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Gerade für Mauersegler-Jungen ist die Hitzeperiode fatal.
© imago

Mauersegler-Jungtiere fliehen aus den Nestern: Hitzewelle wirkt sich fatal auf die Berliner Vogelwelt aus

Die Hitze ist eine große Belastung für Vögel. Besonders Gebäudebrüter wie die Mauersegler sind betroffen. Die Wildvogelstation ist zeitweise völlig überlastet.

Die Hitzewelle hat auch erhebliche Auswirkungen auf die Vogelwelt in Berlin. „Speziell Gebäudebrüter wie Mauersegler, Haussperlinge, Rauch- und Mehlschwalben haben unter den extrem hohen Temperaturen gelitten“, sagt Marc Engler,  Leiter der Wildvogelstation Berlin, die zum Landesverband des Naturschutzbunds (Nabu) Berlin gehört.

Am stärksten betroffen waren Mauersegler. „Sie brüten oft direkt unter den Metallverkleidungen von Dachkanten und -vorsprüngen“, sagt Engler. „Diese heizen sich natürlich extrem auf, und die geschlüpften Jungvögel springen dann als Flucht vor der Hitze frühzeitig aus dem Nest auf die Straße.“

Wie groß das Problem war, erkannten die fünf Mitarbeiter der Wildvogelstation an der Zahl der Anrufe während der Hitzeperiode. „In dieser Phase hatten wir bis zu 30 Anrufe pro Stunde“, sagt Engler.

„Und primär ging es dabei um Mauerseglerjungvögel, die auf dem Boden gefunden wurden.“ Aber auch das Schicksal anderer Wildvögel trieb besorgte Bürger zum Anruf bei der Wildvogelstation.

Die Welle der Anrufe war so groß, „dass wir Anfragen teilweise erst nach drei Stunden oder gar nicht beantworten konnten“, sagt Engler. „Wir waren absolut an der Kapazitätsgrenze. Aber das dürfte andere Hilfseinrichtungen für Wildtiere genauso betreffen.“

Klimawandel ist das Hauptproblem

Wie schwerwiegend die Auswirkungen auf die Vogelwelt insgesamt war, ist schwer einschätzbar. „Aber sie ist spürbar, und solche Extremereignisse  muss man auch immer vor dem Hintergrund des Klimawandels sehen.“ Im vergangenen Jahr registrierte die Wildvogelstation insgesamt 4300 Anrufe, die meisten davon kamen in der Zeit von April bis August.

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Der Ansturm auf die Wildvogelstation war in den vergangenen Wochen zeitweise so groß, dass deren Mitarbeiter an die Eigeninitiative von Bürgern appellierten. „Im Moment können nicht alle Anfragen bearbeitet werden! Bauen Sie parallel zur Wildvogelstation auch Kontakt zu anderen Einrichtungen auf - auch für den Fall, dass kein Rückruf durch die Stationsmitarbeiter*innen erfolgen kann. Dies gilt aktuell insbesondere für Mauersegler!“, teilte die Wildvogelstation öffentlich mit.

Bedenklich sind die Folgen der Hitzewelle besonders im Fall der Mauersegler. Nachdem sich ihre Zahl im vergangenen Jahr verringert hatte, wurden in diesem Jahr wieder erheblich mehr Vögel gezählt als 2021.

Das Nahrungsangebot wird geringer

„Das ist natürlich erfreulich, denn Berlin hat mit seiner hohen Mauerseglerdichte eine überregionale Verantwortung. Es bedeutet aber auch, dass mehr hilfsbedürftige Jungvögel aus aktiven Bruten von der Hitze betroffen sein können“, sagt Engler. Ein mangelhaftes Nahrungsangebot in Berlin durch den Rückgang der Insektenzahlen verstärke diesen Effekt.

Der Nabu arbeitet mit Berliner Hausverwaltungen daran, Brutmöglichkeiten und Adoptionsmöglichkeiten für Mauersegler zu fördern.

Die Wildvogelstation kümmert sich vor allem um Beratung zu wildvogelrelevanten Themen und die Pflege und Auswilderung verletzter Wildvögel. „Wir wollen einen nachhaltigen Beitrag zum Arten- und Naturschutz leisten“, sagt Engler.

Anrufer melden verletzte Wildvögel, die gegen Scheiben geflogen sind, von einer Katze angegriffen wurden oder einen Angelhaken im Schnabel haben. Nach Diagnose und Behandlung in der Kleintierklinik der FU übernimmt die Wildvogelstation die Vögel und wildert sie wieder aus.

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Allerdings rufen auch viele Menschen an, die irrtümlicherweise glauben, ein Jungvogel, der auf dem Boden sitzt, sei in Not. Das sei allerdings, betont der Nabu, häufig nicht der Fall, denn viele Jungvögel sind in der sogenannten Ästlingsphase noch nicht ganz flugfähig. Die Eltern seien in der Nähe, sie hätten ihren Nachwuchs im Blick.

Nicht jeder Jungvogel auf dem Boden ist in Not

Eine Mitarbeiterin des Nabu-Landesverbands bittet deshalb nachdrücklich, nicht bei jedem Vogel, der auf der Straße sitze, gleich die Wildvogelstation anzurufen. Entscheidungshilfen und Leitfäden auf der Internetseite der Wildvogelstation helfen bei der Einschätzung der Situation.

Bei Mauersegler-Jungen, die hilflos auf dem Rasen oder dem Asphalt liegen, ist das natürlich etwas anderes. In solchen Fällen gibt das Online-Infomaterial der Mauerseglerklinik in Frankfurt am Main viele Informationen.

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