Geplantes Denkmal in Berlin : Einheitswippe vor dem Reichstag?

Warum nicht auf die Wiese ausweichen? Ein neuer Vorschlag für den Bau des Einheitsdenkmals im Regierungsviertel findet eine mächtige Befürworterin.

Der Entwurf des Freiheits- und Einheitsdenkmals von Milla & Partner
Der Entwurf des Freiheits- und Einheitsdenkmals von Milla & PartnerFoto: Milla & Partner/dpa

Die Einheitswippe kommt vor den Reichstag und bekommt eine sanft geschwungene, zur „Obstschale“ führende Rampe. Das jedenfalls schlagen Annette Ahme und ihr Mitstreiter Sascha Breitung vom Verein Berliner Historische Mitte vor. Eine prominente Unterstützerin haben sie schon für ihren Vorschlag: Eva Högl, in Berlin Mitte gewählte Abgeordnete der SPD im Bundestag und stellvertretende Fraktionsvorsitzende.

„Ich bin ja eine Kritikerin des Standortes“, sagt Högl, „bin aber nicht gegen das Einheitsdenkmal.“ Und Högl gibt zu „hingerissen“ zu sein von der Simulation, die der Verein Berliner Historische Mitte von dem Freiheits- und Einheitsdenkmal an dem völlig neuen Standort vor dem Reichstag entwerfen ließ. Der Reichstag und nicht das Schloss als Kulisse für die sich sanft hin- und her-wiegende Schale, je nachdem auf welcher Seite sich „Mehrheiten“ von Neugierigen sammeln?

Mehrheiten im Parlament für diesen Vorschlag sind noch nicht in Sichtweite. Für die „Obstschale“, wie der Volksmund das Denkmal auch mal schimpft, gibt es sie schon. Aber da hatte der Bundestag über einen Standort am Schloss vor dem Eosanderportal beschieden. „Viel zu eng, da fallen die Menschen bei Großveranstaltungen in den Spreekanal“, sagt Annette Ahme.

Platz auf der Reichstagswiese?

Warum also nicht ausweichen auf die Wiese vor dem Reichstag? Zumal diese „schrecklich leer“ sei, weshalb das wilhelminische Parlamentsgebäude dort „wie vom Mars gefallen“ bezugslos herumstehe. Hier sei Platz genug, damit das Denkmal seine Wirkung entfalten kann und sogar noch für eine neu gestaltete Erschließung mit einem rund um die Wippe angelegten, „tänzelnd“ auf das interaktive Kunstwerk zulaufenden Weg. Zweifel an der Barrierefreiheit des Denkmals wären auch gleich ausgeräumt.

Keine Einheitswippe? Es gibt auch jetzt schon viele Einheitsdenkmäler
Es gibt kein Einheitsdenkmal in Berlin? Stimmt nicht, gleich mehrere Denkmäler in der Stadt erinnern an Teilung, Fall der Mauer und den Einheitsgedanken. Hier eine Bildergalerie. Die „Sinkende Mauer“ steht im Invalidenpark in Mitte und ist begehbar. An den ehemaligen Grenzübergang gleich nebenan erinnert sonst nichts mehr in der Gegend. Seit 1997 rinnt dort ein Bach aus einer sieben Meter hohen, begehbaren schiefen Wand in ein Wasserbecken.Weitere Bilder anzeigen
1 von 13Foto: Doris Spiekermann-Klaas
13.04.2016 09:16Es gibt kein Einheitsdenkmal in Berlin? Stimmt nicht, gleich mehrere Denkmäler in der Stadt erinnern an Teilung, Fall der Mauer...

„Natürlich würde dieser neue Standort die ganze Debatte um das Denkmal neu aufrollen“, sagt Högl. Dass viele ihrer Kollegen im Bundestag darüber die Stirn in Falten legen würden, gibt sie zu und auch, dass auf diese Weise das ganze Verfahren zusätzlich verzögert würde. Andererseits „geht es mit dem Bauen ja zurzeit auch nicht los, obwohl alle Voraussetzungen dafür vorliegen“.

Eine klare Mehrheit der Bundestagsabgeordneten hatte sich vor ziemlich genau einem Jahr ein zweites Mal für den Bau der Einheitswippe ausgesprochen. Damit beendeten sie die immer wieder neu entflammte Debatte über Sinn und Kosten des begehbaren Kunstwerkes, dessen Errichtung der Bundestag bereits vor elf Jahren beschlossen hatte.

Zuletzt hatte im April ein Bericht aus dem Hause von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) für Aufregung gesorgt, wonach die Kosten des Bauwerkes um 2,5 Millionen Euro überschritten werden. Johannes Milla, der den Entwurf gemeinsam mit der Choreografin Sasha Waltz entwickelt hatte, wies dies zurück. Die zusätzlichen Kosten seien der Entwicklung der Baupreise am Markt zu schulden, die jedes Projekt betreffe und „im Vertrag einvernehmlich vereinbart“ worden seien. Solche Anpassungen an den „Bauindex“ sind tatsächlich üblich bei öffentlichen Bauvorhaben, es gibt sie auch beim Schloss und sie gelten nicht als Überschreitungen des Budgets.

Eine Baugenehmigung liegt Milla zufolge seit dem Jahr 2015 vor. Komplikationen hatte es bei der Sanierung des historischen Sockels für das Kunstwerk gegeben, zunächst weil Fledermäuse dort nisteten und später weil wertvolle Fliesen entdeckt worden waren.

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