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Eva Kreienkamp, Vorstandsvorsitzende der BVG, steht vor zwei Bussen vom Typ „Alexander Dennis Enviro500“.

© picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Tagesspiegel Plus

BVG-Chefin für neues Tarifmodell: Weg von Einheitspreisen, hin zu Kilometerpreisen

Die BVG-Chefin sieht die Berliner im Vergleich zu den Brandenburgern bevorteilt und bevorzugt kilometerbasierte Preise. Doch die Politik bremse.

Zahlen pro Kilometer statt fester Fahrpreise – für ein solches Tarifmodell für den öffentlichen Nahverkehr im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) hat sich die Vorstandsvorsitzende der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) Eva Kreienkamp erneut stark gemacht. Kreienkamp sprach sich gegenüber dem Tagesspiegel für die Einführung eines neuen distanzbasierten Systems in Berlin und Brandenburg aus. „Wir wollen das testen, um eventuell vereinfachte Tarife anbieten zu können.“

Der zu zahlende Preis würde sich dabei nach den Kilometern richten, die ein Fahrgast auf seinem Weg in der Luftlinie zurückgelegt hat. Das derzeitige System bevorteile Berliner, so die BVG-Chefin. „Sie können zwanzig Kilometer und mehr fahren und zahlen drei Euro. In den Landkreisen rund um Berlin wird dafür einiges mehr fällig, erst recht, wenn man den Tarifbereich wechselt. Da hat man teilweise eine unfaire Bepreisung.“ Ob eine Fahrt durch ganz Berlin dann letztlich wie aktuell noch drei Euro kosten könne, müsse man sich angucken. Das System sei jedoch „natürlich verbunden mit einem Deckel“, sagte sie.

Gegen distanzbasierte Tarife sprach sich der Sprecher des Berliner Fahrgastverbandes (IGEB) Jens Wieseke aus: „Damit werden die falschen abgeschöpft.“ Gerade finanzschwächere Berliner lebten sehr häufig weiter entfernt von ihren Arbeitsplätzen. „Die würde ich damit bestrafen.“

Nicht genug Testkunden für Best-Buy-Ticket

Die Verkehrsbetriebe testen aktuell bereits in einem Versuch ein sogenanntes Best-Buy-Ticket. Fahrgäste checken sich dabei über eine App bei Fahrtantritt ein und melden sich beim Verlassen des Fahrzeugs wieder ab.

Die App ermittelt anschließend, welches Ticketangebot für die Kunden am günstigsten ist und stellt dies in Rechnung. Bislang sind Einzelfahrscheine und Tageskarten im System integriert. Als nächstes würden nun Vier-Fahrten-Karten integriert und anschließend Monatstickets, so Kreienkamp. Allerdings findet die BVG bislang nicht genug Personen für den Test des Best-Buy-Tickets. „Aktuell haben wir etwa 500 Kunden, die das mit uns testen. Da würden wir uns mehr Probanden wünschen“, sagte Kreienkamp. Ursprünglich hatte die BVG einen Versuch mit rund 1000 Personen geplant.

Trotz des Versuchs der BVG ist kurzfristig nicht mit der Einführung eines solchen Tarifmodells im VBB zu rechnen. Zwar würden die Vorstöße interessiert beobachtet, hieß es aus VBB-Kreisen. Von politischer Seite fehle es bislang jedoch an ernsthaften Initiativen für eine solche Änderung.

Auch das zum Januar gestartete Flex-Ticket wird von den Kunden bislang nur mäßig angenommen. „Von Januar bis März haben wir knapp 5000 Stück verkauft, die meisten davon digital. Das ist noch ein bisschen unter unseren Erwartungen“, sagte die BVG-Chefin. Die Ankündigung des Monatstickets für neun Euro dürfte die Entwicklung zusätzlich bremsen. „Da gibt es sicher Menschen, die abwarten, was jetzt an Angeboten kommt.“

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