Carsharing-Boom in Berlin : Mobilität auf Zeit

In Berlin stehen bald so viele Carsharing-Autos zur Verfügung wie in keiner anderen europäischen Stadt. Warum ist das Autoteilen hier so beliebt?

BMW und Mercedes fusionieren auch in Berlin zum Carsharing-Anbieter "Share now".
BMW und Mercedes fusionieren auch in Berlin zum Carsharing-Anbieter "Share now".Foto: obs/CALUMET (c) SHARE NOW

In Kürze werden in Berlin mehr als 5300 Carsharing-Autos ohne feste Mietstation (Freefloating) zur Verfügung stehen. Einige hundert weitere Fahrzeuge bieten stationsgebundene Carsharingfirmen wie Cambio, Stadtmobil oder Flinkster an. Berlin ist damit die Haupstadt des Autoteilens in Europa. Hinzu kommen knapp 2400 Elektro-Scooter, mehr als 15 000 Leihfahrräder und in Zukunft: elektrische Tretroller in großer Zahl, die man am Straßenrand mieten und irgendwo wieder abstellen kann.

Teilen statt besitzen, Mobilität auf Zeit statt in der Garage oder auf dem Parkplatz – in Berlin scheint es zu funktionieren. Nach dem jüngsten Zusammenschluss von Drive-Now (BMW) und Car-2-Go (Daimler) mit gemeinsam 2600 Fahrzeugen in der Hauptstadt und dem angekündigten Start des VW-Sharings mit 1500 Elektroautos im Frühjahr sind in dieser Woche zwei weitere Anbieter ins Rennen gegangen: Sixt und das luxemburgische Start-up Oply (200 Fahrzeuge).

Der Autovermieter Sixt gab am Donnerstagabend den offiziellen Startschuss für seine neue Mobilitätsplattform. Unter dem Namen „Sixt Share“ bietet der Autovermieter in Berlin ab sofort rund 1000 Carsharingautos an, gut 100 davon sind Elektroautos. „Zwischen zehn und 20 Prozent der Flotte sollen elektrisch sein“, sagte Bereichsleiter Nico Gabriel dem Tagesspiegel. Die Flotte selbst ist flexibel und kann bis auf mehrere tausend Fahrzeuge vergrößert werden – wenn die Nachfrage da ist. Ist sie es nicht, werden die Fahrzeuge in der Autovermietflotte eingesetzt. Nutzer finden die Fahrzeuge per Smartphone-App überall im Geschäftsgebiet innerhalb des S-Bahn-Rings. Ein Auto kann auch für den ganzen Tag oder länger genutzt werden, auch die Rückgabe außerhalb der Stadt ist möglich, dann aber an einer der dortigen Sixt-Stationen. Die Mietpreise bewegen sich ab 19 Cent pro Minute und passen sich der Nachfrage an. "Es gilt der Bestpreis", sagt Gabriel. „Wer länger fährt, fährt automatisch gegen den Tages- oder Wochentarif.“ In zwei weiteren deutschen Städten will Sixt das Angebot noch 2019 beginnen. Wann man Geld verdienen will, sagt Sixt nicht.

Berliner sind aufgeschlossen für Sharing-Modelle

Alle Anbieter sehen in Berlin attraktive Wachstumschancen. Mit weniger als 400 privaten Pkw pro 1000 Haushalten ist die Ausstattung der Haushalte mit eigenen Autos gering. Hinzu kommt ein gut ausgebautes ÖPNV-Netz, das viele Fahrten mit dem eigenen Auto überflüssig macht. Außerdem zeigt sich, dass die Berlinerinnen und Berliner besonders aufgeschlossen für Sharing-Modelle sind. Fast die Hälfte (45,2 Prozent) ist nach einer repräsentativen Studie bereit, Dinge über Online-Plattformen zu mieten. Das ist das Ergebnis einer von Turo in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage, dem weltweit größten Online-Marktplatz für privates Carsharing. Privates Carsharing, bei dem Privat-Pkws geteilt werden, stößt in Berlin gleichfalls auf Interesse: Mehr als jeder vierte Berliner Autobesitzer (26,3 Prozent) kann sich vorstellen, das eigene Fahrzeug zu verleihen.

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