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Jüdische Gemeinde Berlin nach Halle : „Synagogen brauchen einen Terror-Alarm-Knopf“

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Berlin, Gideon Joffe, fordert wirksameren Schutz für Synagogen. „In Halle dauerte das Warten auf die Polizei zu lange.“

Ein Polizist vor der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße in Berlin-Mitte.
Ein Polizist vor der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße in Berlin-Mitte.Foto: Christoph Soeder/dpa/AFP

Nach dem Attentat in Halle und antisemitischer Bedrohungen bundesweit fordert der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe, wirksameren Schutz.

"Jüdische Einrichtungen - Synagogen, Schulen, Gemeindehäuser - brauchen einen Terror-Alarm-Knopf", sagte Joffe dem Tagesspiegel. "In Halle dauerte das Warten auf die Polizei zu lange, das darf sich nicht wiederholen."

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Halle, Max Privorozki, hatte nach den Schüssen vom Mittwoch gesagt, die Polizei habe länger als zehn Minuten nach dem Notruf gebraucht, um am Tatort zu sein. Wenn ein Terror-Alarm-Knopf direkt mit einer Polizeiwache oder der Einsatzzentrale verbunden wäre, könnten die Sicherheitskräfte schneller und massiver reagieren.

Vor dem Sitz der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, der Synagoge an der Oranienburger Straße, beobachteten Polizeieinheiten auch am Donnerstag die Lage: Regelmäßig gibt es "ernstzunehmende Bedrohungen" gegen die Gemeinde, wie der Tagesspiegel aus Sicherheitskreisen erfuhr, in Berlin beträfe dies vor allem Islamisten.

"Wir fühlen uns in Berlin aber ernst genommen, das Verhältnis zum Innensenator ist gut", sagte Joffe.

Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin.
Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin.Hannes Heine

Joffe erklärte weiter, Juden erführen trotz allem viel Solidarität. "Auch und gerade aus Ostdeutschland erreichen uns positive Signale. Ich vertraue den Menschen dort und weiß, dass die überwiegend Mehrheit weder antisemitisch denkt, noch Antisemiten duldet."

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Erst vor einer Woche war ein Syrer mit einem Messer in der Hand auf die Synagoge zugelaufen und soll dabei "Allahu Akbar" geschrien haben. Berlins jüdische Gemeinde ist mit mehr als 10.000 eingetragenen Mitgliedern die größte Deutschlands.

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