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Einsatzkräfte der Polizei stehen an der Brandstelle einer Kabelbrücke vor dem Kraftwerk Lichterfelde am Teltowkanal.

© dpa/Michael Kappeler

„Hätten Aktion in eine warme Jahreszeit verlegen sollen“: Vulkangruppe wendet sich nach Angriff auf Stromversorgung an Betroffene in Berlin

Knapp eine Woche nach dem Anschlag auf ein Berliner Gaskraftwerk melden sich die Täter nun bereits zum dritten Mal zu Wort. Zu einer Entschuldigung können sie sich nicht durchringen.

Stand:

Nach dem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke und dem Mega-Stromausfall im Südwesten Berlins ist ein neues Schreiben der mutmaßlichen Täter aufgetaucht. Auf der Plattform „Knack News“ weist die „Vulkangruppe“ zahlreiche Vorwürfe zurück. Der Stromausfall sei in der betroffenen Größenordnung nicht beabsichtigt gewesen: Man sei davon ausgegangen, „dass ein Stromausfall nur einige Stunden dauern würde“.

Weiter heißt es: „Die Tragweite der Auswirkung auf ungefähr 40.000 private Haushalte war von uns weder beabsichtigt noch einkalkuliert.“

Die Gruppe wehrt sich auch gegen den Vorwurf, ihr sei egal, welche Folgen eine Sabotage für die Menschen habe, und verweist auf ihre „politische Moral“.

Die Verantwortung für die Folgen der Stromunterbrechungen sieht die Vulkangruppe allerdings nicht bei sich, sondern bei Stromnetz Berlin. Man selbst habe, so schreiben die Aktivisten in ihrem „Offenen Brief“, sogar vorab „ausgeschlossen, dass Menschen tagelang im Kalten sitzen“.

Die Tat habe auch etwas Gutes, behauptet die Gruppe

Die Vulkangruppe verweist zudem auf einen angeblichen positiven Effekt ihres Anschlags. Die Tat sei zwar keine „erzieherische Maßnahme“ gewesen, man glaube nicht an „autoritäre, pädagogische Aktionen“. Trotzdem stelle man fest, dass „vielen Menschen plötzlich die Abhängigkeit von Strom und ihren smarten Geräten schmerzlich bewusst wird“.

Der Vorwurf des Terrorismus sei dem Schreiben zufolge ohne Grundlage und lediglich ein Ablenkungsversuch vom eigentlichen Thema, etwa „Klimazerstörung“ und „Extremsommer mit Hitzetoten“. Der Terrorismusvorwurf komme „aus einer inhaltlichen Position der Schwäche“.

Wie in ihren früheren Schreiben erhebt die Gruppe schwere Vorwürfe in unterschiedliche Richtungen: Stromnetz Berlin verantworte die Schwere des Stromausfalls, da es kein „auf Versorgungssicherheit ausgerichtetes Netz“ betreibe. Betroffene des Anschlags seien von den Medien „instrumentalisiert“ worden. Der Senat blase „eine militante Aktion“ zu einem „Terrorgespenst“ auf. Der „Tennisspieler“ Kai Wegner sei Geschichte. Überhaupt hätten ihre jetzigen Kritiker Wesentliches nicht verstanden.

Die Tat war auch szeneintern auf massive Ablehnung gestoßen. Unter anderem distanzierten sich die ursprünglichen Mitglieder der Vulkangruppe aus dem Jahr 2011 in einem eigenen Beitrag auf der Plattform Indymedia. Sicherheitskreise halten diesen für authentisch.

In ihrem „Offenen Brief“ geht die aktuelle Vulkangruppe nun auf dieses Distanzierungsschreiben ein – allerdings nicht inhaltlich. Stattdessen behauptet die Gruppe, das Distanzierungsschreiben sei mit Sicherheit ein „Fake“, es stamme „nie und nimmer von einer Vulkangruppe“.

Als Begründung führen die Autoren an, ein solches Distanzierungsschreiben sei intern nie zur Autorisierung vorgelegt worden. Sowieso würde keine operierende Vulkangruppe einen derart „flachen Text“ publizieren.

Um Entschuldigung bitten die Täter nicht. Die interne Auswertung ihrer Aktion laufe noch. Aus den gemachten Erfahrungen könne man dann Schlüsse ziehen.

Eine ihrer Erkenntnisse macht die Vulkangruppe schon jetzt öffentlich. Wörtlich schreibt sie: „Mit dem heutigen Wissen um die Auswirkungen für Teile der Bevölkerung hätten wir diese Aktion in eine warme Jahreszeit verlegt“.

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