Fortbildung stockt : Berlin fehlen nicht nur Lehrer, sondern auch Schulleiter

Mehr als 130 Schulkollegien in Berlin haben keine komplette Leitung. Doch wer sich für den Job interessiert, muss zum Teil Jahre warten.

Schülerinnen melden sich während des Unterrichts
Schülerinnen melden sich während des UnterrichtsFoto: dpa/David-Wolfgang Ebener

Einfach so Schulleiter werden? Bewerbung genügt? Das war einmal: Seit fünf Jahren müssen Lehrer eine spezielle Qualifizierung nachweisen, wenn sie den verantwortungsvollen Posten einnehmen wollen. Jetzt stellt sich heraus: Obwohl Schulleiter seit Jahren dringend gesucht werden, müssen potenzielle Interessenten bis zu zwei Jahre auf einen freien Platz im obligatorischen Kurs des Landesinstituts für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (Lisum) warten. Dies wurde jetzt durch eine Anfrage des CDU-Abgeordneten Jürn Jakob Schultze-Berndt bekannt, die dem Tagesspiegel exklusiv vorliegt.

„Die Wartezeit beträgt 1,5 bis zwei Jahre“, teilte ihm Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD) mit. Allerdings würden für dringende Fälle Plätze freigehalten. Nach Ansicht Schultze-Berndts reicht das nicht aus: „Ich finde die Situation inakzeptabel. Wir suchen händeringend nach Schulleitungen und deren Stellvertretern und dann leisten wir uns den Luxus einer knapp zweijährigen Wartezeit für Interessierte“, kritisiert der Abgeordnete, der auch arbeitspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion ist.

Ständig entstehen neue Lücken

Tatsächlich ist der Bedarf da: Mehr als 130 Schulen haben keine komplette Leitung, weil entweder die Stelle des Direktors oder seines Stellvertreters vakant ist. An dieser Zahl hat sich seit Jahren nichts geändert, denn infolge der Pensionierungswelle werden ständig neue Lücken gerissen. Manche Schulen warten jahrelang auf einen Schulleiter. Von den aktuell 32 freien Direktorenstellen sind 20 seit über drei Monaten frei, wie aus der Anfrage hervorgeht. An sieben Schulen sind sowohl die Stelle des Leiters als auch die des Stellvertreters nur kommissarisch besetzt.

Das Lisum verweist allerdings darauf, dass diese Vakanzen kaum etwas mit seinen fehlenden Kapazitäten zu tun haben könnten: Allein aktuell würden 130 Lehrkräfte qualifiziert, knapp 100 Lehrkräfte könnten 2018/19 die Qualifizierung abschließen und ihr Zertifikat erhalten. Darunter seien allerdings auch viele Lehrkräfte, die sich erst in ein paar Jahren eine Tätigkeit als Schulleiter vorstellen könnten. Mit anderen Worten: Dass sich seit Jahren die Lücken bei den Schulleiterstellen nicht schließen lassen, hänge weniger mit fehlenden Fortbildungskapazitäten zusammen als mit anderen Faktoren, so Lisum-Abteilungsleiter Bernd Jankofsky. Nicht nur in Berlin, sondern auch bundesweit gebe es Probleme, genügend Schulleiter zu finden, weil sie vor größeren Herausforderungen stünden als früher.

"Wer sich hier nicht auskennt, scheitert"

Tatsächlich macht es allein schon der Lehrermangel deutlich schwieriger, den Unterrichtsalltag zu bewältigen. Hinzu kommen die Probleme, die täglich durch den Sanierungsstau und den Schulplatzmangel entstehen. Umso wichtiger werden die Kompetenzen, die bei den Fortbildungen vermittelt werden sollen. Es geht dabei um Führungs- und Qualitätskonzepte sowie um Schulentwicklung und die gesamte Organisation und Verwaltung: „Wer sich hier nicht auskennt, scheitert“, warnt ein Schulleiter, der selbst jahrelang als Schulinspektor unterwegs war. Deshalb sei es wichtig, potenziellen Interessenten „goldene Brücken zu bauen“.

Mit den „goldenen Brücken“ ist das so eine Sache: Das Land Berlin habe sich „seit Ende der 90er Jahre bis 2012 weitgehend aus der Schulleiterfortbildung herausgezogen“, berichtet Harald Mier, der langjährige Vorsitzende der Vereinigung der Oberstudiendirektoren. Zwei Schulleiterverbände seien damals in die Bresche gesprungen und böten – bis heute – nicht nur Schulleiterfortbildungen, sondern auch Spezialkurse für Konrektoren an.

Letzteres tut das Lisum erst seit diesem Schuljahr, obwohl seit vielen Jahren stets rund 100 Konrektorenposten vakant sind. „Das Land Berlin hat sich auf die Schulleiterverbände verlassen und darauf, dass Lehrer die dort kostenpflichtigen Fortbildungen aus eigener Kasse bezahlen“, bilanziert eine Schulleiterin, die seit vielen Jahren ohne Stellvertreterin auskommen muss. Dann müsse sich der Senat nicht wundern, dass den - bis vor kurzem - schlecht bezahlten Job keiner machen wolle.

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