• Blockaden von Extinction Rebellion: Klima-Aktivisten wollen in Berlin länger protestieren als geplant

Blockaden von Extinction Rebellion : Klima-Aktivisten wollen in Berlin länger protestieren als geplant

Extinction Rebellion blockiert weiter – aktuell eine Zufahrt zum Potsdamer Platz. Auch für Montag sind Aktionen geplant.

Nina Breher
Die Klima-Aktivisten haben eine Bühne in einen Lkw gebaut und ihn auf die blockierte Stresemannstraße gestellt.
Die Klima-Aktivisten haben eine Bühne in einen Lkw gebaut und ihn auf die blockierte Stresemannstraße gestellt.Axel Schmidt

Stresemannstraße in der Nähe des Potsdamer Platzes. Mehrere hundert Aktivisten der Bewegung Extinction Rebellion campieren hier seit Freitagabend vor dem Bundesumweltministerium. Am Montag hatten sie damit begonnen, Straßen, Brücken und andere Orte in Berlin zu blockieren, um sich für einen konsequenteren Klimaschutz einzusetzen. Und es könnte sein, dass sich die Berliner länger als anfangs geplant auf Blockaden einstellen müssen.

„Wir bleiben vor dem Umweltministerium, solange es geht“, sagt eine Sprecherin der Aktivisten am Sonnabend. Das heißt auch: Es ist unklar, ob die Aktionen wie anfangs angekündigt an diesem Sonntag zu Ende gehen. Sie Sprecherin kündigt auf Anfrage des Tagesspiegels an, die Aktionen nicht am Sonntag abzuschließen. Man wolle auch am Montag aktiv sein. Ob und wie es danach weitergeht, ist unklar. Die Aktivisten wollen sich dazu „am Montag positionieren“.

Am Sonnabend ist die Stimmung unter den Protestierenden motiviert. Eine Handvoll Aktivisten sitzt direkt vor dem Eingang des Umweltministeriums, als einer von ihnen ankündigt: „Die Polizei wird jetzt die wegtragen, die vor dem Eingang des Umweltministeriums sitzen.“ Daraufhin sammeln sich rund 100 Aktivisten um den abgesperrten Ministeriumseingang. Sie stimmen Lieder an und begrüßen im Chor die Polizei. Die wirkt entspannt und führt Gespräche mit den Aktivisten.

Der demonstrativ freundliche und kooperative Umgang von Polizei und Aktivisten miteinander ließ sich über die gesamte Woche hinweg beobachten. Szenen wie diese am Ministerium wirken mittlerweile fast wie ein Ritual. Schließlich räumen die Aktivisten die Ministeriumstür am Sonnabend freiwillig.

Die Aktionen hatten am Montagmorgen mit einem kalkulierten Paukenschlag begonnen: Um 3 Uhr schwärmten Aktivisten von ihrem „Protestcamp“ im Regierungsviertel aus und blockierten die Zufahrten zum Großen Stern um die Siegessäule. Um 12 Uhr folgte der Potsdamer Platz. Die Polizei ließ sie zunächst gewähren. Am Abend begann sie mit der Räumung des Potsdamer Platzes, über den am Dienstag nach 24 Stunden Blockade die ersten Autos rollten. Der Große Stern war am Nachmittag wieder frei.

Eine Klimaaktivistin liegt auf der Stresemannstraße und liest ein Buch.
Eine Klimaaktivistin liegt auf der Stresemannstraße und liest ein Buch.Axel Schmidt

Nachdem die ersten Blockaden aufgelöst waren, folgte am Mittwoch der zweite Streich: Aktivisten ließen sich auf der Marschallbrücke im Regierungsviertel nieder, um 10 Uhr war auch die Mühlendammbrücke zu. Während sich die Blockaden auf den Verkehr zunächst kaum ausgewirkt hatten, änderte sich das jetzt. Die Verkehrsinformationszentrale sprach von einem „mittleren Verkehrschaos in Mitte“. Dass am Nachmittag auch Jannowitz- und Oberbaumbrücke besetzt wurden, half nicht.

Am Donnerstagmorgen waren alle Brücken bis auf die Marschallbrücke wieder frei – teils waren Aktivisten von der Polizei weggetragen worden. Von nun an setzten diese vermehrt auf kleinere Aktionen: Neun von ihnen klebten sich an der CDU-Parteizentrale fest. Kleinere Blockaden rund um den Hackeschen Markt, das Hallesche Tor und den Südstern in Kreuzberg sowie den Hermannplatz in Neukölln wurden schnell wieder aufgelöst.

Protestiert wurde auch vor der Grünen-Parteizentrale sowie vor dem Verkehrsministerium. Am späteren Nachmittag legten die Aktivisten kurzzeitig die Kottbusser Brücke zwischen Kreuzberg und Neukölln und die Chausseestraße beim Naturkundemuseum in Mitte lahm. Am Abend war dann nur noch die Marschallbrücke besetzt.

Blockade vor dem Umweltministerium bleibt vorerst

Nach rund 45 Stunden wurde diese am Freitagnachmittag geräumt, während mehrere Demozüge durch die Innenstadt liefen. Laut einer Extinction-Rebellion-Sprecherin beteiligten sich an ihnen insgesamt 2500 bis 3000 Menschen. Ein Teil davon zog zum Bundesumweltministerium, wo die nächste Blockade begann. Sie besteht bis jetzt.

Am Freitagabend gab ein Polizeisprecher an, man werde die Aktivisten vorerst gewähren lassen, sofern sie sich an die „gemachten Absprachen“ halten. Wie eine Extinction-Rebellion-Sprecherin angab, habe man „gemeinsam mit der Polizei“ drei Regeln erarbeitet: „Fußgänger und Fahrradfahrer müssen durchkönnen, nach 22 Uhr darf kein Lärm gemacht werden. Drittens darf die Blockade nicht näher zum Potsdamer Platz rücken.“ Daran habe man sich gehalten, rund 500 Menschen hätten hier übernachtet.

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Am Wochenende zog das Camp auch Schaulustige und Interessierte an. Neben den Aktivisten, die sich am Sonnabendvormittag von der kühlen Nacht erholen, sonnen sich auch Eltern, Kinder und Rentner auf der Stresemannstraße. Und manche Gruppe lässt sich durch die Protestformen der Extinction-Rebellion-Bewegung für eigene Proteste inspirieren: Eine Neuköllner Bürgerinitiative kündigte am Sonnabend an, am heutigen Sonntag die Wildenbruchbrücke besetzen zu wollen. Ihr Ziel: Die Rodung von Grünflächen am Weigandufer zu verhindern.

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