Festival der Religionen in Berlin : Göttlich abtanzen in der Ufa-Fabrik

Beim Festival der Religionen, das am Sonntag stattfindet, soll weder missioniert noch politisch gestritten werden. Es geht darum, das Gemeinsame zu entdecken.

Pauline Faust
Spiritueller Schwindel. Der Sema-Tanz entstammt der mystischen Tradition des Sufismus.
Spiritueller Schwindel. Der Sema-Tanz entstammt der mystischen Tradition des Sufismus.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Hula-Tanzen lernen, chinesische Kalligrafie malen oder mit Hindus meditieren – so bunt wie unsere Welt ist das Festival der Religionen in Berlin. An diesem Sonntag lädt das „Faiths In Tune“ in die Ufa-Fabrik nach Tempelhof ein. Es kommen Religionsgemeinschaften aus der Stadt zum Musizieren und Tanzen zusammen. „Es ist primär ein Musikfestival“, sagt Veranstalterin Anja Fahlenkamp, „mir geht es gar nicht darum zu sagen, dass Religiosität oder eine bestimmte Religion wünschenswert ist.“ Vielmehr solle das Event die Tatsache widerspiegeln, dass Religion für viele Menschen auf der Welt ein ganz normaler Teil des Lebens sei.

2011 hat Fahlenkamp das Festival an ihrer damaligen Universität in London gegründet. An der SOAS-Universität sollte die Studenteninitiative zum persönlichen Austausch dienen. „Über die letzten Jahre habe ich den riesigen Bedarf gesehen, der für ein inklusives und nicht-polarisierendes Dialogformat besteht“, sagt die studierte Politikwissenschaftlerin. „Die Mobilisierung religiöser und kultureller Identitäten spielt in vielen gesellschaftlichen und gewaltsamen Konflikten eine zentrale Rolle“, sagt sie und möchte mit „Faiths In Tune“ einen Beitrag für das gesellschaftliche Miteinander leisten. In London gibt es das Festival immer noch, in Berlin nun zum dritten Mal. Schirmherr ist der Regierende Bürgermeister Michael Müller, eröffnetet wird das Festival von Staatssekretärin Sawsan Chebli

Das Missionieren vor Ort ist untersagt

Ist das Festival nur für religiöse Menschen? „Nein, Besuchende sollen hier ganz unabhängig von ihrer eigenen Religion oder Weltanschauung ihre Freude haben“, sagt Fahlenkamp. Daher ist das Missionieren vor Ort untersagt. In ungezwungenem Rahmen könnten Berührungsängste überwunden werden. „Auf dem Festival kann man seine Neugier befriedigen, ohne aus seiner Komfortzone zu treten, und Fragen stellen, ohne sich für sein Unwissen schämen zu müssen“, sagt sie. Und wer scheu ist, kann einfach nur der Musik lauschen.

Musik, Tanz und Workshops machen die Religionen erlebbar. „Es sind 15 und vielleicht mehr Religionen dabei, das kommt auf die Definition an“, sagt Fahlenkamp. Damit über die Jahre hin nachhaltige Arbeit geschehen kann, kommen die teilnehmenden Glaubensgemeinschaften immer von vor Ort. Mit dabei etwa ist die aus China stammende „Kirche des Allmächtigen Gottes“. Ihre Anhänger glauben, dass „der Christus der letzten Tage“ in China erschienen ist.

Politische Grabenkämpfe sollen auf dem Festival nicht ausgetragen werden, das heißt etwa, dass keine Flyer über die Menschenrechtslage im Iran verteilt werden dürfen. „Wir wollen die politische Diskussion nicht verbannen, allerdings stellen wir ihr eine menschliche Begegnung voran. Dann werden die Gespräche viel sachlicher“, sagt Fahlenkamp.

Durch das Festival sind schon Freundschaften und Kooperationen entstanden: „Letztes Jahr haben sich ein christlicher Gospelchor mit einem Reggae-Sänger angefreundet“, sagt Fahlenkamp . Die älteren Chordamen hätten den Auftritt des Rastafaris so toll gefunden, dass sie ihn danach nach Lankwitz eingeladen hätten und später zu gemeinsamen Auftritten.

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Faiths in Tune, So. 10 -22.30 Uhr, Ufa-Fabrik, Viktoriastraße 10 -18, Tempelhof

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