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Besaß Ecken und Kanten: Direktor Blaszkiewitz mit Eisbär Knut.
© imago/Christian Schroth

Bernhard Blaszkiewitz stirbt mit 67: Ehemaliger Direktor des Berliner Zoos und Tierparks ist tot

Bernhard Blaszkiewitz – kaum ein Zoodirektor wurde so geschätzt und kritisiert. Er starb im Alter von 67 Jahren. Viele Berliner:innen gedenken seiner.

Von Annette Kögel

Ein Unikum der Berliner Zoo- und Tierpark-Historie ist nicht mehr. Der frühere Berliner Zoo- und Tierparkdirektor Bernhard Blaszkiewitz starb vergangene Woche im Alter von 67 Jahren, teilte eine Zoo-Sprecherin am Montag in Berlin mit. „Er war ein leidenschaftlicher Tiergärtner und hat vor allem den Tierpark in den vergangenen Jahrzehnten entscheidend geprägt“, sagte Zoo- und Tierparkdirektor Andreas Knieriem über seinen Vorgänger.

Der Verein „Freunde der Hauptstadtzoos“ bedauert den Tod des langjährigen Direktors: Blaszkiewitz sei ein streitbarer, ehrlicher und offener Mensch gewesen, der polarisiert habe. „Dieses machte ihn angreifbar, verletzbar, aber es ging ihm immer um das Wohl vom Tierpark und vom Zoo“, hieß es.

Der studierte Biologe war von 1991 bis 2014 Direktor des Tierparks und von 2007 bis 2014 zudem Direktor des Zoologischen Garten Berlins und damit der erste gemeinsame Direktor von Zoo, Tierpark und Aquarium in Personalunion. Bernhard Blaszkiewitz kam am 17. Februar 1954 im westlichen Teil Berlin zur Welt.

Kaum ein Zoodirektor in Deutschland polarisierte so wie er. Die einen schätzten den konservativen Menschen, der die Einrichtungen auch im neuen Millennium so erhalten wollte, wie er sie schon aus den 1960er und -70er Jahren kannte und schätzte. Die anderen fanden ihn aus der Zeit gefallen. Wie auch immer: Es sei unter anderem auch Blaszkiewitz zu verdanken, dass Berlin heute zwei herausragende zoologische Einrichtungen habe, die an Artenvielfalt weltweit ihresgleichen suchten, so sein Nachfolger Andreas Knieriem.

In seine Amtszeit fiel die Aufzucht des im Jahr 2006 geborenen Eisbären Knut im Zoo. Knut wurde ein internationales Medienphänomen in Zeiten des Klimawandels. Da ihn sein Muttertier nicht annahm, zog ihn sein Pfleger Thomas Dörflein mit der Flasche auf. Die Bilder des flauschig-weißen Bärchens aus dem Berliner Zoo rührten weltweit Millionen Menschen.

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Es gab Besucher- und Einnahmerekorde, Knut wurde zum Spielzeugtier, Kinofilm-Protagonisten, es kam eine Briefmarke der Deutschen Post mit ihm heraus. Asiatische Tourist:innen und andere Besucher:innen aus aller Welt flogen extra wegen dem Eisbären nach Berlin. Knut wurde UN-Symbolfigur und Daniel Libeskind sprach sich für den Verbleib des Bären in Berlin aus, der eigentlich Neumünster gehörte, aus dem sein Vatertier Lars stammte. Doch Bernhard Blaszkiewitz störte das öffentliche Getöse um das Tier, das Aufmerksamkeit von anderen abzog. Zoo- und Knut-Freunde nahmen es ihm übel, dass er Knut auf das Gehege mit den drei Eisbärinnen packte. Es tat ihnen weh mitanzusehen, wie der Jungbär litt, vor Angst zitterte, sich hinter Felsen kauernd verstecken wollte.

Dass Berlin zwei Einrichtungen hat, ist sein Verdienst

Dennoch war es auch Blaszkiewitz, der die nach dem Mauerfall nötige Modernisierung des Tierparks vorangetrieben habe, hieß es in der Mitteilung des Zoos. Außerdem zeugten mehr als 600 Veröffentlichungen aus über 40 Jahren von seiner umfangreichen Artenkenntnis und seinem Interesse an zoohistorischen Themen. International beschilderte Hinweistafeln wollte der Direktor aber nicht. Den Zoo machte er zum artenreichsten der Welt. Beliebt waren die Konzerte im Tierpark auf der großen Bühne, die Präsentationen durch die Tierpfleger:innen.

