• Geschlachtete Ziege im Neuköllner Streichelzoo: "Wir töteten das Tier, weil wir hungrig waren"

Geschlachtete Ziege im Neuköllner Streichelzoo : "Wir töteten das Tier, weil wir hungrig waren"

Kehle durchgeschnitten und Bein abgetrennt: Beim Prozessauftakt um die gestohlene und geschlachtete Angora-Ziege in der Berliner Hasenheide gestehen zwei Männer die Tat.

Anna Ehlebracht
Diesmal schlachteten die eingedrungenen Täter eine Ziege des Tierparks. Ende Januar hatten Unbekannte bereits ein Schaf getötet (/Symbolbild)
Diesmal schlachteten die eingedrungenen Täter eine Ziege des Tierparks. Ende Januar hatten Unbekannte bereits ein Schaf getötet...Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Im Fall der gestohlenen und geschlachteten Angora-Ziege „Lilly“ aus dem Tierpark Neukölln kam es am Mittwoch zur ersten Hauptverhandlung im Amtsgericht Tiergarten. Die beiden 29-jährigen Männer V. und B. mit rumänischer Staatsangehörigkeit sollen in der Nacht zum 18. Februar der Ziege die Kehle durchgeschnitten und ihr ein Bein abgetrennt haben.

Beide Tatverdächtigen gestanden. „Wir töteten das Tier, weil wir hungrig waren und etwas essen mussten“, verlas der Verteidiger von V. Dieser sei auf einem Bauernhof aufgewachsen und nur fünf Jahre in die Schule gegangen, danach habe er seinen Eltern in der Landwirtschaft geholfen. Als der Hof dann pleite- ging, arbeitete V. als Helfer auf Baustellen zumeist in Bukarest.

Im Januar dieses Jahres kam er nach Berlin, angelockt durch eine Wohnung zur Untermiete und die Arbeit auf einer Baustelle. Verträge habe er keine erhalten. Er habe auch nur 500 Euro nach ein paar Wochen Arbeit erhalten – das Geld sei für die Miete draufgegangen. „Wir hatten am Abend der Tat fast kein Geld mehr“, sagte V.. „So betäubten wir unser Hungergefühl mit Bier.“

"Es tut ihm unendlich leid"

Dann kamen sie am Tierpark vorbei – und seien davon ausgegangen, dass es sich um einen Bauernhof wie in ihrer Heimat handelte. „Wir wissen beide, wie man so etwas wie eine Schlachtung macht, ohne dass das Tier unnötig leidet“, so V. Da sie das Tier aber nicht im Ganzen mitnehmen wollten und auch keinen Platz zum Lagern zur Verfügung gehabt hätten, hätten sie das Bein abgeschnitten, um es später zuzubereiten.

B. gestand ebenfalls. Seine Verteidigerin verlas, dass auch er circa einen Monat zuvor zum Arbeiten auf dem Bau nach Berlin gekommen sei. Allerdings habe er so gut wie kein Gehalt von seinem „Boss" erhalten. „Es tut ihm unendlich leid. Er wusste, dass man ein fremdes Tier nicht töten darf“, sagte seine Verteidigerin. Er wolle den Schaden wieder gutmachen.

André Finke, Tierpfleger im Park, betonte, wie kostbar das Tier für den Streichelzoo gewesen sei. „Sie war unser einziges Weibchen und tragend, wir wollten darauf unsere Angora-Zucht aufbauen“, sagte der 31-Jährige. Lilly sei im März 2015 geboren worden und durch eine Spende in die Hasenheide gekommen.

"Werden die Kameraüberwachung hochfahren"

"Sie war sehr zutraulich", sagte Finke über die getötete Ziege. Es solle wieder eine Angora-Ziege angeschafft werden. Diese seien in Deutschland sehr selten und circa 120 bis 200 Euro wert. Auch zu den geplanten Sicherheitsmaßnahmen äußerte sich der Pfleger: "Wir werden die Kameraüberwachung hochfahren und die alten, teils kaputten Kameras durch neue ersetzen."

Die vorhandenen Kameras erfassten das Gehege nicht, in dem die Angora-Ziege untergebracht war. Sie habe sich in einem Stall befunden, da die Tiere jede Nacht eingesperrt würden. Dieser sei aber lediglich durch einen Riegel gesichert gewesen.

Einer der beiden Polizeibeamten, die in der Nacht im Dienst waren, berichtete: "Wir kamen damals aus der Graefestraße, auf der Hasenheide kamen uns dann zwei junge Männer wild gestikulierend entgegen gelaufen. Sie hätten Tierschreie aus dem Park gehört und zwei Männer über den Zaun klettern sehen, erzählten die beiden."

Die Polizisten fassten die beiden Täter im Tierpark. Die beiden Männer seien "sehr ruhig und gelassen" gewesen, sagte einer der Beamten: "Als wäre das Schlachten etwas ganz Alltägliches." Zudem seien die Männer alkoholisiert gewesen.

Ein Urteil wurde nicht gesprochen, ein Fortsetzungstermin ist für den 4. April angesetzt. Da die Richterin eine Fluchtgefahr sieht, bleiben die beiden Männer weiterhin in Untersuchungshaft.

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