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Jahresbilanz zur Brandserie: Bislang 515 beschädigte Autos

Jede Nacht kreisen Hubschrauber über der Stadt, 100 Bundespolizisten und 150 Berliner Beamte sind im Einsatz: Schon 508 Autos haben Brandstifter in diesem Jahr beschädigt. Die Brände sind längst Wahlkampfthema.

Erneut sind Autos in Berlin angesteckt worden – in der Nacht zu Mittwoch gingen drei Wagen in Flammen auf; in den Nächten zuvor waren es jeweils mehr als zehn Fahrzeuge gewesen. Um 0:15 Uhr brannte am Katharina Heinroth-Ufer in Tiergarten ein BMW, um halb drei ein Ducato Kastenwagen in der Tasdorferstraße in Lichtenberg und schließlich um vier Uhr ein BMW in der Torstraße. In der Übersichtskarte sehen Sie, wo in der vergangenen Woche Autos gebrannt haben. Eine Erläuterung der Karte finden Sie hier.

Wie in den Nächten zuvor kam auch diesmal wieder Bundespolizei zum Einsatz. Erstmals wurden am Mittwochmorgen auch vier Wagen in Düsseldorf angezündet.

Während in Berlin auf der Suche nach Autobrandstiftern inzwischen jede Nacht ein zusätzlicher zweiter Hubschrauber der Bundespolizei über der Stadt kreist und die Berliner Ermittler von Bundespolizisten unterstützt werden, haben die Hamburger Behörden in den vergangenen Wochen mit sogenannten Gefährdeansprachen begonnen: Zivilbeamte besuchen unangekündigt junge Männer, die wegen Brandstiftung oder als Kleinkriminelle aufgefallen sind. Dadurch sollen Jugendliche aus Milieus, in denen auch Autozündler vermutet werden, vor möglichen Taten abgeschreckt werden. In Hamburg wurden in diesem Jahr 190 Autobrandstiftungen registriert, 300 Fahrzeuge wurden beschädigt, 15 Fälle hat die Polizei aufgeklärt.

In Berlin wurden in diesem Jahr 158 Autos aus mutmaßlich politischen Motiven angezündet, 97 Wagen fingen dabei zusätzlich Feuer. Hinzukommen der Polizei zufolge 209 aus unpolitischen Motiven in Brand gesetzte Autos, wobei weitere 51 Fahrzeuge Schaden nahmen. Insgesamt wurden also 515 Wagen beschädigt. Vor zwei Wochen wurde ein Mann wegen einer Autobrandstiftung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

In Berlin werden derzeit keine Gefährdeansprachen durchgeführt. „Aus dem einfachen Grund, dass wir keine konkreten Adressaten haben“, sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf. Man halte es nicht für sinnvoll, wahllos Kleinkriminelle anzusprechen. „Wir verfolgen zur Zeit einen anderen Ansatz, beispielsweise durch Observation und andere Dinge, über die wir aus ermittlungstaktischen Gründen keine Auskunft geben“, sagte Neuendorf. Man schaue aber, ob die Hamburger Kollegen Erfolg haben. In Berlin sind seit Montag 150 eigene Beamte und etwa 100 Bundespolizisten auf Brandstreife. Laut Planung soll die Zahl der Kräfte auf bis zu 400 erhöht werden.

In den vergangenen Tagen hatte es eine Debatte um CDU und FDP gegeben, die mit brennenden Autos um Stimmen werbe – die Botschaft: Der rot-rote Senat habe beim Thema Sicherheit versagt. Nun ist bekannt geworden, dass die FDP ein acht Jahre altes Foto, das bei Ausschreitungen am 1. Mai 2003 aufgenommen wurde, für den Wahlkampf nutzt – und keines von den aktuellen Autobränden. Auf dem Bild sind hinter der rhetorischen Frage „Erst Autos, und dann…?“ ein brennender Wagen und Vermummte zu sehen. Ein FDP-Sprecher sagte, das Foto habe Symbolcharakter: „In dieser Stadt sind brennende Autos nicht erst seit diesem Jahr ein Problem.“

Unterdessen hat die linksextreme Gruppe „Das Grollen des Eyjafjallajökull“ im Internet ein weiteres, langatmiges Bekennerschreiben zu dem Anschlag vom Mai auf eine Kabelbrücke am Bahnhof Ostkreuz veröffentlicht. Durch den Brand wurden der Zugverkehr sowie Handynetze lahmgelegt, tausende Berliner waren betroffen. Das zweite Schreiben zeige, dass die Täter ihren Anschlag „politisch nicht vermitteln konnten“, hieß es in Sicherheitskreisen.

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