Blaszkiewitz hatte seinen Posten zum 31. März 2014 vorzeitig aufgegeben. Seit Vertrag lief noch bis Ende Juni 2014. Er war unter anderem wegen eines teils harschen Umgangs mit Mitarbeitern in die Kritik geraten. Andere warfen ihm Frauenfeindlichkeit vor, was er stets abstritt.

So hatte er in internen Schreiben den Namen von Mitarbeiterinnen die Formel 0,1 vorangestellt, die in der Zoo-Welt für „Weibchen“ steht, bei bestimmten Tierarten auch für „Zuchtstuten“. Später erklärte Blaszkiewitz, er habe niemanden verletzen wollen. Auch wegen offensichtlich einsam gefällten Entscheidungen war Bernhard Blaszkiewitz in die Kritik geraten, er zog unter anderem mit seinem Büro ins Schloss Friedrichsfelde auf dem Tierpark-Gelände, es wurde ihm Großmannssucht vorgeworfen.

Schimpanse Pedro biss ihm den Zeigefinger ab

Unwürdige Szenen gab es, als Bernhard Blaszkiewitz durch eines seiner Tiere verletzt worden war. Schimpansen-Männchen Pedro hatte ihm bei einem Kontakt in den Zeigefinger seinen rechten Hand gebissen; er konnte erst angenäht werden, musste dann aber doch amputiert werden. Da war Häme und Schadenfreude in der Öffentlichkeit zu spüren. Auch Pressefotografen nahmen Hand und Finger ständig auf - er hielt die Hand mit dem Verband demonstrativ und verächtlich ihren Kameras entgegen.

Zum Schluss hatte Bernhard Blasziewitz nach Tagesspiegel-Informationen als Diabetiker und auch wegen Herzproblemen gesundheitliche Sorgen. Er war außerdem auf Glatteis im Zoo gestürzt und hatte sich schwer am Kopf verletzt. Am Montag gedachten auch viele Zoo-Stammgäste des Mannes.

Schon als Kind besuchte er den Zoo

Schon als er klein war, ging der spätere Dr. als Junge gern in den Zoo Berlin. Während seines Biologiestudiums an der Freien Universität Berlin (1974-1978) war er dort Tierpfleger-Volontär. "Nach Stationen im Zoo Frankfurt und Gelsenkirchen kam er 1984 als Kurator zurück in den Zoo Berlin. 1987 promovierte er an der Universität Kassel , bevor er 1991 die Nachfolge von Tierparkgründer Prof. Dr. Heinrich Dathe als Direktor des Tierpark Berlin antrat. Seit 2007 war er darüber hinaus auch Direktor des Zoologischen Gartens Berlins, wo er Jürgen Lange ablöste", schrieb der Zoologische Garten Berlin in einer Pressemitteilung.

Was er später alles bewirkte

Während der mehr als 20-jährigen Amtszeit von Bernhard Blaszkiewitz wurden im Tierpark Berlin die zuvor teils nur provisorisch gebauten Stallungen und Anlagen bis zum Jahr 2000 durch Neubauten ersetzt, wertschätzte der Zoo Berlin seine Arbeit. "So entstanden unter anderem weitläufige Anlagen für afrikanische Huftiere, Haustiere und Gebirgstiere. Darüber hinaus wurden in seiner Amtszeit das Affenhaus sowie das Giraffenhaus, aber auch die beliebten begehbaren Tieranlagen wie der Vari-Wald, der Streichelzoo und die Känguruanlage gebaut. Im Zoo Berlin eröffnete er 2013 das Vogelhaus."

"Dr. Bernhard Blaszkiewitz begeisterte sich für die Vielfalt des Lebens und besaß eine umfangreiche Artenkenntnis. Zu seinen persönlichen Lieblingstieren gehörten die Dickhäuter" – insbesondere Seekühe und Nashörner.

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