Berlin : Gut im Bilde

Antonia Meiners hat die KaDeWe-Geschichte erforscht und daraus ein Buch gemacht

Nana Heymann

Es war keine leichte Aufgabe, die sich Antonia Meiners vorgenommen hatte. Von einem Vertreter des Nicolai-Verlags wurde sie angesprochen, ob sie ein Buch über das KaDeWe schreiben wolle, zum 100. Jubiläum des großen Kaufhauses am Wittenbergplatz. Sie wollte. Aber die Geschichte des Hauses war nur mühsam zusammenzutragen. Nachdem 1943 ein amerikanisches Flugzeug in das Gebäude gestürzt war, brannte der Komplex fast vollständig aus. Das hauseigene Archiv ging ebenfalls in Flammen auf. Deshalb musste Antonia Meiners ihr historisches Mosaik aus Literaturbeschreibungen und Zeitungsberichten zusammenstellen. Eine mühselige und vor allem langwierige Aufgabe. Das Ergebnis ihrer Arbeit ist nun fertig: der Jubiläumsband „100 Jahre KaDeWe“.

Gestern Vormittag stellte Antonia Meiners ihr Buch im KaDeWe vor, im Beisein von Kaufhaus-Geschäftsführer Patrice Wagner. 168 Seiten umfasst das Werk und erzählt chronologisch die Geschichte des Hauses, das am 27. März 1907 eröffnet wurde. Um es überhaupt bauen lassen zu können, musste Gründer Adolf Jandorf zunächst mehrere Wohnblocks abreißen lassen. Das Buch zeigt historische Aufnahmen aus dem Jahr 1906, als an der Stelle, an der später einer der modernsten Shoppingtempel der Welt stand, noch ein tiefes Loch klaffte. Je 80 Farb- und Schwarz- Weiß-Abbildungen dokumentieren die wechselvolle Entwicklung des KaDeWe. Neben den glorreichen Anfangsjahren ist auch der Zeit des Nationalsozialismus ein ausführliches Kapitel gewidmet. Gezeigt wird etwa ein Zeitungsinserat vom Dezember 1933, in dem das Kürzel des Kaufhauses umgedeutet wurde: „Kauft Deutsche Wertarbeit.“

Besonders beeindruckend sind die Aufnahmen, die architektonische Details des Gebäudes zeigen. Zu sehen ist unter anderem eine aufwendig verzierte, aus australischem Hartholz gefertigte Treppe, die sich in der großen Halle im Erdgeschoss befand. Von der ist heute nichts mehr übrig. „Es gibt nur noch sehr wenige Originalteile an dem Haus“, sagt Antonia Meiners. Dazu gehören unter anderem die plastischen Verzierungen an der Seitenfassade. Aber auch der Lichtschacht zur Passauer Straße hin ist erhalten geblieben: Er wurde bei Umbauten in den 90er Jahren wieder freigelegt.

Das Buch ist nicht nur etwas für Berliner, sondern auch ein gutes Souvenir für ausländische Gäste, findet KaDeWe-Geschäftsführer Patrice Wagner. Im internationalen Vergleich mag es zwar größere Konkurrenten geben, aber wenige mit ähnlichem Flair. Richtige Berliner wissen das natürlich längst.

Antonia Meiners: „100 Jahre KaDeWe“. Nicolai-Verlag, 168 Seiten, 24,90 Euro. Das Kaufhaus öffnet wegen einer Betriebsversammlung heute erst gegen 11 Uhr.

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