Grüne Woche in Berlin : Sieht aus wie Mehlwurm, schmeckt wie Falafel

Auf der Grünen Woche werden Würmer und Insekten als Fleischalternative angepriesen. Die Besucher reagieren darauf positiv - mit Ausnahmen.

Anna Pia Möller
Im Kommen. Maden, Würmer und Heuschrecken sollen die neue Proteinquelle auf dem europäischen Lebensmittelmarkt sein.
Im Kommen. Maden, Würmer und Heuschrecken sollen die neue Proteinquelle auf dem europäischen Lebensmittelmarkt sein.Foto: Anna Pia Möller

Schnaps, Currywurst und Schaummäuse – so präsentiert sich Berlin auf der Grünen Woche. Ganz typisch, ganz traditionell, und wenig innovativ. „#berlin“ steht über dem Halleneingang. Auch der Hashtag wirkt gewollt cool und etwas verbraucht. Dabei ist die Hauptstadt doch als Trendsetter bekannt. Auf der Landwirtschaftsmesse überlässt sie diese Rolle aber anderen.

Zum Beispiel dem niedersächsischen Osnabrück. Die Stadt ist mit einem hippen Start-Up vertreten. Auf gerade mal vier Quadratmetern präsentieren David Quitmann und Max Kultscher die „Bug Foundation“. An Aufmerksamkeit mangelt es ihnen trotzdem nicht, denn was sie anbieten, ist auf den knapp 45.000 Quadratmetern Messegelände einmalig: Insektenburger. Statt Rind, Schwein oder Hähnchen stecken hier Buffalowürmer in den Burgerpatties.

„Die sehen aus wie Mehlwürmer“, erzählt Quitmann, während er den Bouletten-ähnlichen Fleischersatz in der Pfanne wendet. Die Besucher schreckt das aber nicht ab. Sie reißen sich trotzdem um die kleinen Schälchen mit Probierportion. Tobias Höft aus Steglitz-Zehlendorf schmeckt es: „Wie Falafel, etwas nussig“, beschreibt er den Geschmack.

Nur Mut. Max Kultscher von der „Bug Foundation“ serviert den Insektenburger in kleinen Schälchen.
Nur Mut. Max Kultscher von der „Bug Foundation“ serviert den Insektenburger in kleinen Schälchen.Foto: Anna Pia Möller

Auf die Idee kamen die Gründer der „Bug Foundation“, Max Krämer und Baris Özel, bei einer Reise durch Südostasien, wo Würmer bereits seit Jahrhunderten auf dem alltäglichen Speiseplan stehen. Der erste Versuch, aus Insekten Burger zu machen, sei jedoch grandios gescheitert. Zum Glück kam den jungen Start-Up-Gründern das Deutsche Lebensmittelinstitut zur Hilfe, das von der Idee hellauf begeistert gewesen sei, so Quitmann. Bislang war der Verkauf von verarbeiteten Insekten als Lebensmittel in Deutschland nicht erlaubt. Das hat sich mit Inkrafttreten einer EU-Verordnung zu „neuartigen Lebensmitteln“ zum 1. Januar 2018 geändert. Ab April soll es die Wurmfrikadellen deswegen auch in deutschen Supermärkten geben.

Food-Trend oder Innovation? Diese Frage beantwortet Marlis Lindecke von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ganz klar mit Letzterem. In Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) präsentiert auch sie die Fleischalternative auf der Grünen Woche. „Während von einem Rind lediglich 40 Prozent als Lebensmittel genutzt werden können, sind es bei Insekten 80 Prozent. Außerdem ist die Zucht nachhaltiger, weil beispielsweise viel weniger Wasser verbraucht wird.“

Schmeckt. Jessica Schütze traut sich, eine Heuschrecke zu probieren.
Schmeckt. Jessica Schütze traut sich, eine Heuschrecke zu probieren.Foto: Anna Pia Möller

Auf der Aktionsfläche des BMZ können die Besuche den Geschmack der Insekten testen. Das braucht allerdings etwas mehr Überwindung als bei den Burgern, denn hier sind die Würmer, Heuschrecken und Grillen noch ganz. Insektenkoch Frank Ochmann aus Wilmersdorf, der bereits für die Teilnehmer des RTL–Dschungelcamps gekocht hat, versucht den Genuss dennoch zu steigern. Was er aus den Krabbeltieren macht, klingt fast wie ein Gericht im Restaurant: Schwarzkäferlarven mit Ingwer und Chili, oder Mittelmeergrillen in Kräuteröl und Knoblauch. Letzteres schmecke ein bisschen wie Hähnchen, verspricht er.

Nach anfänglichem Ekel überwiegt bei den meisten Besuchern dann doch die Neugier. Auch Jessica Schütze aus Treptow-Köpenick traut sich und kostet eine Heuschrecke. Ihr Mann David redet sich gekonnt heraus: „Ich bin Vegetarier.“

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