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Das Reichtagsufer - ohne Gedenkkreuze für die Maueropfer.

© Merle Collet

Die weißen Mauerkreuze an der Spree wurden wohl auch mit Unterstützung des Maxim-Gorki-Theaters gestohlen. Verabscheuungswürdig sei das, meint Innensenator Frank Henkel. Denn die Freiheit der Kunst dürfe nicht gegen die Würde des Menschen ausgespielt werden. Ein Gastkommentar.

Ein Kommentar von Frank Henkel

138 Menschen sind an der Berliner Mauer gestorben. Ihr Freiheitsdrang endete in einem tragisch gescheiterten Wagnis. An einige dieser Schicksale erinnern die weißen Mauerkreuze, die vergangene Woche gestohlen wurden. Diese verabscheuungswürdige Tat erhält nun eine neue Dimension. Denn mittlerweile gibt das Maxim-Gorki-Theater zu, die Aktion unterstützt zu haben, auch wenn das Ausmaß noch nicht ganz klar ist.

Darf ein Theater Komplize sein, wenn es um die Entehrung von Mauertoten geht? Kann sich eine Intendantin hinter dem Kunstbegriff verstecken, wenn sich am Opfergedenken versündigt wird? Nein. Die grundgesetzlich garantierte Freiheit der Kunst darf nicht gegen die unantastbare Würde des Menschen ausgespielt werden. Dass ein Berliner Theater die Würde der Toten und die Geschichte unserer Stadt so mit Füßen tritt, hätte ich vor wenigen Tagen noch für undenkbar gehalten. Besonders bitter ist, dass diese Komplizenschaft offenbar mit Steuergeldern gefördert worden ist. Die Rolle des Maxim-Gorki-Theaters muss dringend aufgeklärt werden.

Der Autor ist Innensenator von Berlin.

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