BVG im Temperaturtief : Die Busse der BVG mögen die Kälte nicht

Batterieprobleme, eingefrorene Ventile: Immer wieder versagen Busse bei Dauerfrost den Dienst. Betroffen sind vor allem ältere Fahrzeuge.

Der Dauerfrost macht auch den Bussen der BVG zu schaffen. Statt wie auf dem Foto zügig über den Potsdamer Platz zu rollen, streiken besonders die älteren Modelle.
Der Dauerfrost macht auch den Bussen der BVG zu schaffen. Statt wie auf dem Foto zügig über den Potsdamer Platz zu rollen,...Foto: imago/Ralph Peters

Was die S-Bahn kann, schafft auch die BVG: den massenweisen Ausfall von Fahrten. Bei der BVG hat es in den vergangenen Tagen voll den Busbereich erwischt, wie BVG-Sprecher Markus Falkner auf Anfrage sagte. Ursache sei die lange Frostperiode, nicht die Kälte an sich. Fahrer berichten allerdings, dass es schon länger Probleme gebe, weil die Werkstätten mit zu wenig Personal arbeiten müssten. Hinzu gekommen sind jetzt auch Krankschreibungen durch die Grippewelle. Die Folge so oder so: Fahrgäste müssen lange auf einen Bus warten oder sich in ein bereits überfülltes Fahrzeug quetschen.

Wenn Busse nicht einsatzfähig sind und als „Stehenbleiber“ die Höfe nicht verlassen können, liege es derzeit meist an nicht funktionierenden Batterien, Bremsen oder eingefrorenen Ventilen der Druckluftanlage zum Öffnen und Schließen der Türen, sagte Falkner. Betroffen seien vor allem ältere Fahrzeuge – die in die Jahre gekommenen MAN-Doppeldecker sowie die Gelenkbusse von Solaris. Die ersten Fahrzeuge dieser Typen wurden bereits 2005 beschafft. Die Mitarbeiter in den Werkstätten arbeiteten „mit Hochdruck“ und großem Engagement, um trotz der extremen Witterung so viele Busse wie möglich so schnell wie möglich wieder einsetzen zu können, sagte Falkner weiter.

Nach Ansicht von Fahrern hat die BVG zu viele alte Fahrzeuge, die deshalb häufig ausfielen. Allein zur Doppeldecker-Flotte gehören 416 Busse. Hinzu kommen 178 Solaris-Gelenkbusse. Der Busbestand umfasst derzeit insgesamt 1389 Fahrzeuge.

Weil die Suche nach einem kostengünstigen Hersteller von Doppeldeckern bisher erfolglos war, hat sich die BVG entschlossen, die vorhandenen Fahrzeuge nochmals auf Vordermann zu bringen, damit sie weiter durchhalten. Unter anderem müssen Roststellen beseitigt werden. Die Arbeiten erfordern aber einen längeren Aufenthalt in den Werkstätten.

In der Not ersetzt die BVG die Doppeldecker auch auf Linien mit vielen Fahrgästen durch Eindecker, auch vom Typ VDL, die als Leichtbaufahrzeuge konzipiert sind. Die längeren Eindecker hat die BVG ausgemustert. In den Doppeldecker passen nach BVG-Berechnungen 113 Fahrgäste, im VDL-Eindecker finden 70 Fahrgäste Platz, mehr als die Hälfte aber nur stehend. Im Doppeldecker gibt es 83 Sitzplätze.

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Um nach dem Ausfall von Doppeldeckern doch noch fahren zu können, schickt die BVG nach Angaben von Falkner kurze Eindecker „auf Linie“ – nach Angaben von Fahrern auch auf die klassischen Doppeldecker-Strecken wie die Linien M 19 (Grunewald–Mehringdamm), M 29 (Roseneck–Hermannplatz oder X 10 (Zoo–Teltow), an deren Haltestellen besonders viele Schulen liegen. Wenn dann ein kleiner Bus komme, sei die Freude unbeschreiblich.

Die BVG erwartet, dass sich die Lage mit den steigenden Temperaturen „zeitnah“ merklich entspannen werde, sagte Falkner. Durch die geplante und laufende Modernisierung der Flotte werde auch insgesamt der Reparaturaufwand voraussichtlich deutlich sinken.

Nach Angaben von Fahrern sind die vor allem nachmittags erfolgenden Ausfälle von Fahrten allerdings „Normalzustand“. Deshalb gibt es auch Kritik am geplanten Kauf von Bussen mit Elektroantrieb. Sie kosten derzeit etwa das Dreifache eines herkömmlichen Busses. Die BVG will zunächst – auch auf Druck des Senats – 30 elektrische Eindecker kaufen, denen im nächsten Jahr 15 E-Gelenkbusse folgen sollen. Das Geld sollte besser in die Werkstätten und in den Kauf bewährter herkömmlicher Busse gesteckt werden, sagte ein Fahrer. Klaus Kurpjuweit

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