiligen.“

Pankow kündigt Pilotprojekt an

Ein Pilotprojekt läuft in der Dusekestraße in Alt-Pankow an. Gemeinsam mit einer Fachfirma sollen die Anwohner dort die baufälligen Spielgeräte abbauen, so dass der Platz bald abgespeckt wiedereröffnet werden kann, anstatt ihn jahrelang zu umzäunen. Kuhn: „Wir wollen einen Ansatz zur Zwischennutzung an diesem Beispiel durchexerzieren und schauen, ob sich das als Modell weiterentwickeln lässt.“ Ein Knackpunkt ist die Rechtsfrage, „der Bezirk bleibt ja in der Verkehrssicherungspflicht“, so Kuhn. „Aus dem Grund können wir nicht zulassen, dass Eltern die Geräte selbst reparieren.“

Auch bei der Pflege der intensiv genutzten Parks will Kuhn künftig derartige „Synergien“ stärker nutzen. Es gibt bereits einige Anwohnerinitiativen, etwa am Arnswalder Platz, im Bürgerpark und am alten Schlachthof. „Die Leute wollen sich kümmern“, sagt Kuhn, „das ist vom Bezirk auch gewollt, muss aber auch immer im Gespräch entwickelt werden.“

Wer sich einbringen wolle, solle sich im Bezirksamt melden. Als Unterpunkt der Grünpflege soll die Baumscheibenbepflanzung eine Renaissance erleben. Unlängst wurden liebevoll gestaltete Exemplare in der Oderberger Straße zum Ärger der Anwohner rasiert – von einer „Fremdfirma“, wie Kuhn sagt. Nun will der Bezirk solche Verschönerungen gezielt per Flyer fördern. „Wir müssen den Ermessensspielraum anders handhaben“, sagt Kuhn. „Leute, die sich engagieren, sollen nicht bestraft werden.“

Schulstadtrat: Engagement kann nicht öffentliche Hand ersetzen

Auch Schulstadtrat Torsten Kühne hat täglich mit wissens- und tatendurstigen Pankowern zu tun. „Unsere Eltern sind hoch engagiert, sicher höher als in vielen anderen Bezirken“, sagt der CDU-Politiker. „Sie helfen bei der Reinigung mit, malern oder machen Kleinstreparaturen.“

Diese Verbundenheit sei im Einzelfall nutzbar und als zusätzliches Engagement auch sehr willkommen. Doch eine Art Schatten-Bezirksamt in Bürgerhand sieht Kühne kritisch: „Der Trend geht dahin, dass das originäre Aufgaben der öffentlichen Hand ersetzt. Das kann nicht flächendeckend die Lösung sein, da muss man Prioritäten setzen. Es muss eine auskömmliche Bereitstellung von Ressourcen für die öffentliche Hand geben.“

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