Black Friday oder Fridays for Future? : Kinder, Ihr müsst auch verzichten!

Endlos shoppen und trotzdem das Klima schützen? Beides geht nicht, findet unsere Autorin und hadert mit den Konsumwünschen der Jugend. Eine Kolumne.

Adventskalender gibt es mittlerweile auch für Männer, Frauen und Sextoys - unsere Autorin braucht das alles nicht.
Adventskalender gibt es mittlerweile auch für Männer, Frauen und Sextoys - unsere Autorin braucht das alles nicht.Foto: Lucas Bäuml/dpa

Die Deutschen sind angeblich in bester Konsumlaune. Ich nicht. Im Gegenteil. Mich befällt große kosmische Verzagtheit angesichts der Massen von Klamotten, Kitsch und Krempel in den Läden. Ich will nichts davon haben! Das spart zugleich Zeit und Geld. Leider sind die Kinder anders. Auch sie brauchen im Grunde nichts, wollen aber so einiges, und nun naht auch noch Weihnachten.

Das heutige Megashopping- Event, der Black Friday, hat sie zum enthemmten Äußern von Konsumwünschen animiert. „Ich wünsche mir zu Weihnachten diese Smartwatch, die ist so cool!“, liegt mir der Älteste in den Ohren, und nun, am Black Friday, gibt es sie billiger. „Da sparst Du 60 Euro!“, so der eigentlich intelligente Junge, und ich: „Nein, ich gebe 140 Euro statt 200 Euro aus, ich spare also gar nichts!“ Und so weiter.

Konsumverzicht für die Umwelt? Schwer zu vermitteln

Schule schwänzen für Fridays for Future ist das eine, aber Konsumverzicht fürs Klima – das ist den Kindern scheinbar kaum zu vermitteln. Die Ritterburg von Playmobil haben wir damals in der Nachbarschaft gebraucht gekauft, das Kind der Nachbarn war rausgewachsen, unsere wuchsen rein, Playmobil hält lange und die Kinder wachsen schnell.

Heute würden sie Gebrauchtware mit spitzen Fingern anfassen, alles soll neu sein. Mein Argument, dass Sachen, die nicht extra hergestellt werden müssen, Ressourcen schonen, verstehen sie zwar, es gefällt ihnen aber nicht.

Adventskalender für Männer, Frauen und Sextoys

Wenn man eine freie Wirtschaftsordnung ohne Verbote will, dann kann nur der Einzelne durch seinen Konsum etwas bewirken, bin ich überzeugt. Dieses Jahr gibt es bei uns keine Adventskalender, jedenfalls keine gekauften. Ist Ihnen aufgefallen, wie schrecklich das Adventskalenderbusiness ausgeufert ist? Für Männer, für Frauen, Bier/Whisky/Weinkalender, Parfüm, Kosmetik, Sextoys... was auch immer: Das ist fürchterlich. Ich mache da nicht mit.

[In unseren Leute-Newslettern berichten wir wöchentlich aus den zwölf Berliner Bezirken. Die Newsletter können Sie hier kostenlos bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Ich werde mir was einfallen lassen, was keinen Müll erzeugt. Am liebsten würde ich auch die Bescherung an Heiligabend ausfallen lassen. Wir haben nämlich alles. In den letzten Jahren habe ich, damit es üppiger aussieht, immer noch ein paar Panik-Geschenke gekauft, die verstopfen bloß die Wohnung. Dann schaut man Marie Kondo beim Ausmisten zu und wünscht sich ästhetische Reduktion im eigenen Leben. Dafür gibt es eine einfache Lösung: nichts kaufen!

Nichts kaufen ist besser als aufräumen

Und noch ein Kampfplatz bei uns wie in anderen Haushalten mit Jugendlichen: der Internetkonsum. Über den Wlan-Router habe ich Kontrolle, ich kann ihn für jedes einzelne Gerät programmieren. Es gibt nahezu Volksaufstände, wenn ich die Droge wegnehme.

Diese Woche haben wir Digital Detox, nur zwei Stunden täglich Internet, das gab lauten Protest. Das Verblüffende: Die Kinder spielen jetzt Schach. Langeweile kann brutal sein. Und was sie alles bewirkt! Leider habe ich gegen den Zehnjährigen verloren. Vielleicht verbringen wir Heiligabend mit Schachspielen.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!