Brandenburg : Offensive gegen Dealer und Drogen-Produzenten

Obwohl wieder ein Schlag gegen die Szene gelang, hat das Brandenburg weiter massive Probleme mit Drogen. Die Beschaffungskriminalität steigt an.

Die Zahl der Dogensüchtigen in Brandenburg steigt an.
Die Zahl der Dogensüchtigen in Brandenburg steigt an.Foto: David Ebener/dpa

Fast ein Jahr lang wurde nach einem Mann gesucht, der nach einer Drogenrazzia in Dresden untergetaucht war. Jetzt nahmen Ermittler den aus Sachsen stammenden Mann in einer Ferienwohnung in Finsterwalde fest, wie Staatsanwaltschaft, Polizei und das Zollfahndungsamt Dresden in der vergangenen Woche mitteilten.

Zugleich stellten sie bei der Durchsuchung von zwei weiteren Wohnungen, einer Pension und einer Werkstatt im Süden Brandenburgs Drogen wie Crystal, Ecstasy-Tabletten und Kokain mit einem Schwarzmarktpreis von etwa 20 000 Euro sowie 170 000 Euro Bargeld sicher.

Im Drogenlabor wurden auch Waffen gefunden

Gegen den 30-Jährigen sei Haftbefehl erlassen worden, hieß es. Er soll seit mindestens Herbst 2017 vor allem mit der synthetischen Droge Crystal Meth gehandelt und damit seinen Lebensunterhalt verdient haben.

„Der Verdächtige war untergetaucht, nachdem unsere Fahnder bereits im Januar des vergangenen Jahres ein Drogenlabor im Dresdner Raum ausgehoben hatten“, sagte ein Sprecher des Zollamts: „Dabei wurden auch Waffen sowie Bargeld in Höhe von 125 000 Euro gefunden. Zwei Männer sitzen seitdem in Untersuchungshaft.“

Auf Anfrage bestätigten die Ermittler, dass damals nicht nur vier Kilogramm Crystal, 1650 Ecstasy-Tabletten, 500 Gramm Marihuana gefunden wurden, sondern auch ein professionell eingerichtetes Labor sowie Chemikalien, mit denen Crystal und Ecstasy hergestellt werden könnten. Erschreckend auch der Fund von drei vollautomatischen und schussfähigen Maschinenpistolen sowie einer Pistole.

Großabnehmer belieferte Süchtige in Brandenburg

Die Verhafteten sollen zu der Gruppe aus dem Raum Dresden gehören und werden verdächtigt, Drogen nach Deutschland geschmuggelt zu haben sowie diese selbst hergestellt und verkauft zu haben. Nach Erkenntnissen der Fahnder ist der nun in Finsterwalde Festgenommene einer der Großabnehmer, der vor allem das benachbarte Bundesland Brandenburg belieferte. Hier gibt es seit Jahren extreme Probleme mit stark bewusstseinsverändernden Drogen wie Crystal Meth.

Die Grundstoffe für Crystal Meth werden in China bestellt

„Wir haben eine große Zahl an Süchtigen“, sagt der Leitende Cottbuser Oberstaatsanwalt Bernhard Brocher. Seit Jahren steigen die sogenannten Btm-Verfahren (wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz) in seiner Behörde kontinuierlich an. Zwar könnte man das auch darauf zurückführen, dass mehr Kontrollen stattfinden, aber daran glaubt Bernhard Brocher nicht. „Leider müssen wir konstatieren, dass vor allem Crystal Meth von vielen genommen wird und immer leichter zu beschaffen ist“, sagt er: „Ehrlich gesagt, überrascht uns der Fund der Dresdner Kollegen nicht. Wir haben uns schon lange gefragt, warum man die Droge eigentlich noch aus Tschechien oder Polen einführen muss, wo man sie doch auch in Deutschland ganz einfach herstellen kann. Jedenfalls seit man die Grundstoffe dafür beispielsweise direkt in China bestellen kann.“

Schmerzempfindlichkeit wird gleichfalls ausgeschaltet

Was Brocher und seine Kollegen bei Polizei und Staatsanwaltschaft besonders beschäftigt, ist die gestiegene Beschaffungskriminalität. Ein Gramm Crystal kostet in Finsterwalde, Lauchhammer oder Cottbus etwa 80 bis 90 Euro, was die Eigentumsdelikte in die Höhe schnellen lässt. Leider auch manche schweren Straftaten, denn unter Einfluss von Crystal wird nicht nur das Denken teilweise ausgeschaltet, sondern auch die Schmerzempfindlichkeit. Viele Schlägereien mit und ohne Waffen geschehen unter dem Einfluss der Drogen, die – wie die Ärzte in den Kliniken wissen – schon manches Leben zerstört haben. Schlimmstenfalls sogar das von ungeborenen Kindern, deren Mütter während der Schwangerschaft Crystal Meth oder andere Drogen nahmen.

Aber auch mancher Manager konsumiert, weil man anfangs schon eine gewaltige Leistungssteigerung erleben kann, wie Drogenberater immer wieder erzählt bekommen. Leider hält das nicht allzu lange an und dann drohen nicht nur schlimme Entzugserscheinungen, sondern auch Wahnvorstellungen und Realitätsverlust.

"Süchtige gefährden am Steuer oftmals andere"

„Leider“, sagt Oberstaatsanwalt Brocher, „gefährden die Süchtigen nicht nur sich, sondern auch andere. Ein Sprecher der Cottbuser Polizei kann das nur bestätigen. So haben seine Kollegen beispielsweise am vergangenen Dienstag im Landkreis Dahme-Spree, teilweise nahe der Berliner Stadtgrenze, Verkehrskontrollen mit besonderem Fokus auf Fahren unter Drogeneinfluss durchgeführt.

Dabei wurde zur Mittagszeit ein 32-jähriger VW-Fahrer auf dem Rastplatz an der A 13 bei Freiwalde positiv auf Cannabis und Kokain getestet. Kurz nach 15 Uhr schlug der Test in Uckro bei einem 44-jährigen VW-Fahrer positiv auf Amphetamine an. Gegen 16.30 wurde in Zeuthen ein 37-jähriger Mitshubishi-Fahrer gestoppt, der laut Vortest unter Cannabiseinfluss stand. Ein 27-jähriger Audi-Fahrer wurden kurz vor Mitternacht in Bestensee positiv auf Amphetamine und nur eine Stunde später ein 26-jähriger Autofahrer in Zeuthen positiv auf Cannabis getestet. Fast zeitgleich stoppten Polizeibeamte einen Ford in Kasel-Golzig, dessen Fahrer bei einem Test deutliche Reaktionen auf Amphetamine anzeigte. „Und das war ein ganz normaler Wochentag“, sagte der Polizeisprecher: „Man wundert sich dann eigentlich nur noch, dass nicht noch viel mehr passiert.“

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

5 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben