Jahn-Stadion : Sport fordert Bauverschiebung

Landessportbund Berlin und Bezirkssportbund Pankow fordern eine Bauverschiebung für das Jahn-Stadion – die Special Olympics 2023 seien nicht zu schaffen.

Mittendrin. Der Friedrich-Ludwig-Jan-Sportpark
Mittendrin. Der Friedrich-Ludwig-Jan-SportparkFoto: picture alliance / dpa

Der geplante Stadionbau im Jahn-Sportpark soll verschoben werden. Das fordern der Landessportbund Berlin (LSB) und der Bezirkssportbund Pankow. Die vom Senat avisierte neue 135-Millionen-Euro-Arena in Prenzlauer Berg sei nicht mehr bis zu den Special Olympics zu stemmen. Die Spiele für Menschen mit geistiger Behinderung sollen laut der neuesten Senatsvorlage in der Zeit vom 16. bis 25. Juni 2023 stattfinden. Im „Großen Stadion“ des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks in Prenzlauer Berg sind dabei die Leichtathletikwettbewerbe geplant. „Doch es glaubt keiner mehr, dass das noch zu schaffen ist“, sagt Carsten Maaß, der Präsident des Bezirkssportbunds Pankow.

Das sieht auch der Landessportbund so. LSB-Präsident Thomas Härtel schlägt in einem Brief an Sportsenator Andreas Geisel (SPD) daher als Alternative den Olympiasportpark vor. Das sei ein „hervorragender Sportstandort, der bis 2023 ohne große Schwierigkeiten ein solches Event stemmen kann“. Dies habe Härtel bereits mit der Präsidentin von Special Olympics Deutschland, Christiane Krajewski, diskutiert. Der Senat plant derzeit mit dem Mommsenstadion als Ausweichoption.

Der Jahn-Sportpark gehört der Senatsverwaltung für Inneres und Sport. Sie will das alte Stadion abreißen und dort bis 2023 einen Neubau für 20.000 Zuschauer errichten. Wegen des Zeitdrucks hat man nun die Priorität auf das Stadion gelegt, das eigentlich nur ein Teil der Umgestaltung des Gesamtareals zum „Inklusionssportpark“ ist. Um bis 2023 fertig zu werden, soll der Bau auch ohne Bebauungsplanverfahren realisiert werden, sonst müsste auch das Umfeld wie der Mauerpark einbezogen werden.

Das Vorgehen kritisieren nach dem Bezirksamt Pankow und Anwohnerinitiativen nun auch die Sportverbände. Der geplante „Inklusionssportpark“ habe Leuchtturmcharakter für die ganze Stadt, so Härtel. Schnelle Zwischenlösungen beim Stadion „würden die Gesamtplanung für den Park auseinanderreißen“. Es gebe aus LSB-Sicht „daher keine Alternative dazu, den Park als Gesamtes zu planen und umzubauen“.

Allerdings sind die Sportverbände uneins darüber, ob eine neue Großarena mitten in der Innenstadt überhaupt nötig ist. Nein, findet Maaß, der gleichzeitig 2. Vorsitzender des SV Empor in Prenzlauer Berg ist: „Bisher gibt es nicht einmal ein echtes Nutzungskonzept dafür.“ Er schlägt deshalb vor, nur die sanierungsbedürftige Haupttribüne inklusionsgerecht zu erneuern: „Das würde ausreichen.“ Maaß sieht einen Neubau als Vorboten einer generellen Verdrängung des Breitensports durch den Profisport auf dem höchst attraktiv gelegenen Areal: „Wir müssen das Gelände optimal für den Breitensport ausnutzen. Wir haben in Prenzlauer Berg, Mitte und Pankow kaum noch Sportflächen, die wir weiterentwickeln können. Das sollte im Mittelpunkt stehen, nicht der Bau von Großarenen.“

Entwicklungsmöglichkeiten für Profisport

Der Landessportbund hat dagegen auch den Profisport im Blick. Präsident Härtel sieht „neue Entwicklungsmöglichkeiten“ für den Basketballclub Alba, der hier seine neue Geschäftsstelle samt Trainingszentrum einrichten möchte, und auch für die Handballer der Füchse. Härtel plädiert auch für einen kompletten Neubau des Stadions, um darin höherklassigen Fußball zu ermöglichen.

Daran hält auch die Senatssportverwaltung fest, ebenso an der Zielsetzung Special Olympics. Das Stadion werde aber auch unabhängig davon gebraucht, teilte ein Sprecher mit: etwa für Leichtathletik-Meisterschaften und Länderspiele des DFB im Jugend- und Frauenbereich. Beide Verbände hätten schon angekündigt, das neue Stadion nutzen zu wollen. Es werde auch für den Inklusionssport, Sportfeste und den Vereinssport benötigt.

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Eine „Kommerzialisierung“ von Stadion und Sportpark sei nicht zu befürchten, beruhigt die Sportverwaltung. Der nicht-gewinnorientierte Sport habe Vorrang: „Es ist nicht geplant, regelmäßig kommerzielle Großevents zu veranstalten.“ Schon deshalb nicht, um keine „künstliche Konkurrenz“ zu anderen öffentlichen Großarenen zu schaffen, „die niemandem nutzt“.

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