Gebühren am Flughafen : Parken in Schönefeld? Das ist Wegelagerei!

Es gibt Situationen, da kann man auf das Auto kaum verzichten, weil der Nahverkehr keine Alternative bietet. Nachts am Flughafen Schönefeld beispielsweise. Der Parkplatzbetreiber nutzt diese Not schamlos aus.

Hand wirft Kleingeld in Schlitz eines Parkautomaten.
Immer noch ziemlich billig: Parken in Berlin.Foto: DPA

Keine Frage, privates Autofahren in Berlin ist in den meisten Fällen überflüssig, unnötig, verstopft die Straßen, macht die Luft schlecht, ist laut, gefährdet Fahrradfahrer und Fußgänger. Und ist teuer. Aber gleich so teuer?

Es gibt allerdings Situationen, da ist Autofahren hilfreich, und dann kann es sich herausstellen, dass es sogar notwendig ist. Weil Berlins toller öffentlicher Nahverkehr nicht immer so toll ist, weil er an manchen Stellen, zu manchen Zeiten, sogar mies ist, verdammt mies, und dann braucht man so ein vermaledeites Auto, und dann kann man schon mal ins Fluchen kommen, in Rage, in Furor, ich zumindest – aber von Anfang an.

Kürzlich, vergangene Woche, war die Partnerin in Spanien, der Rückflug landete um 23.15 Uhr in Schönefeld. Ist es zu viel Galanterie, wenn man sagt, okay, 23.15 Uhr, dann noch nach Charlottenburg, also, ich hol dich mit dem Auto ab? Parkplätze gibt es am Flughafen in Schönefeld mehr noch als still ruhende Baustellen. Ich also rauf auf P2, an der Schranke ein Ticket gezogen, der Stellplatz fand sich ziemlich nah an der Ankunfthalle D. Da war es exakt 23.00 Uhr. Man kann natürlich jetzt schon mal einwenden, dass das etwas zu früh ist für die Abholung bei Landung um 23.15 Uhr. Aber wie exakt lässt sich eine Autofahrt von Charlottenburg nach Schönefeld zeitlich planen?

Zehn Euro für 45 Minuten. Seid ihr wahnsinnig?

Die Maschine landete pünktlich. Am Kofferband gab es keine größeren Probleme. Kurze Begrüßung, dann Gang zum Auto, das Kleingeld für den Parkautomaten in der Hand. Kleingeld? Wozu Kleingeld?

Kurzum: Insgesamt stand das Auto 45 Minuten auf dem Parkplatz. Natürlich muss man für so einen Parkplatz eine Gebühr bezahlen. Warum eigentlich natürlich? Aber egal. Parkraumbewirtschaftung eben, auch im außerstädtischen Bereich. Der Parkautomat lässt nicht mit sich diskutieren, der ist unerbittlich, der zeigt den Preis an: 10,00 Euro! Zehn Euro, wirklich zehn? Für 45 Minuten? Seid ihr wahnsinnig? Für den Preis kann man in den Parkhäusern der touristischen Hotspots der Stadt ein paar Stunden verweilen. Man möchte dem Parkautomat eine runterhauen für diese Wegelagerei, man möchte ihm einen Tritt versetzen, aber das kümmert ihn nicht: zehn Euro!

Sich über die Bahn aufzuregen, ist wohlfeil und billig

Ja, sagen die Schlaumeier, die, siehe oben, das private Autofahren abkanzeln, ja, aber es gibt doch den öffentlichen Nahverkehr, und mit dem kann man die Liebste auch abholen. Guter Hinweis. Dazu exemplarisch das eigene Erleben einige Wochen zuvor. Ankunft aus Tel Aviv weit nach 23.00 Uhr. Versuch der Weiterfahrt mit dem Regio nach Adlershof, wo der Wagen parkte, kostenfrei und legal. Das Abstellen des Wagens zwei Stationen vor Schönefeld war ratsam erschienen, weil ich zum Abflug nach Tel Aviv um 5 Uhr am Airport zu sein hatte. Der Regio, der mich zurück nach Adlershof bringen sollte, war mit zehn Minuten Verspätung angezeigt. Nach zehn Minuten kam kein Regio, dafür sprang die Anzeige von zehn Minuten auf 40 Minuten um. Es zog auf dem Bahnsteig, es zieht immer auf dem Bahnsteig in Schönefeld. Es kamen Züge, aber die fuhren nach Cottbus in die falsche Richtung. Nach 40 Minuten kam mein Regio, aber der fuhr wegen irgendwelcher baulicher Maßnahmen nicht über Adlershof in die Innenstadt, sondern über Gesundbrunnen. Sich über die Bahn aufzuregen, ist wohlfeil und billig und Alltag. Es sei auch nur für die Schlaumeier, siehe oben, erwähnt. Und weil eine nicht repräsentative Umfrage im Freundeskreis gleichlautende Geschichten vom öffentlichen Abtransport aus Schönefeld um diese späte Uhrzeit ergaben. Taxi wäre eine Alternative, aber Taxi um die Uhrzeit? In Schönefeld, bei gleichzeitigem Sand im Bahngetriebe? Vergessen Sie es!

Du fährst nach Schönefeld? Pack das dicke Portemonnaie ein!

Um irgendjemanden nach Schönefeld zu chauffieren oder aus Schönefeld abzuholen, ist das eigene Auto mitunter hilfreich und notwendig. Man sollte allerdings bedenken, dass man leicht in Rage gerät, und das dicke Portemonnaie einpacken. Auch sind Verspätungen von Flugzeugen, wie sie wetterbedingt immer wieder vorkommen, bei den Wucherpreisen der Flughafen-Parkplatz-Betreiber Apcoa absolut verboten.

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