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Sie ist nicht dabei: Angela Merkel hat die Medaille diesmal knapp verpasst.

© John MacDougall/AFP

Tagesspiegel Plus

Der Checkpoint vergibt Auszeichnungen: Diese Berlinerinnen und Berliner haben Medaillen verdient

Wer wird Berliner der Woche? Es war ein knappes Rennen – und vom namenlosen S-Bahn-Kontrolleur über Impfbusse auf Abwegen bis zur Bundeskanzlerin hatten alle ihre Chance.

Los geht’s mit den Checkpoint-Medaillen der Woche. Natürlich waren wir versucht, Bronze an die RGRmbH i.G. zu verleihen, die am Montag ihren Koalitionsvertrag vorstellen will; Berlins neue Regionskoalition steckt gerade in den Schlussberatungen, Kollegin Sabine Beikler berichtet. Man wolle bloß noch Dissense ausräumen. Na, wenn’s weiter nichts ist.

Zwar twitterte der stellvertretende Linken-Vorsitzende Tobias Schulze am Abend von den Verhandlungen ein optimistisches „Läuft bei uns…“ (Selfie mit Lederer und Coca-Cola, im Hintergrund: Giffey, Geisel & Co. KG, siehe Tweet), wir wollten dann aber doch keine Vorschuss-Medaillen verteilen. Wir wissen schließlich, wie unerwartet sich Vorgänge in dieser Stadt ins Unendliche verschieben können.

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Bronze für typische Berliner Prosa

Die Bronze-Medaille erhält deshalb – durchaus kontrovers! – ein namenloser Kontrolleur in der S-Bahn, der zum Ticket auf gar keinen Fall den Impfpass sehen wollte („das machen andere (…) von uns“) und meiner Kollegin Fanny Oppermann auf Nachfrage die wohl berlinerischste aller Antworten gab: „dit is’ nich’ mein Aufgabenbereich“. Und: „Ich find’s ja toll, dass sie geimpft sind.“ Wir finden die Episode so enttäuschend wie poetisch. Für Bronze reicht’s.

Prüfen ist Silber ...

Silber gibt‘s für all die Bars, Restaurants und Kultureinrichtungen, die 2G-Nachweise wirklich prüfen, um ein bisschen mehr Sicherheit zu schaffen (auch wenn das leider keine Garantie ist, sich nicht anzustecken, Jana Weiss berichtet). Auf unserer interaktiven Karte haben wir mit Ihrer Hilfe mittlerweile über 800 Orte gesammelt. Wir freuen uns, wenn Sie weitere schicken – oder auch Negativmeldungen, damit diese Orte ganz bestimmt nicht auf der Karte landen.

Ein aussichtsreicher Medaillen-Kandidat hat sich für diese Woche leider disqualifiziert: Die Impfbusse, die im Team antraten, hätten angesichts der aktuellen Corona-Lage allerbeste Chancen gehabt, fielen dann aber im letzten Moment durch fehlende Heizungen (CP vom 25.11.) und Nichterscheinen vor dem Dong-Xuan-Center negativ auf. Schuld war ein falsches Datum auf berlin.de (das übrigens bis heute Nacht nicht korrigiert wurde). Und in Treptow-Köpenick steuerte der Impfbus gestern spontan einfach den Mellowpark statt des Allende-Centers an. Über den Wankelmut des Südost-Impfbusses hatten sich schon vergangene Woche Anwohner geärgert, berichtet Thomas Loy im „Leute“-Bezirksnewsletter.

... Sich kümmern ist Gold

Gold wert ist Angela Merkels Musikgeschmack, wie wir gestern erfuhren: Für ihre Abschiedszeremonie vor dem Reichstag wünscht sie sich nicht nur „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ von Hildegard Knef, sondern auch Nina Hagens DDR-Hit „Du hast den Farbfilm vergessen“. Aber da der bald-Ex-Kanzlerin beim Großen Zapfenstreich sicher ausreichend Aufmerksamkeit zuteilwerden wird, wollen wir die Goldmedaille einer Person verleihen, deren Namen wir nicht kennen.

Und der sich um diejenigen kümmert, deren Namen am Ende ihres Lebens scheinbar niemand mehr kannte: dem Friedhofsangestellten des Alten Domfriedhofs St. Hedwig in Mitte. Dort werden unter anderem einsam Verstorbene bestattet – dicht an dicht in kleinen Urnengräbern. Hier arbeite „ein Mann und beerdigt oft als einzig (!) Anwesender täglich viele der aus der Gesellschaft Gefallenen. Er tut dies mit so viel Respekt und Würde“, schreiben uns Kerstin und Frank Buschenhagen. Für seinen Dienst an der Menschlichkeit habe der namenlose Friedhofsmitarbeiter eine Medaille „wirklich verdient“. Finden wir auch.

Negativpreis für rassistischen Angriff

Über die Blechmedaille mussten wir diesmal leider keine Sekunde nachdenken. Sie geht an die Frau, die den Lichtenberger Balogun Adegbayi gestern heftig rassistisch beleidigte und bespuckte. Der 32-Jährige veröffentlichte ein Video von dem Vorfall auf Twitter. Adegbayi, der von Beruf Kreditberater ist, erstattete Anzeige, wie er dem Checkpoint bestätigte. Meinem Kollegen und Bezirksnewsletter-Autor Robert Klages erzählte er zudem, oft glaube man ihm Berichte von rassistischen Übergriffen nicht. „Diesmal dachte ich, ich nehme es mal mit meinem Handy auf.“ Die Frau, die vor der Volkshochschule Lichtenberg angefangen habe, ihn zu beleidigen, kenne er nicht. Die Polizei twitterte am Abend, sie habe das Video dem Staatsschutz beim Landeskriminalamt übermittelt.

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„Jede rassistische Gewalttat ist und bleibt ein Riss in der Demokratie. Und die Bundesrepublik hat mutmaßlich mehr Risse, als ihr bewusst ist“, schreibt Kollege Frank Jansen. Einmal pro Jahr trifft er Orazio Giamblanco, den Skinheads am 30. September 1996 in Brandenburg angegriffen haben; seitdem ist er schwerbehindert. Auch dieses Jahr, 25 Jahre nach der rechtsextremistischen Gewalttat, hat Frank Jansen ihn besucht. Hier können Sie den Text lesen.

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