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Miriam Trostorf und Lara Dade

© Janina Snatzke

Tagesspiegel Plus

Der Club der starken Mädchen: Zwei Frauen engagieren sich in Berlin seit Jahren für junge Geflüchtete

Zehn Jahre waren Lara Dade und Miriam Trostorf in der Flüchtlingsunterkunft in Marienfelde aktiv. Sie organisierten einen Mädchenclub. Jetzt sind die beiden für den Hatun-Sürücü-Preis nominiert.

Man vergisst so schnell. Aber es ist wirklich schon länger als elf Jahre her, dass der seinerzeitige Bezirksbürgermeister Ekkehard Band (SPD) und die damalige Sozialstadträtin Sibyll Klotz (Grüne) im Dezember 2010 vom rot-roten Senat ein Gesamtkonzept zur Unterbringung von Geflüchteten forderten.

Damals war das ehemalige Notaufnahmelager in Marienfelde wieder geöffnet worden, nachdem es erst im August jenes Jahres geschlossen worden war. Man wusste nicht mehr wohin mit den Menschen, die nach Berlin geflüchtet waren. Das war fünf Jahre vor den berühmten „Wir schaffen das“-Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel, als die sogenannte Flüchtlingskrise eigentlich begann und die Menschen zu Hunderttausenden nach Deutschland kamen.

Bereits 2012 machte Lara Dade im Rahmen ihres Sozialarbeitsstudium ein Praktikum im Marienfelde. Sie entwickelte dabei Ideen, welche Angebote sie gerade für Mädchen machen kann, die in dem Übergangsheim gemeinsam mit ihren Familien untergekommen sind. Das Heim ist in der Trägerschaft des Internationalen Bundes.

Die Mädchen schufen einen Raum für sich selber

Die Idee für einen Mädchenclub für Mädchen zwischen neun und 15 Jahren entstand. Diesen organisierte Dade dann auch längst nach ihrem Praktikum ehrenamtlich weiter. Nach zwei Jahren – im Jahr 2014 – stieß Miriam Trostorf dazu, ebenfalls im Rahmen eines Praktikums. Sie studierte Ethnologie und Kulturwisschenschaften und blieb dem Mädchenclub ebenso verbunden.

Immer am Mittwochnachmittag fand der Mädchenclub statt, der immer von einem guten Dutzend Mädchen besucht wurde; es gab auch einen eigenen Raum in der Anlage, der von den Mädchen selber gestaltet wurde. Gemeinsam überlegte man, wie man den Nachmittag gestalten wollte, machte Ausflüge zum Bouldern, aufs Tempelhofer Feld oder zum Bowling. Man ging gemeinsam ins Kino und ins Theater. Es wurde gebacken, oder die Mädchen lernten, wie sie ein Fahrrad reparieren können. In dem Wohnheim leben rund 700 Geflüchtete aus Syrien, Afghanistan, Tschetschenien, Irak, Somalia, Eritrea und Serbien. Gut die Hälfte davon sind Kinder und Jugendliche, 190 von ihnen Mädchen.

Vor zwei Jahren haben haben Trostorf und Dade zum ersten Mal eine mehrtägige Reise organisiert. Zunächst sollte diese nach Paris führen; nach einigen Schwierigkeiten wegen der Papiere wurde es schließlich Rostock. 2021 fuhr man auf die Nordseeinsel Juist. „Diese Reisen haben richtig zusammengeschweißt“, sagt Trostorf.

Noch eine gemeinsame Reise

Und auch in diesem Jahr werden sie noch einmal mit den Mädchen verreisen. Das Ziel: Warnemünde. Trostorf und Dade haben im Dezember 2021 den Mädchenclub vor allem aus beruflichen Gründen aufgegeben. Der Kontakt zu den Mädchen ist aber geblieben. „Wir wollen die Beziehungen zu den Mädchen aufrecht erhalten“, sagt Trostorf. Nur das regelmäßige Engagement könnten die beiden so nicht mehr leisten.

Für ihre ehrenamtliche Tätigkeit sind Lara Dade und Miriam Trostorf jetzt für den Hatun-Sürücü-Preis nominiert. Diese Auszeichnung vergibt die Grünenfraktion im Abgeordnetenhaus, um damit Projekte, Initiativen und einzelne Personen zu würdigen, die Mädchen und junge Frauen in ihrem Werdegang unterstützen und sie ermutigen, neue Wege zu gehen und Neues zu probieren. Neben den Macherinnen des Marienfelder Mädchenclubs sind unter anderem die Projekte Mädea und Papatya nominiert. 

Mädea ist bereits seit 1997 aktiv, um Mädchen zu stärken. Papatya ist eine anonyme Kriseneinrichtung für Mädchen und junge Frauen, die von familiärer Gewalt, Zwangsheirat oder Verschleppung bedroht sind. Die Reihenfolge der ersten drei Plätze des Hatun-Sürücü-Preises wird erst bei der Preisverleihung am 29. April bekannt gegeben. Der Preis wird in diesem Jahr zum zehnten Mal verliehen; er wurde 2013 ins Leben gerufen.

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