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Fußballfan des 1.FC Union erstochen : War es Mord aus Frust?

Im Februar wurde ein 19-Jähriger in Prenzlauer Berg niedergestochen. Zum Prozessbeginn weist der Angeklagter eine Tötungsabsicht zurück.

Der Angeklagte hält sich in einem Gerichtssaal im Landgericht ein Papier vor sein Gesicht.
Der Angeklagte hält sich in einem Gerichtssaal im Landgericht ein Papier vor sein Gesicht.Foto: Paul Zinken/dpa

Der Mann, der laut Anklage wahllos ein junges Leben ausgelöscht hat, sah an den Eltern seines Opfers vorbei. Sie verloren ihren Sohn Karl vor knapp sieben Monaten. Der 19-jährige Fußballfan wurde auf einem Supermarkt-Parkplatz in Prenzlauer Berg niedergestochen. „Es war eine Situation, die aus dem Nichts kam“, sagte sein damaliger Begleiter vor dem Landgericht. Dort begann am Freitag der Prozess gegen Razvan-Florin C. wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 29-jährige C. aus Frust zum Angreifer wurde. Es sei ihm „einzig darum gegangen, aufgestaute Aggressionen an dem ihm völlig unbekannten Opfer abzureagieren“, heißt es in der Anklage. Mit Wucht habe er dem 19-Jährigen ein Messer in den Brustkorb gerammt. Karl M. verstarb wenig später.

Der aus Rumänien stammende C. wurde einige Tage später verhaftet. Ein Mann, der keinen Job hatte, Drogen konsumierte, Poker spielte über das Internet, mit seinem Hund spazieren ging. Er wohnte damals wohl noch bei seiner Mutter. Am 9. Februar hatte er sich mit einer Freundin getroffen und war mit ihr und seinem Hund, einem Husky-Mischling, durch die Stadt gezogen. Immer wieder hätten sie Alkohol gekauft. Bei seiner Vernehmung bei der Polizei meinte er, bereits in den drei Tagen zuvor habe er „nur Alkohol und Drogen konsumiert“.

Der Angeklagte soll aggressiv gewirkt haben

Es war etwa 17 Uhr, als sich der Angeklagte und die beiden jungen Männer auf einem „Netto“-Parkplatz begegneten. „Ich fand den Hund süß“, sagte der 16-jährige Begleiter von Karl. Ihnen sei dann aber auch der Blick des fremden Mannes aufgefallen. Aggressiv sei er gewesen – ein „Anmach-Blick“. Wortlos hätten sie ihren Weg fortgesetzt. Auch, als nacheinander Beleidigungen fielen. „Dann kam er schon angelaufen.“

Karl M., der ein auffälliges Fußballtrikot des 1. FC Union trug, wurde nach Angaben seines Begleiters erst geschubst. Er habe dem Fremden gesagt: „Lass mich in Ruhe.“ Der aber habe nicht abgelassen und Karl zwei Schläge ins Gesicht versetzt. „Karl wollte weggehen, der Typ aber kam an und stach dann zu.“

Razvan-Florin C. schilderte bei der Polizei dagegen eine Situation, in der er sich beleidigt und bedroht fühlte. Er habe ein Messer gesehen und deshalb sein eigenes gezogen. Er habe in den Arm stechen, aber nicht töten wollen.

Nach Zeugenaussagen allerdings verhielt sich Karl M. defensiv. Linken-Politiker und Rechtsanwalt Gregor Gysi, der den Vater des Getöteten als Nebenkläger vertritt, sagte, die Tat habe mit Alkohol und Drogen und damit zu tun, dass der Angeklagte „seinem Leben nie einen Sinn gegeben hat“.

Fortsetzung: 17. September.

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