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Club in Berlin-Mitte : KitKat-Besucher melden sich in Kliniken

Noch ist unklar, wie viele Menschen von der Meningokokken-Übertragung im KitKat betroffen sind. Das liegt auch daran, weil den Ämtern die Ärzte fehlen.

Der Berliner Techno-Club KitKat.
Der Berliner Techno-Club KitKat.Foto: imago

Der Andrang war enorm. „In den Rettungsstellen des Klinikums Neukölln und des Klinikums Am Urban haben sich etliche Personen gemeldet“, sagt Kristina Tschenett, die Pressesprecherin des Klinikkonzerns Vivantes. Und diese Menschen waren in heller Aufregung, aufgeschreckt durch das Schlüsselwort „Hirnhautentzündung“. Sie hatten Angst, dass sie sich angesteckt hatten. „Bei diesem Begriff leuchtet bei uns die Alarmstufe Rot“, sagt Falko Liecke (CDU), der Gesundheitsstadtrat von Neukölln. Beim Thema Meningitis, also Hirnhautentzündung, herrscht bei allen Gesundheitsämtern höchste Alarmstufe.

Bezirksamt Reinickendorf schrieb Pressemitteilung aus

Ausgelöst hat den Alarm das Bezirksamt Reinickendorf mit einer Pressemitteilung: „Alle Personen, die am Samstag im KitKatClub waren, sollten sich unverzüglich vorbeugend behandeln lassen. Bitte suchen Sie sofort Ihre Hausärztin, Ihren Hausarzt oder die Rettungsstelle eines Krankenhauses auf. Am Samstag, 29.09.2018, gab es nach derzeitigen Erkenntnissen die Übertragung einer bakteriellen Hirnhautentzündung (Meningokokken-Meningitis) im KitKatClub in der Köpenicker Straße 76 in Mitte. Bislang ist bekannt, dass die Meningokokken zu einer der Gruppen A, C, Y, W135 gehören. Die Ansteckung erfolgt über Flüssigkeiten aus dem Mund- und Rachenraum. In der Regel ist dazu ein sehr enger Kontakt nötig. Die vorbeugende Behandlung besteht üblicherweise aus der Einnahme eines Antibiotikums. Die Meningokokken-Meningitis ist eine schwerwiegende Erkrankung. Übliche Symptome sind starke Kopfschmerzen, hohes Fieber, Schüttelfrost, Schwindel, Nackensteifigkeit und schwerstes Krankheitsgefühl. Innerhalb weniger Stunden kann sich ein schweres, lebensbedrohliches Krankheitsbild entwickeln.“

Bislang keine offiziellen Hinweise auf betroffene Personen

Kein Wunder, dass viele aufgeschreckte Menschen nur noch ein Ziel hatten: den nächsten Arzt. Doch in Neukölln, bei Lieckes Amt, gab es bis Mittwoch keinen offiziellen Hinweis auf einen Betroffenen, auch aus anderen Bezirken wurde nichts bekannt. Liecke hatte die Alarm-Nachricht am Dienstag im Radio gehört.

Auf jeden Fall ist klar, was er beziehungsweise seine Experten tun müssen, wenn es einen identifizierten Betroffenen gibt: „Alle Personen aus seinem Umfeld müssen über die Übertragung informiert werden und zum Arzt und je nach Intensität des Kontakts mit dem Betroffenen sogar in Quarantäne“, sagt Liecke.

Behandelnde Ärzte fehlen

Er muss aber gar keinen Infizierten kennen, um schon das erste Problem in diesem Zusammenhang zu haben. Für einen Meningitis-Fall wäre eigentlich der Umwelt- und Hygienearzt des Bezirks erster Ansprechpartner. Er vor allem müsste dafür sorgen, dass Personen aus dem Umfeld angesprochen werden und dass „notfalls Ordnungsmaßnahmen ergriffen werden“. Im Klartext: Jemand muss notfalls auch gegen seinen Willen zu einem Arzt gebracht werden.

Dummerweise hat Liecke aber in seinem Mitarbeiterstab seit mehreren Jahren keinen Umwelt- und Hygienearzt. „Wir finden keinen, weil die Stelle zu schlecht vergütet wird.“ Natürlich ist auch der Amtsarzt von Neukölln bei einem Meningitis-Fall eng eingebunden. Einen Amtsarzt hat Liecke immerhin, nur ist der seit neun Monaten krankgeschrieben. Seinen Part übernimmt kommissarisch ein Kinder- und Jugendpsychiater.

Eigentlich wäre das ja die Aufgabe des offiziell stellvertretenden Amtsarztes. Aber den gibt es auch nicht. Liecke hatte die Stelle ausgeschrieben, er hatte auch einen Bewerber, einen Mediziner aus Schleswig-Holstein. „Der hatte Interesse, er wäre auch geeignet gewesen.“ Das Interesse erlosch schlagartig, als der Arzt hörte, was er in Neukölln verdienen würde. „Das war 20 Prozent unter seinem bisherigen Gehalt, also hat er abgesagt“, erklärt Liecke.

Der Stadtrat muss jetzt nicht nur mühsam die Stellvertreterstelle besetzen. Er steht schon vor dem nächsten Personalproblem: Der derzeit kranke Amtsarzt geht 2019 in Rente.

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