Drogen in Berlin : Verkehrsschule für Kids mit Koks-Polizist

In Berlin klärt die Polizei Jugendliche über Drogenmissbrauch auf - einer dieser Beamten wurde schon vor Monaten mit Kokain erwischt.

Polizisten sollen Straftaten verhindern, manchmal begehen sie auch selber welche.
Polizisten sollen Straftaten verhindern, manchmal begehen sie auch selber welche.Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Berlin - Diese Polizisten zeigen Kindern, wie sie sich zu Fuß oder auf dem Fahrrad sicher bewegen, worauf sie achten müssen. Sie sprechen mit Jugendlichen über die Folgen des Alkohol- und Drogenmissbrauchs im Straßenverkehr. Doch einer dieser Beamten, der für Kinder und Jugendliche ein besonderes Vorbild sein soll, ist bereits vor Monaten mit Kokain erwischt worden – dennoch blieb er weiter als Verkehrssicherheitsberater tätig.

Einen entsprechenden Bericht der „BZ“ bestätigte die Polizei. Es sei ein Disziplinarverfahren gegen den Mann eingeleitet worden, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Der Fall wirft auch Fragen zum Vorgehen der Behörde auf.

Der Beamte nahm weiter Termine für die Radfahrausbildung wahr

Der Beamte war am 16. März mit seinem Privatwagen in Tegel auf ein Motorrad aufgefahren, Verletzte gab es nicht. Die alarmierten Polizisten sollen im Kofferraum nicht nur die Uniform ihres Kollegen gefunden haben, sondern auch ein Tütchen Kokain. Zudem soll der Drogentest auf Kokain angeschlagen, der Mann unter Alkoholeinfluss gestanden haben. Bestätigt wurde bislang nur der Drogentest.

Die Polizei erklärte, dass der Beamte nach Bekanntwerden des Vorfalls einer anderen Dienstgruppe zugeordnet worden sei. Dennoch habe er noch Termine für die Radfahrausbildung von Grundschülern wahrgenommen. Diese Termine seien den Schulen zugesagt worden und hätten kurzfristig nicht von einem anderen Beamten abgedeckt werden können.

Kuriose Meldungen über Straftaten durch Polizeibeamte

Von anderen Polizisten wird das aber ganz anders dargestellt. Demnach soll der Beamte bis vor einer Woche noch Verkehrsschulungen vorgenommen haben. Bis Dienstag wurde der Beamte auf der Webseite der Polizei für Abschnitt 23 in Spandau als Verkehrssicherheitsberater aufgeführt. Erst nach dem „BZ“-Bericht wurde sein Name gelöscht.

Nach der üblichen Praxis müsste auch die Polizeiführung den Fall kennen. Denn Polizeipräsidentin Barbara Slowik und ihr Vize Marco Langner bekommen stets eine „wöchentliche Meldung meldewürdiger Straftaten durch Polizeiangehörige“. Ein Beispiel vom August 2018 zeigt, was in einer solchen Wochenmeldung steht. Fall eins: Trunkenheit im Straßenverkehr mit 3,5 Promille; Fall zwei: verbotenes Kraftfahrzeugrennen, Gefährdung des Straßenverkehrs, Rotlichtverstöße und Fahren mit 0,69 Promille; Fall drei: Beleidigung („Eself...“); Fall vier: heimliche Filmaufnahmen in der Damenumkleide.

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