Frustriert vom Berliner Verkehrschaos? : Interaktive Onlineumfrage zur Mobilitätswende startet

Wie soll es auf den Straßen Berlins künftig aussehen? Der Tagesspiegel und FixMyBerlin rufen zur Umfrage auf – die Ergebnisse gehen an die Politik.

Wie hätten Sie’s denn gerne? Teilnehmer der Umfrage bekommen Simulationen wie diese beiden gezeigt.
Wie hätten Sie’s denn gerne? Teilnehmer der Umfrage bekommen Simulationen wie diese beiden gezeigt.Illustrationen: Tagesspiegel Innovation Lab / FixMyBerlin

Die Berliner Verkehrswende hat gerade erst begonnen, hat aber jetzt schon Verspätung: Einerseits fordern die Grünen das Ende von Verbrennungsmotoren im Stadtverkehr bis 2030, andererseits vermochte die Verwaltung nicht einmal die Schilder für die eingeklagten Dieselfahrverbote rechtzeitig aufzustellen.

Einerseits haben es die „mindestens zwei Meter breiten Radstreifen entlang des Hauptstraßennetzes“ in die Koalitionsvereinbarung geschafft, andererseits wird selbst an Stellen wie der Oberbaumbrücke nur das Minimum realisiert.

Einerseits wird die Stärkung des sogenannten Umweltverbundes als zentrales Ziel aller Planungen propagiert, andererseits wartet die BVG seit Jahren vergeblich auf die versprochenen neuen Busspuren.

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Viele Planungen sind angelaufen, aber kaum etwas ist bisher auf der Straße angekommen. So schwingen sich weiter vor allem die Mutigen aufs Rad, die gewillt sind, sich mit der unzulänglichen Infrastruktur zu arrangieren: durch Vorsicht, aber auch durch Regelverstöße wie Gehwegbenutzung.

Viele Autofahrer verhalten sich ebenso, zumal Verkehrsüberwachung im Wesentlichen in Form vorab angekündigter Schwerpunktaktionen stattfindet. Also wird ganz selbstverständlich noch bei Rot gefahren oder in Fußgängerfurten und Rettungswegen geparkt.

Zwar ist die Zahl der Toten und Verletzten im Langfristvergleich drastisch gesunken, aber von diesem Rückgang profitieren im Wesentlichen die Autofahrer, die durch moderne Technik besser geschützt sind. Die Zahl der verunglückten Radfahrer und Fußgänger steigt dagegen sogar leicht. Und der demografische Wandel macht sich auch in der Unfallbilanz bemerkbar: Von Jahr zu Jahr verunglücken mehr Senioren, die zudem überdurchschnittlich oft schwer verletzt werden.

Fehlplanungen, weil die Betroffenen nicht gefragt werden

Damit das endlich besser wird, soll der Straßenraum umgebaut werden. Aber mit welchen Tücken die Neuverteilung des Verkehrsraumes verbunden sein kann, zeigt ein Blick ins Archiv: Radfahrstreifen auf der Fahrbahn galten bei ihrer Verbreitung etwa seit dem Jahr 2000 als sichere Alternative zu den alten, oft holprigen und zugewucherten Hochbord-Radwegen. Doch längst hat die Realität erwiesen, dass die Radfahrstreifen nicht nur oft zu schmal sind, sondern vielfach als Parkplätze und Lieferzonen missbraucht werden.

Diese Fehlplanungen haben ihre Ursache unter anderem in einem grundsätzlichen Fehler, der sich zu wiederholen droht: Die Menschen, die auf den neuen Wegen und Straßen fahren sollen, werden kaum gefragt. Zwar gibt es immer wieder Workshops und Beteiligungsverfahren, wenn ein neuer Radschnellweg durch einen Stadtteil geplant ist. Aber wer hat im Alltag schon Zeit, zu solchen Terminen zu gehen? So werden meist die wenigen Aktiven und Verkehrsverbände erreicht. Nicht aber die breite Bevölkerung.

Die Radwege sind selbst auf neu gebauten Straßen meist zu klein.
Die Radwege sind selbst auf neu gebauten Straßen meist zu klein.Illustration: Tagesspiegel Innovation Lab / FixMyBerlin

Auch eine andere Gruppe wird so ausgeklammert. Diejenigen, die bisher kein Rad fahren, weil sie sich das auf den heutigen Straßen schlicht nicht trauen würden, egal ob Neuberliner, Eltern oder Ältere. Soll die Verkehrswende gelingen, wären das aber die wichtigsten Gruppen. Sonst würde die ganze Umbauerei hauptsächlich den hartgesottenen Radfahrern helfen. Sie hätte dann aber wenig Potenzial, zur allgemeinen Verkehrsentlastung der Stadt beizutragen, geschweige denn, das Klima zu retten.

Onlineumfrage soll Stimmungsbild für die Politik sein

Das Berliner Projekt FixMyBerlin und das Tagesspiegel Innovation Lab haben deshalb eine neue Art der Online-Umfrage entwickelt. Damit können alle Berlinerinnen und Berliner bewerten, welche Art von Radwegen und Straßengestaltung sie selbst angenehm finden – und welche nicht.

Die Umfrage zeigt dabei Hunderte digital generierte Kombinationen möglicher Straßengestaltungen und fragt, welche sich gut anfühlen würden. Außerdem können allgemeinere Fragen über Probleme im Berliner Verkehr beantwortet werden. Die Ergebnisse werden anschließend mit Forschern, Planern und Politik diskutiert und der Senatsverwaltung übergeben. Wie sollen Berlins Straßen der Zukunft aussehen, damit das Verkehrschaos ein Ende hat? Machen Sie mit bei unserer Umfrage! Hier geht's zur Teilnahme.

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