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Bilanz von Extinction Rebellion : Mehrheit der Berliner lehnt Straßenblockaden als Klimaprotest ab

Die Organisatoren des Klima-Protests ziehen ein positives Fazit der vergangenen Protestwoche. Die Berliner Bürger sind laut einer Umfrage weniger begeistert.

Polizisten tragen eine Aktivisten aus einer Blockade an der Mühlendammbrücke. Die Frau wehrt sich nicht.
Polizisten tragen eine Aktivisten aus einer Blockade an der Mühlendammbrücke. Die Frau wehrt sich nicht.Foto: AFP

Die Klimaschützer von Extinction Rebellion hatten vergangene Woche vielfach den Verkehr in der Hauptstadt lahmgelegt. Es blieb zwar friedlich, viele Autofahrer fluchten dennoch. Eine exklusive, repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für den Tagesspiegel ergab nun, dass viele Berliner die Blockaden nicht nachvollziehen konnten.

60 Prozent der Befragten sehen die Aktionen negativ – 43 Prozent davon sogar „sehr negativ“. In der Tendenz bewerteten vor allem Jüngere den Protest eher positiv, Ältere eher negativ. Spannend zu sehen ist an den Zahlen, dass Menschen mit niedrigerem Einkommen die Proteste eher unterstützen, während Menschen aus höheren Einkommensgruppen das Blockieren des Autoverkehrs eher ablehnen.

6000 Menschen sollen sich beteiligt haben

Ein positiveres Fazit der Protestwoche zogen – nachvollziehbar – die Organisatoren der Proteste am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Insgesamt etwa 6000 Menschen hätten sich laut der Organisatoren an den Aktionen beteiligt - bislang war von etwa 3000 Menschen die Rede. Wie die Organisatoren auf die deutlich höhere Zahl kamen, sagten sie am Dienstag nicht.

Politisch sei der Protest jedoch eine Enttäuschung gewesen: „Gleichzeitig schwebt ein dunkler Schatten über unseren Protesten, denn sie haben nichts bewirkt“, räumte Sprecherin Lu Yen Roloff ein. „Die Nichtreaktion der Politik ist ein Schlag ins Gesicht für Millionen von Menschen in Deutschland“, so die Aktivistin.

Eine Aktivistin hat sie sich das Logo der Bewegung aufs Gesicht gemalt hat. Es symbolisiert die ablaufende Zeit der Menschen auf der Erde Foto: Christoph Soeder/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Eine Aktivistin hat sie sich das Logo der Bewegung aufs Gesicht gemalt hat. Es symbolisiert die ablaufende Zeit der Menschen auf...Foto: dpa

Alle Proteste seien gewaltfrei verlaufen. „Bis auf wenige Einzelfälle durch Schmerzgriffe der Polizei im Rahmen von Räumungen kam es zu keinen gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei oder Autofahrern“, so die Organisatoren. 15 Personen seien von der Polizei während der Aktionswoche in vorläufigen Gewahrsam genommen worden. Alle seien wieder auf freiem Fuß.

Weltweit sollen Menschen in 56 Ländern protestiert haben. Dabei wurden laut Extinction Rebellion insgesamt 2270 Menschen festgenommen.

Rebellische Meditation am Alexanderplatz angekündigt

Gleichzeitig wurde angekündigt, die Aktionen auch in dieser Woche fortzuführen. Die Aktivisten wollen sich demnach an Gebäude von Energiekonzernen kleben und in Banken so genannte Die-ins veranstalten, bei denen die Teilnehmer sich auf den Boden legen und ihren Tod simulieren.

Eigentlich hatte Extinction Rebellion ihre einwöchige Berlin-Blockade bereits am Sonntag für beendet erklärt. Aktionen, die für Montag geplant waren, wurden abgesagt. Doch wer dachte, es sei jetzt Schluss mit den Klima-Protesten, hatte sich getäuscht: Am Dienstag fanden wieder Aktionen statt – auf dem Alexanderplatz und vor der SPD-Zentrale, dem Willy-Brandt-Haus.

Aktivisten brechen Protest am Alex ab

„Jetzt geht es erst richtig los“, sagte Sprecher Tino Pfaff dem Tagesspiegel-Checkpoint schon vor der Pressekonferenz. Um die 500 Rebellen seien derzeit noch in Berlin unterwegs und „fit für kommende Einsätze“. Um dem bisherigen Kernteam eine Pause zu gönnen, werde die interne Organisation aktuell rundumerneuert, bevor es dann zur Mitte der Woche neue Aktionspläne gebe.

„Wir haben bereits viel erreicht“, sagte Pfaff. Trotzdem zeigten die fehlenden Reaktionen der Politik, dass die „Demokratie in einer Krise steckt“.

Am Dienstagnachmittag schickten die Aktivisten eine Nachricht rum. Man solle nicht mehr zur Aktion am Alexanderplatz kommen. Sonst gäbe es wohl Ärger mit der Polizei.

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