Christentum : Kirchen verlieren in Berlin massiv Mitglieder

Die Zahl der Austritte ist um 21 Prozent angestiegen. Der Schritt ist jedoch mit Kosten verbunden. Die Grünen wollen die Gebühr nun abschaffen.

30 Euro kostet ein Austritt aus der Kirche. Im Vergleich mit anderen Bundesländern liegt Berlin damit im Durchschnitt.
30 Euro kostet ein Austritt aus der Kirche. Im Vergleich mit anderen Bundesländern liegt Berlin damit im Durchschnitt.Foto: Arno Burgi/dpa

Knapp 900.000 Mitglieder zählten die evangelischen und römisch-katholischen Kirchen in Berlin im Jahr 2017, damit gehörte jeder vierte Berliner einer der beiden größten christlichen Gemeinden an. Jedoch, ihre Zahl sinkt rapide. Nachdem 2017 rund 14000 Menschen die beiden größten Konfessionsgemeinschaften verlassen hatten, waren es im Vorjahr beinahe 17000. Die Steigerungsrate der Kirchenaustritte lag damit in Berlin bei 21 Prozent. Einen noch größeren Rückgang hatte es zuletzt zwischen den Jahren 2012 und 2013 gegeben.

Zuständig ist die Senatsverwaltung für Kultur und Europa

Offen bleibt, wie viele Menschen im vergangenen Jahr den Weg in die Kirche fanden. Im Jahr 2017 waren das, rechnet man Übertritte zur Kirche und Wiederaufnahmen zusammen, 1880 Menschen. Die Taufen hinzuaddiert, kamen die Kirchen im Jahr 2017 auf 7000 neue Mitglieder, bleibt ein negatives Saldo von 7000 Austritten.

Werner Graf, Landesvorsitzender der Grünen in Berlin, verbindet die neuen Zahlen mit einer politischen Forderung. „Es ist fällig, dass der Kirchenaustritt kostenlos wird“, sagte Graf im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Wer sich dafür entscheidet, die Kirche zu verlassen, sollte nicht dafür bezahlen müssen. Seine Forderung zielt in Richtung des Linken-Kultursenators Klaus Lederer. Dessen Ressort ist für den Bereich der Religion zuständig und könnte eine Initiative zur Abschaffung der Verwaltungsgebühr auf den Weg bringen.

Gebühr von CDU im Jahr 2013 eingeführt

Aus der CDU erntet Graf Widerspruch: „Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, eine sachliche Grundlage für diese Diskussion kann ich nicht erkennen“, sagte Cornelia Seibeld, kirchenpolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Den Rückgang der Mitgliedszahlen kommentiert sie mit den Worten: „Kirchenaustritte scheinen damit zu tun zu haben, dass die Kirchen genau wie andere Organisationen an Attraktivität verlieren.“

Tatsächlich war die Verwaltungsgebühr im Jahr 2013 auf Bestreben der CDU in das seit 1979 geltende Kirchenaustrittsgesetz aufgenommen worden. Bis dahin war Berlin – neben Bremen und Brandenburg – eines der letzten Bundesländer, die für den Austritt keine Gebühr verlangt hatten. Diese liegt aktuell bei 30 Euro und damit im Schnitt der Länder. Am teuersten ist der Kirchenaustritt derzeit mit 32 Euro im Saarland, am günstigsten mit 12 Euro in Mecklenburg-Vorpommern.

In Berlin wird die Statistik zu Kirchenaustritten von der Senatsjustizverwaltung geführt. Diese ist zuständig, weil Kirchenaustritte beim Amtsgericht vorgenommen werden müssen. Aus der Behörde hieß es, Sterbefälle seien in der Statistik unberücksichtigt. Es handele sich nur um vollzogene Austritte.

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