Checkpoint Charlie in Mitte : Trockland-Chef: "Ich bin in der Pflicht"

Immobilienentwickler Heskel Nathaniel über seine Pläne für den Checkpoint, Teilhaber in Steueroasen und das Gemeinwohl.

Heskel Nathaniel ist Co-Founder und Gesellschafter des Immobilienentwicklers „Trockland“
Heskel Nathaniel ist Co-Founder und Gesellschafter des Immobilienentwicklers „Trockland“Foto: Ralf Schönball

Fast keiner hat es mitbekommen. Ihre „Obergutachter“ zum Checkpoint Charlie haben ein neues „Massenmodell“ für dessen Bebauung durchgesetzt. Zufrieden?

Ja, weil konkreter wird, wie die Vereinbarungen aus dem Workshop umgesetzt werden sollen. Jetzt kann der Architekturwettbewerb als nächste Stufe Ideen entwickeln, wie die rund 50 000 Quadratmeter Geschossfläche verteilt werden könnten.

Es bleibt bei der enormen Fläche?

Das war die Planung, lange bevor wir die Flächen übernahmen. Ob es tatsächlich die gesamte Fläche bleibt, wird Ergebnis des Architekturwettbewerbs sein.

Der Senat ist gespalten. Sie drohten, die Flächen in die Zwangsversteigerung zu treiben. Können Sie doch nicht. Gläubiger ist eine Firma in Luxemburg AFI Originator...

Das haben wir nicht. Die beiden privaten Grundstücke stehen seit 2003 unter Insolvenzverwaltung. Trockland hat mit dem Insolvenzverwalter einen Optionskaufvertrag über den Erwerb beider Grundstücke abgeschlossen. Dieser Vertrag erlaubt es Trockland, das Eigentum an den privaten Grundstücken vom Insolvenzverwalter zu erwerben. Diese Option endet am 31. Januar 2019.

Keine Angst, dass das Land sein Vorkaufsrecht zieht, wenn sie selbst kaufen?

Die Vereinbarung, die Trockland mit dem Land Berlin seit drei Jahren verhandelt und beabsichtigt abzuschließen, ist kein Kaufvertrag über die beiden Grundstücke. Es handelt sich vielmehr um eine Vereinbarung betreffend den Bau eines Museums auf den in Privateigentum stehenden Grundstücken und den Abschluss eines Mietvertrages zum Betrieb des Museums. Unsere Pflicht ist, ein Museum zu bauen. Das Land Berlin hat die Option, dieses anzumieten. Für etwa 22 Euro je Quadratmeter. Die Option kann das Land ziehen oder auch nicht. Der Abschluss dieser Vereinbarung löst daher keinen Vorkaufsfall aus. Bei der Veräußerung der beiden Grundstücke im Wege der Zwangsversteigerung kann das Land Berlin kein Vorkaufsrecht ausüben und die Rechte des Landes Berlin, die das Museum sichern, werden gelöscht.

Sie haben schon mal den Checkpoint filetiert. Für jedes Grundstück eine Firma gegründet. Perfekt für einen Share Deal, kostet Sie keinen Cent Grunderwerbsteuer?

Es gab bereits zwei getrennte Grundstücke östlich und westlich der Kreuzung. Unser Plan war und bleibt, das Projekt komplett zu bauen, fertigzustellen und im Bestand zu halten. Das Thema Grunderwerbssteuern spielt keine Rolle.

Der „FAZ“ gegenüber sagten Sie, das sei zurzeit ihre Absicht, wenn sich der Markt ändere, könne sich auch das ändern ...

Wir wollen bauen, um zu behalten. Es gibt zwei Gesellschaften, eins für das östliche Grundstück mit Bauvorbescheid und eins für das westliche Grundstück, dafür bestand Baurecht nach Paragraf 34.

Das sieht der Senat anders. Es gibt kein Baurecht. Was stimmt denn nun?

Der Senat hat eine Veränderungssperre erwirkt. Aber die ist befristet. Wir sind in einem laufenden Prozess.

Damals stand der Checkpoint nicht unter Denkmalschutz. Und ein knallbuntes Hard-Rock-Hotel bauen, wo einst der Grenzkontrollpunkt war, finden viele nicht passend. Warum stellen Sie es nicht auf die Westseite der Friedrichstraße?

Der Vorbescheid gibt genau diesen Ort vor, nicht wir. Deshalb haben wir so geplant. Deshalb haben wir einen Betreiber gesucht. Deshalb haben wir einen Mietvertrag abgeschlossen. Und jetzt sind wir in der Pflicht zu liefern. Die Planungssicherheit muss gewährleistet sein. Dass Einzelne das nun infrage stellen, wirft die Frage der Rechtssicherheit auf.

Sie haben Druck, weil das Risikokapital Ihrer Gesellschafter hohe Risiko-Prämien kostet. Gleich mehrere sitzen auf der Inselrepublik Zypern, dem Heimathafen der Briefkastenfirmen reicher Russen schreibt das Handelsblatt. Warum?

Sie unterstellen Absicht, wo keine ist. Der Freund, mit dem ich das erste Trockland-Projekt in der Nollendorfstraße gemacht habe, ist Zypriote. Ich kenne ihn seit dem Studium in London vor 30 Jahren. Ich lebe seit 28 Jahren in Deutschland, bin uneingeschränkt steuerpflichtig. Wir versteuern alles in Deutschland, alle Objektgesellschaften sind in Berlin ansässig.

Wieder andere wie Vladimir Sokolov, die ebenfalls an der Trockland beteiligt sind, sind Russen und leben in den Steueroasen Liechtenstein oder Luxemburg, wo man für unversteuerte Ausschüttungen von Trockland keine Steuern bezahlt?

Sokolov und ich kennen uns seit sieben Jahren. Er ist eng im Unternehmen als Partner eingebunden und verantwortet einige operative Bereiche. Er ist eine wesentliche Säule im Unternehmensalltag und er wohnt in London. Ich finde es unerträglich, dass jemand wegen seiner Staatsbürgerschaft, ob er nun aus Israel oder Deutschland kommt, vorverurteilt wird.







Heskel Nathaniel

ist Co-Founder und Gesellschafter des Immobilienentwicklers „Trockland“. Mit ihm sprach Ralf Schönball

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