Friedenswanderer Grigorij Richters : Von Paris nach Berlin in 34 Tagen

Der Filmemacher Grigorij Richters geht knapp 1400 Kilometer zu Fuß, um sich mit Geflüchteten zu solidarisieren. Am Sonntag kommt er nach Berlin.

Jim Mülder
Friedenswanderer Grigorij Richters läuft von Paris über Brüssel nach Berlin.
Friedenswanderer Grigorij Richters läuft von Paris über Brüssel nach Berlin.Foto: Andreas Klaer

Knapp 1400 Kilometer zu Fuß gehen, um sich mit Geflüchteten zu solidarisieren: Das macht der Filmemacher Grigorij Richters. Von Paris über Brüssel nach Berlin verläuft die Route, die der 31-Jährige nun fast geschafft hat – nach 34 Tagen.

Mit im Gepäck hat er eine Petition, die sich an die Regierungen der EU-Länder richtet. Auf seinem Weg machte der 31-Jährige an 29 Treffpunkten halt, begleitet von einem VW-Bus, auf dem Unterstützer unterschreiben können.

Was hat Sie auf die Idee gebracht, eine Aktion für Flüchtlinge zu starten?

Mein bester Freund hat 2015 gesagt, wir müssen zum Hafen nach Calais und helfen. Das haben wir nie geschafft, vor zwei Jahren ist er gestorben und dann hatte ich keine Zeit mich mit dem Thema zu beschäftigen. Mit den Ausschreitungen in Chemnitz ist mir Ende des Sommers wieder bewusst geworden, dass ich endlich etwas tun will.

Indem Sie einen langen Marsch machen...

Es war ein bisschen wie bei Forrest Gump, einfach mal loslaufen. Und ich hoffe natürlich, auf diese Weise besonders vielen Menschen mein Anliegen näher zu bringen.

Was ist ihr Ziel?

Mit der Petition will ich etwa 1000 elternlosen Kindern helfen, die sich zurzeit in Auffanglagern auf Lesbos befinden. Sie stecken da fest, bekommen keine Bildung und leben unter unwürdigen Bedingungen. Kein Wunder, wenn es später Probleme mit ihnen gibt.

Sie laufen von Paris über Brüssel nach Paris. Warum diese Route?

Paris und Berlin sind für mich immer die Hauptstädte Europas. Ich werde auch oft gefragt, warum ich nicht einen Weg gewählt habe, über den auch die Flüchtlinge kamen. Ich will aber ein bestimmtes Publikum auf der Strecke erreichen, die Bewohner der Dörfer und Städte, in Brüssel ging es vor allem um Politiker.

Wie sieht der Alltag beim Laufen aus?

Ich werde von einem VW-Bus begleitet, der neben mir herfährt, auf den die Leute dann ihre Unterschrift setzen können. Je nach Wetterlage bin ich mal nur 18 Kilometer, einmal 56 Kilometer gelaufen – das ging wirklich an die Substanz und auf die Knie.

Was wünschen Sie sich von der Politik oder auch von der Gesellschaft?

Was mir wichtig ist, dass wir wieder mehr auf die Einzelschicksale der Flüchtlinge eingehen, menschlicher werden. Und für die Zeit nach dem Marsch habe ich auch schon Pläne: In Berlin treffe ich Abgeordnete aller Regierungsparteien des Bundestags, darunter Gregor Gysi und Jürgen Trittin. Und ja, auch Vertreter der AfD.

Grigorij Richters kommt am 9. Dezember um 13 Uhr am Hackeschen Markt an. Wer mag, kann ihn von dort aus zum Brandenburger Tor begleiten.

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