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Hauptstadt der Jungunternehmen : Berliner Start-ups schaffen 19.000 neue Jobs

In Berlin führen 3000 Start-ups zu einem Job-Boom. In Zukunft wird die Branche wichtiger als die Industrie und Verwaltung.

Neben Jungunternehmen aus der Technologie- und Digitalbranche boomen in Berlin auch die Fintechs. Wie das Start-Up „FinLeap“.
Neben Jungunternehmen aus der Technologie- und Digitalbranche boomen in Berlin auch die Fintechs. Wie das Start-Up „FinLeap“.Foto: Thilo Rückeis

Der Titel ist sicher: Berlin, Hauptstadt der Start-ups. Dies wird nun auch noch durch die Auswertung einer bisher unveröffentlichten Studie unterstrichen: So viele Jungunternehmen wie in Berlin mit so viel Job-Potenzial gibt es deutschlandweit nicht.

Die Daten basieren auf der „Berliner Start-up-Map“, die die Senatswirtschaftsverwaltung vor einiger Zeit erstellen ließ. Da sie aber zu wenig über die Beschäftigten aussagte, wurde das Unternehmen dealroom beauftragt, eine präzise Analyse vorzunehmen. „Die nun veröffentlichten Zahlen sind nicht der amtlichen Statistik entnommen, bieten nach Worten der Ersteller aber das bisher beste verfügbare Gesamtbild der Entwicklung der Stadt“, hieß es.

78.000 Menschen sind in Start-ups beschäftigt

Demnach gibt es 3000 Start-ups in Berlin. 78.000 Menschen sind in solchen Jungunternehmen beschäftigt – schätzungsweise 19.000 dieser Jobs sind in den vergangenen zwei Jahren entstanden. Die Hälfte der Leute arbeitet in kleineren Unternehmen, die in den vergangenen sieben Jahren gegründet worden sind und die nur bis zu 70 Angestellte haben.

Etwa ein Drittel aller Start-up-Jobs sind in Unternehmen mit mehr als 150 Beschäftigten angesiedelt. Die zehn größten Start-ups stellten schätzungsweise 17 Prozent der Arbeitsplätze in dieser Branche. Die Macher der Studie hatten zuvor eine ähnliche Auswertung mit Start-ups in Amsterdam gemacht. Im Vergleich wird deutlich: Die Berliner Jungunternehmen beschäftigen doppelt so viele Leute wie die der niederländischen Metropole.

1999 siedelten sich die ersten Start-ups in Berlin an

Mit Firmen wie Jamba, Momox oder etwa StudiVZ hatten sich ab 1999 bis zum Jahr 2005 die ersten Start-ups in der Hauptstadt angesiedelt. Ab 2006 kamen – damals noch als Start-ups gestartet – Rocket Internet, Zalando, Soundcloud, City Deal und Delivery Hero hinzu. Zalando belegt den ersten Platz der Top-Ten-Liste aus der Studie.

Top-Ten der Start-up Szene und ein Vergleich der Szene in Berlin und Amsterdam. Für Vollansicht auf rotes Kreuz klicken.
Top-Ten der Start-up Szene und ein Vergleich der Szene in Berlin und Amsterdam. Für Vollansicht auf rotes Kreuz klicken.Grafik: Tsp/Klöpfel

Allerdings kann man bei dem digitalen Modehändler Zalando schon seit Langem nicht mehr von einem Start-up im klassischen Sinne sprechen. Nach fünf bis sieben Jahren maximal am Markt gilt ein Start-up als etabliertes Unternehmen – wenn es denn die Gründungsphase überlebt hat.

Beispiel Yager Development: Am Montag wurde bekannt, dass sich der chinesische Games-Weltmarktführer Tencent an dem digitalen Spiele-Entwickler aus Berlin beteiligt.

In Berlin befinden sich die meisten FinTechs

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) sagte: „Die Start-ups machen Berlin nicht nur attraktiv, sie sorgen auch zunehmend für Arbeitsplätze.“ Neben den Jungunternehmen aus der Technologie- und Digitalbranche befinden sich in der Hauptstadt auch die meisten FinTechs – also digitale Finanzdienstleister.

300 von ihnen haben sich hier angesiedelt, damit hat Berlin die Finanzmetropole Frankfurt am Main online abgehängt. Allerdings zahlen viele der gerade gegründeten Jungunternehmen ihren Mitarbeitenden nicht so gute Gehälter wie etablierte Banken. Um das zu ändern, ist neben Ramona Pop auch Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) dafür, sich für bessere steuerliche Rahmenbedingungen für die jungen Unternehmen einzusetzen.

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Die „Welt am Sonntag“ hatte zuerst darüber berichtet. „Mitarbeiterbeteiligungen sind ein guter Weg, um Start-ups im Wettbewerb um die besten innovativen Köpfe zu unterstützen. Wir arbeiten an konkreten Maßnahmen und wollen diese mit den Länderkollegen diskutieren, um daraus ordentliche Handlungsempfehlungen für die Bundesregierung abzuleiten. Die verschläft das Thema leider“, sagte Pop dem Tagesspiegel.

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Christian Miele, Präsident des Start-up-Verbandes, sagte: „Die Zahlen verdeutlichen eindringlich, welche Bedeutung Start-ups für die Berliner Wirtschaft bereits heute haben.“ Schaue man sich die rasante Entwicklung an, werde klar, dass diese in Zukunft der wichtigste Arbeitgeber der Stadt sein werden – vor der Industrie und Verwaltung.

Umso wichtiger sei es, dass der Berliner Senat die Szene unterstützt. Beispielsweise, indem er im Bundesrat dafür sorge, dass die Bedingungen für Mitarbeiterbeteiligungen verbessert werden. „Leider wird diese Initiative ihr Ziel aber nicht erreichen, wenn sie sich – so wie man liest – ausschließlich auf die Anhebung von Freibeträgen begrenzt. Wenn wir das Problem lösen wollen, müssen wir Beteiligungen wettbewerbsfähig versteuern. So, wie es alle anderen Industrienationen schon lange tun“, sagte Miele.

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