• Brandenburg investiert in „MoorFutures“-Projekt: Moor-Zertifikate als Ausgleich für CO2-Belastung durch Flüge

Brandenburg investiert in „MoorFutures“-Projekt : Moor-Zertifikate als Ausgleich für CO2-Belastung durch Flüge

Brandenburgs Landtag investiert ins Moor. Es ist ein Klimaausgleich für Flüge und Fahrten.

Natürlicher Klimaschutz. Moore speichern große Mengen Kohlendioxid.
Natürlicher Klimaschutz. Moore speichern große Mengen Kohlendioxid.Foto: promo

Seit mehr als 200 Jahren ist das Gebiet entwässert, nun soll die Rehwiese bei Oranienburg wieder zum richtigen Moor werden. Brandenburgs Flächenagentur will damit einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, denn Moore speichern das Klimagift Kohlendioxid, das als Treibhausgas zur Erderwärmung beiträgt. Ein Projekt mit „Leuchtturmwirkung“ nennt der Wissenschaftler Fred Hattermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) das Vorhaben.

Auch das Landesparlament beteiligt sich daran: Brandenburgs Landtag fördert das regionale Naturprojekt zum Klimaschutz-Ausgleich von Flugreisen. Zur Kompensation der CO2-Emissionen durch die Flüge von Abgeordneten und Beschäftigten der Verwaltung im vergangenen Jahr seien 68 sogenannte „MoorFutures“-Zertifikate erworben worden, sagte Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke (SPD) in dieser Woche bei der Übergabe in Potsdam. Dafür seien insgesamt 5440 Euro zur Wiedervernässung des Rehwiese-Moores gezahlt worden.

„Wir bezahlen dafür, dass wir geflogen sind“, sagte Liedtke. Der Klimawandel sei eine der größten Herausforderungen der Zeit, betonte die Landtagspräsidentin: „Wir müssen handeln.“ Der Landtag hatte 2018 mit dem Doppelhaushalt für 2019 und 2020 beschlossen, dass ab 2019 für alle Dienstflüge von Abgeordneten und Verwaltungsbeschäftigten Klimaabgaben gezahlt werden. Damit sollen Klimaschutzprojekte in Brandenburg gefördert werden.

Für das Moor Rehwiese bei Liebenwalde nördlich von Berlin würden insgesamt 6744 „MoorFutures“-Zertifikate angeboten, sagte die Geschäftsführerin der Flächenagentur Brandenburg, Anne Schöps. Ein Zertifikat kostet 80 Euro und soll eine Tonne Kohlendioxid kompensieren.

Mehr als 500.000 Euro sollen damit für das Projekt gesammelt werden. Zwei Drittel der Zertifikate für die rund neun Hektar große Fläche seien bereits verkauft, sagte Schöps. Auch ein großes Pharmaunternehmen aus Ulm beteilige sich mit rund 60.000 Euro im Jahr an dem „MoorFutures“-Projekt.

Das Moor als langfristige Investition

Der Erwerb sei ein freiwilliger Beitrag zum Klimaschutz, an dem sich jeder beteiligen könne. Das Moor-Projekt läuft 50 Jahre und wird von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde (HNEE) wissenschaftlich begleitet. Wichtig sei dabei, dass anders als bei anderen Kompensationsmöglichkeiten für Flugreisen ein regionales Projekt in Brandenburg gefördert werde, das auch über einen langen Zeitraum kontrolliert werde, betonte Schöps.

Der Flugverkehr sei kaum zu unterbinden, sagte Hattermann. Deshalb müssten andere Maßnahmen zur Vermeidung von CO2-Emissionen gestärkt werden, um nicht die gefährlichen „Kipppunkte“ im Klimasystem zu erreichen. Ein Überschreiten dieser Kipppunkte würde nach Einschätzung von Experten den Klimawandel unkontrollierbar machen.

Den Menschen müssten attraktive Angebote zum Klimaschutz gemacht werden, die gut sind und Spaß machen, sagte Hattermann. Dazu gehörten auch die „MoorFutures“.

Die Klimaschutzzertifikate wurden 2012 in Mecklenburg-Vorpommern entwickelt und werden nach Angaben der Flächenagentur seitdem erfolgreich dort sowie in Brandenburg und Schleswig-Holstein eingesetzt. Die drei Bundesländer seien die moorreichsten in Deutschland, sagte Schöps. (epd)

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