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Demonstration für bessere Radbedingungen in Berlin. Früher dachte man vor allem an die Autos.

© Sebastian Willnow/dpa

Wo heute Radfahrer für bessere Radverkehrsbedingungen in Berlin demonstrieren, war in den 60ern eine breite Autobahn geplant. Eine Glosse.

Von Ulrich Zawatka-Gerlach

Es gab Zeiten, da galten auch in Berlin achtspurige Schnellstraßen auf Stelzen als die Ultima Ratio der Verkehrspolitik. Schnell und sicher sollten die Autofahrer vorwärtskommen, denn wie sollte man sich sonst bewegen? Etwa Bus und U-Bahn fahren? Das war die dunkle Ära der Westtangente, die nur noch ältere Semester kennen. Quer durch das Schöneberger Südgelände sollte eine Trasse in nördlicher Richtung dicht bebaute Wohngebiete und den Großen Tiergarten durchqueren, vorbei am Lehrter Bahnhof zum Volkspark Rehberge und bis zum Kurt-Schumacher-Platz.

Von diesen wahnsinnigen Plänen, die in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts völlig ernst gemeint waren, blieb glücklicherweise nur ein hässlicher Stummel übrig, der am Schöneberger Kreuz der Stadtautobahn auf den Sachsendamm trifft. Hier war Schluss, denn im Crelle-Kiez probten empörte Bürger erfolgreich den Aufstand gegen eine anachronistische Politik.

Witzigerweise organisierte die „Bürgerinitiative Westtangente“ ab 1974 ihre ersten Protest-Rundfahrten mit dem Bus. Drei Jahre später wurde das Fahrrad entdeckt, man verabredete sich mit Gleichgesinnten zu einer Sternfahrt, die am Reichstagsgebäude endete. Seitdem ist die Westtangente tot und die Fahrrad-Sternfahrt auch noch im 40. Jahr quicklebendig. Klingeling!

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