Escape Rooms : "Ein solcher Fall ist in Berlin undenkbar"

Fünf Mädchen sind bei einem Feuer in einem polnischen Escape Room gestorben. In Berlin seien die Sicherheitsvorkehrungen viel höher, sagen hiesige Betreiber.

Den Teenagern wurde der einzige Ausgang durch ein Feuer versperrt.
Den Teenagern wurde der einzige Ausgang durch ein Feuer versperrt.Foto: Agencja Gazeta/ Cezary Aszkielowicz/ Reuters

In dem Spiel geht es um kalkulierten Nervenkitzel, aber in Polen ist daraus am Wochenende echter Horror geworden: Fünf Mädchen sind am späten Freitagnachmittag im nordpolnischen Koszalin (Köslin) bei einem Feuer gestorben, während sie ein sogenanntes Escape Game spielten. Es war die Geburtstagsfeier eines der Mädchen, die sämtlich 15 Jahre alt waren. Ein 26-jähriger Mann wurde zudem mit schweren Verbrennungen ins Krankenhaus gebracht.

Escape Rooms sind auch in Deutschland sehr populär. In Berlin gibt es zwei Dutzend Betriebe mit unterschiedlichsten Ausrichtungen, bundesweit finden sich nach Angaben der Seite escape- game.org 553 fertige Spielräume in 94 Städten (Stand 3. Januar 2019). Eine Tagesspiegel-Umfrage bei Berliner Firmen hat ergeben, dass Derartiges hierzulande nach Aussage der Betreiber nicht passieren könne.

Die Grundidee ist: Man wird zu mehreren in einen Raum gesperrt und muss sich daraus befreien. Dafür müssen die Spieler im Team zusammenarbeiten, Rätsel und knifflige Aufgaben lösen, und sie haben nur eine Stunde Zeit. Je nach Szenario findet man den Heiligen Gral im Keller der Humboldt-Universität oder das Versteck eines Serienmörders, stiehlt den größten Diamanten der Welt aus der staatlichen Schatzkammer oder bewahrt die Menschheit vor einer tödlichen Seuche, um nur wenige zu nennen.

Das Klaustrophobische ist ein starkes Element in dem Ganzen. Jeder kennt das panische Gefühl: Was ist, wenn ich hier nie mehr rauskomme? Oft sind Escape Rooms in Bunkern oder Kellern, also fensterlosen Räumen. Die schlimmste Furcht bewahrheitete sich am Freitag in Polen: Ein Feuer brach aus, und es schnitt den Mädchen den Fluchtweg ab. Es gab offenbar nur einen Ausgang.

Das Feuer sei im Vorzimmer ausgebrochen, teilte die Staatsanwaltschaft laut der polnischen Nachrichtenagentur PAP am Samstag mit. Dort seien vier Gasheizer gefunden worden, die als Brandquelle in Frage kommen. Den Teenagern sei damit der einzige Fluchtweg versperrt gewesen. Ein Mitarbeiter habe die Tür zu dem Escape-Raum nicht mehr öffnen können.

Alle Opfer seien an einer Vergiftung durch das Rauchgas Kohlenmonoxid gestorben. Bei einer ersten Begehung des Unglücksgebäudes habe die Feuerwehr zahlreiche Mängel festgestellt, wie PAP weiter berichtete. „Es war nicht genug Platz für diese Leute in diesem Raum“, sagte der oberste Feuerwehrmann Polens, Leszek Suski, laut PAP. Er sei nur etwa sieben Quadratmeter groß gewesen. Heizgeräte hätten zu nahe an brennbaren Materialien gestanden. Zudem seien Kerzen gefunden worden. Die Elektroinstallation sei provisorisch gewesen.

Keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen Escape Rooms in Polen

Inzwischen wurde bekannt, dass die Betreiber von Escape-Räumen in Polen bisher keine besonderen Genehmigungen der Feuerwehr einholen müssen. Der Innenminister ordnete sofortige Überprüfungen der Brandschutzmaßnahmen in allen derartigen Objekten an. Die Inspektionen begannen gleich Samstag. Die Behörden schätzten die Zahl der Escape-Räume in Polen auf rund 1000 – die meisten davon in Warschau.

„Ein solcher Fall wie der in Polen ist bei uns undenkbar“, sagte Jochen Krüger, Betreiber des in Lichtenberg ansässigen Escape Rooms „The Room“, dem Tagesspiegel am Samstag. „Bei uns gibt es Fluchtwege, zwei Rettungswege sind vorgeschrieben, es gibt Notknöpfe, man kann jederzeit raus.“

Andere Betreiber äußerten sich ähnlich. „Alle unsere Räume haben einen Notknopf, es gibt Notausgänge, und bei Stromausfall gehen alle Türen auf, weil sie mit Magnetschlössern verriegelt sind“, sagte Phillip Kondziela, Filialleiter bei Exitroom an der Wilhelmstraße in Mitte. Ähnliches berichtet „House of Tales“ an der Zimmerstraße und „Cat in the Bag“ in Mitte, wo die Räume jeweils Fenster haben. Bei „Make a break“ werde niemand physisch eingeschlossen, teilte das Management mit, und: „Alle Räume werden durch Kameras und Mikrofone durch mindestens einen Mitarbeiter pro Raum überwacht.“

Der Brandschutz ist beim Bauen in Deutschland mittlerweile der bestimmende Faktor bei der Bauabnahme geworden. Die Anzahl der einzuhaltenden Bestimmungen ist enorm gestiegen. Das verzögert und verteuert viele Baumaßnahmen, zumal immer neue Vorschriften hinzukommen und alte nicht aufgehoben werden.

Der Boom der Exit-Spiele besteht seit einigen Jahren. Betreiber stecken viel Mühe in die Ausstattung der Escape Rooms und schaffen filmreife Settings und perfekte Illusionen. Schon bevor die krimiverliebten Deutschen anfingen, Geburtstage, Firmenevents und Junggesellenabschiede mit einem Besuch in einem Escape Room zu kombinieren, gab es verschiedene Brettspiele – die bekanntesten heißen „Exit“ und können jeweils nur ein Mal gespielt werden, da man sie beim Spiel zerstört – und Computerspiele, die auf demselben Prinzip basierten. (mit dpa)

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