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Das Kilo für mehr als 100 Euro: Wann kommt die Preisbremse für Weihnachtsschokolade?
Der Kakaopreis ist hoch, auch Personal und Energie treiben die Kosten. Doch das Geschäft mit weihnachtlichen Süßwaren scheint nicht frei von Abzocke zu sein. Ein Glück, dass Berlin bald wählt.

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Lebkuchen, Spekulatius und Dominosteine: Wer sich bis zum ersten Advent noch nicht an weihnachtlichen Süßwaren sattgegessen hat, ist selbst schuld. Schließlich wird das Zeug schon seit dem Spätsommer in allen Supermärkten feilgeboten. Wer aus Tradition erst jetzt zur Weihnachtsschokolade greift, bekommt schon vor dem Verzehr einen Zuckerschock: Die Preise haben es in sich. Geht’s noch?
Ein Besuch in der Filiale einer familiengeführten Drogeriekette. Der „Mini-Santa Glamour“ kostet genauso wie der „Engel Metallic“ 4,99 Euro. Dafür gibt es jeweils 50 Gramm Schokolade, macht pro Kilogramm 99,80 Euro. Das „Winterhaus klein“ enthält für 5,99 Euro einen „Mini-Weihnachtsmann Milch“ und diverse Schoko-Kugeln in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen. Bei insgesamt 68 Gramm bedeutet das den Spottpreis von 88,09 Euro fürs Kilo.
Die „Geschenk-Tanne“, 53 Gramm Blätterkrokant, wechselt für 5,49 Euro den Besitzer, aufs Kilogramm gerechnet sind das schlappe 103,58 Euro. Ob’s da noch eine Nordmann-Tanne obendrauf gibt?
Süßwaren haben sich in den vergangenen Jahren enorm verteuert. 2024 war der Kakaopreis auf ein Rekordniveau geklettert, eine Folge von Ernteausfällen durch schadhafte Pflanzen und Extremwetter. Seitdem ist er wieder gefallen, doch die Industrie hat für diese Saison längst ihre Rohstoffe eingekauft und verweist auch auf andere Kostentreiber wie Personal und Energie.
Um 21,8 Prozent legten die Preise für Schokolade daher von Oktober 2024 bis Oktober 2025 zu, teilte das Statistische Bundesamt in dieser Woche mit. Die Verbraucherpreise stiegen generell in diesem Zeitraum nur um 2,3 Prozent, die für Lebensmittel um 1,3 Prozent.
Ist das Geschäft mit der Weihnachtsschokolade am Ende eine gottlose Form der Querfinanzierung der Süßwarenindustrie mithilfe gezuckerter Gefühlsduselei?
Ingo Salmen, stellvertretender Leiter des Berlin-Ressorts
Allen Erklärungen zum Trotz kann man sich im Laden des Eindrucks nicht erwehren, dass bisweilen auch schlicht Abzocke den Preis in die Höhe getrieben haben könnte. 2,69 Euro kosten 35 Gramm „Küsschen“ eines italienischen Familienunternehmens in der sternförmigen Pappschachtel, ein rotes Bändchen macht sie zum perfekten Weihnachtsbaumschmuck. Da scheint ein Kilopreis von 76,86 Euro wirklich nicht zu viel verlangt. Gäbe es nicht eine Regalreihe weiter die gewöhnliche 178-Gramm-Packung zum Kilopreis von 22,42 Euro.
Ist das Geschäft mit der Weihnachtsschokolade am Ende eine gottlose Form der Querfinanzierung der Süßwarenindustrie mithilfe gezuckerter Gefühlsduselei? Kein Wunder, dass die Weihnachtssaison für den Handel schon so früh beginnt.
Politisch liegt darin eine Chance: Berlin wählt im nächsten Jahr. In der Vergangenheit haben schon Politiker versucht, mit Forderungen nach einer „Dönerpreisbremse“ zu punkten. Wer in der heißen Phase vor dem Wahltermin am 20. September noch mal einen Kassenknüller auspacken will, sollte seine Kampagne auf eine Preisbremse für Weihnachtsschokolade zuschneiden. Ab dem 1. September wird sie wieder überall in den Regalen liegen.
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