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Maurizio Gräubner kann von seinem Balkon über die Panke schauen. Die Jacke trägt er aber im Moment nicht nur draußen.

© Christoph M. Kluge

Tagesspiegel Plus

Geburtshaus von Harald Juhnke: Mehr als 30 Wohnungen in Berlin seit Wochen ohne Heizung

Die Zentralheizung eines Hauses im Berliner Ortsteil Gesundbrunnen ist kaputt. Die Mieter ärgern sich über den Vermieter Heimstaden.

In seiner Wohnung trägt Mauricio Graubner eine Winterjacke, denn es ist kalt. „Anfang Oktober ist die Heizung ausgefallen“, sagt der Mieter eines Hauses in der Stockholmer Straße in Gesundbrunnen. Der Vermieter hat ihm als Notlösung einen Heizlüfter zur Verfügung gestellt. Das Gerät beheizt aber nur einen Raum der Zwei-Zimmerwohnung, in der der junge Mann gemeinsam mit seinem Bruder lebt. Und das auch nur unzureichend.

Das Mietshaus liegt im Soldiner Kiez, direkt an der Panke. Ein Schild an der Hauswand weist darauf hin, dass es sich um das Geburtshaus des Entertainers Harald Juhnke handelt. Heute gehört es dem schwedischen Immobilienkonzern Heimstaden. Der hat es Ende letzten Jahres von dem britischen Branchenriesen Gabriel International gekauft, in einem großen Paket, das insgesamt etwa 6000 Wohnungen umfasste.

In dem Doppelhaus in der Stockholmer Straße haben mehr als 30 Wohnungen keine Heizung.

© Christoph M. Kluge

Graubner wohnt erst seit September in der Wohnung. Sein Bruder hat den Hauptmietvertrag im Mai direkt mit Heimstaden geschlossen. Die Unternehmensgruppe war damals gerade auf dem Berliner Markt angekommen.

Bisher habe er einen guten Eindruck von seinem Vermieter, sagt Maurizio Graubner. Der schwedische Konzern bemühe sich offenbar darum, nachhaltig und sozial verantwortlich zu agieren. Die Kommunikation mit dem Kund:innenservice sei stets sehr freundlich.

Doch sobald ein konkretes Anliegen an die dafür zuständige Fachabteilung weitergeleitet werde, passiere oft nicht mehr viel. Antworten auf Fragen kämen dann nur spät oder gar nicht, die Mieter:innen würden immer wieder vertröstet, sagt er.

Die Nachbarn sind per Whatsapp vernetzt

Die Heizanlage versorgt auch das Nachbarhaus mit. Insgesamt sind daher über 30 Mietsparteien von dem Ausfall betroffen. „Viele Leute sind im Home Office“, sagt Graubner. Dadurch seien sie besonders stark betroffen. Familien und Wohngemeinschaften seien gezwungen, sich die ganze Zeit in einem Zimmer aufzuhalten. In einer Whatsapp-Gruppe tauschen sich die Betroffenen untereinander aus. Es gibt viel Wut und Sorge.

In dem Haus wurde der Entertainer und Sänger Harald Juhnke geboren. Heute gehört es dem schwedischen Investor Heimstaden.

© Christoph M. Kluge

Ein Teil der Mieter:innen ist bereits seit dem Hauskauf vernetzt. Damals versuchten sie, eine landeseigene Wohnungsbaugesellschaft dafür zu gewinnen, das Vorkaufsrecht auszuüben. Diese Initiative scheiterte zwar, aber der Zusammenhalt unter den Bewohnerinnen und Bewohnern ist geblieben. Man hilft sich gegenseitig. Hin und wieder seien Monteure im Haus gesehen worden, die offenbar an der Anlage arbeiten, sagt Graubner. Allerdings blieben diese Maßnahmen bisher ohne Ergebnis.

Vom Heimstaden-Kundensupport sei immer wieder versprochen worden, dass das Problem in wenigen Tagen behoben sei. Zuletzt sei der Donnerstag als Termin genannt worden. Doch auch diesmal blieben die Heizkörper kalt. Am Freitag habe er erstmals direkt mit dem Immobilienmanager sprechen können, der für das Objekt zuständig ist. Der habe zurückgerufen, nachdem er damit gedroht habe, einen Anwalt einzuschalten. Der Manager habe ihm dann gesagt, dass die Heizung am Montag wieder laufen solle.

Heimstaden verspricht Teilerstattung der Miete

Außerdem sollen alle Mieter:innen für den Zeitraum des Ausfalls einen Teil der Miete erstattet bekommen. Wie viel genau, habe der Manager aber nicht gesagt. Graubner ist skeptisch. Er sei Mitglied im Berliner Mieterverein und lasse sich dort juristisch beraten, sagt er.

Heimstaden reagierte nicht auf eine Anfrage des Tagesspiegels. Bei der Wohnungsaufsicht des Bezirksamts Mitte ist der Fall bekannt. Eine Sprecherin teilte mit: „Da bereits Mängelanzeigen von Mieter:innen vorliegen, wurden transportable Heizgeräte verteilt. Eine Gefahr für die Gesundheit der Bewohner besteht daher nicht. Eine Anhörung ist erfolgt. Ein neuer Heizkessel soll eingebaut werden und ist bereits bestellt.“

Doch Maurizio Graubner beruhigt das nicht. Wenn die Außentemperaturen sinken, werde sein Heizlüfter nicht mehr ausreichen, sagt er. Dabei hat er noch ein vergleichsweise gutes Modell erwischt. Eine andere Mieterin sagte dem Tagesspiegel, ihr sei lediglich ein Bauheizstrahler zur Verfügung gestellt worden. Auch sie fühlt sich vom Vermieter allein gelassen.

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