Familie : Die erste Kontaktperson

Sie prüfen Herztöne, helfen Kindern auf die Welt und geben Tipps beim Stillen. Ein Hebammenglossar.

Willkommen im Leben. Die Hebamme kümmert sich um Baby und Mutter.
Willkommen im Leben. Die Hebamme kümmert sich um Baby und Mutter.Foto: Getty Images/Cavan Images RF

Eine Hebamme ist eine Hebamme? So einfach ist es nicht. Bei jeder Geburt in Deutschland muss eine Hebamme dabei sein – das besagt die „Hinzuziehungspflicht“. Eine Hebamme darf eine Geburt alleine durchführen, eine Ärztin oder ein Arzt nicht – außer es liegt ein Notfall vor. Aber längst nicht alle Hebammen helfen tatsächlich Babys auf die Welt. In den Krankenhäusern werden dringend Hebammen gesucht, während sich jedes Jahr mehr Hebammen in die Freiberuflichkeit begeben (oft in Teilzeit) und nur noch Geburtsvorbereitungs-, Rückbildungskurse, Schwangerenyoga sowie Vorsorge und Wochenbettbetreuung anbieten: 2015 gab es noch knapp über 1000 Freiberuflerinnen, 2018 schon mehr als 1100. Eine kurze Erklärung, welche Art Hebamme was macht:

ANGESTELLTE HEBAMMEN IN KLINIKEN

Nur rund 450 der Berliner Hebammen arbeiten im Schichtdienst in den Berliner Krankenhäusern. Wenn Frauen mit Wehen in das Krankenhaus ihrer Wahl kommen, treffen sie auf die diensthabenden Hebammen. Meist kennen sie sie noch nicht. Wenn mehrere Frauen gleichzeitig im Kreißsaal sind, müssen sich die Hebammen um alle kümmern, die dort sind. Bei einer Hebammenbefragung kam heraus, dass sie häufig drei Frauen parallel, manchmal auch vier Frauen und mehr betreuen müssen. 41 314 Frauen wurden in Berlin im Jahr 2017 unter der Geburt in Kliniken betreut. Das macht eine Betreuung von etwa 81 gebärenden Frauen pro Hebamme und Jahr (wenn man die Beleghebammen hinzuzählt – siehe nächstes Stichwort). Das ist laut Hebammenverband noch „deutlich schlechter als der ohnehin schon schlechte Bundeswert von 68,8 Geburten pro Hebamme und Jahr. Ein Problem dabei: Viele der Hebammen arbeiten nämlich nur in Teilzeit. Je höher der Teilzeit-Anteil ist, desto niedriger muss die Geburtenzahl je Hebamme und Jahr sein. Zurzeit arbeiten laut Hebammenverband 72 Prozent in Berlin in Teilzeit, damit sollte die Quote etwa bei 42 Geburten pro Hebamme und Jahr liegen (so ist es in Österreich und der Schweiz, die ähnliche Arbeitsstrukturen haben).

BELEGHEBAMMEN

45 Beleghebammen gibt es in Berlin laut einer Statistik von 2017. Eine Beleghebamme ist Freiberuflerin, hat einen Vertrag mit einem Krankenhaus und kann dort den Kreißsaal für Geburten nutzen sowie Unterstützung durch die Ärzte anfordern. Sie bietet Eins-zu-eins-Betreuung für Frauen unter der Geburt an. Ein Sonderfall ist das Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe, in dem nur Beleghebammen arbeiten. In anderen Bundesländern ist das anders. Dort arbeiten Beleghebammen oft im normalen Schichtsystem – nur eben als Freiberuflerinnen. Sie können dort also keine Eins-zu-eins-Betreuung anbieten.

VORSORGE/NACHSORGE

Während der Schwangerschaft kann man sich eine Hebamme suchen, die fast alle im Mutterpass vorgesehenen Vorsorgeuntersuchungen durchführen kann, etwa Gewicht und Blutdruck kontrollieren, Lage und die Größe des Kindes feststellen, Herztöne prüfen, Urin- und Blutwerte testen. Einzig Ultraschalluntersuchungen können nur Ärztinnen durchführen. Viele Schwangere nehmen die Vorsorgetermine abwechselnd bei der Gynäkologin und bei ihrer Hebamme wahr. Meistens ist es dann dieselbe Hebamme, die auch nach der Geburt die junge Mutter und das Baby im Wochenbett betreut und versorgt. Sie guckt nach der Geburt, wie sich das Baby entwickelt, hilft beim Stillen und dabei, dass Mutter und Kind eine Bindung aufbauen können. Außerdem hat sie einen Blick auf Rückbildungs- und Abheilungsvorgänge.

GEBURTSHAUSHEBAMME

Acht Geburtshäuser gibt es in Berlin. Die Hebammen dort bieten Geburten ohne ärztliche Betreuung und mit Eins-zu-eins-Betreuung an. Die meisten Hebammen in den Geburtshäusern sind Freiberuflerinnen, einige sind auch im Geburtshaus angestellt. Auch Vorsorgeuntersuchungen und Kurse werden in den Geburtshäusern angeboten.

HAUSGEBURTSHEBAMME

In Berlin finden knapp vier Prozent der Geburten „außerklinisch“ statt – wesentlich mehr als im Bundesdurchschnitt, da ist es nur ein Prozent. Bei den Zahlen werden Geburtshaus und Hausgeburt zusammengefasst. In Berlin gibt es rund 40 Hausgeburtshebammen.

FAMILIENHEBAMME

Familienhebammen haben eine Zusatzqualifikation, um junge Eltern in schwierigen und besonderen Situationen zu unterstützen, etwa Teenagermütter, Familien mit Migrationshintergrund, Frauen/Partner mit psychischen Belastungen oder Suchtproblematik, chronisch kranke Frauen und Frauen mit Gewalterfahrungen. Sie können eine Familie bis zum ersten Geburtstag des Kindes in Alltagsdingen unterstützen. Informationen dazu, wie man eine Familienhebamme findet, gibt es unter https://www.berliner-hebammenverband.de/de/eltern/hebammenhilfe/familienhebammen.html.

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