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Acoustic Shell im Mauerpark.

© Freunde des Mauerparks

Tagesspiegel Plus

Kein Geld und Angst vor Rechtsstreit: Bezirk gegen feste Lärmschutzwand im Berliner Mauerpark

Eine mobile „Schallschutzschale“ erlaubt derzeit das anwohnerfreundliche Musizieren im Mauerpark. Doch Pankow sträubt sich gegen eine dauerhafte Lösung.

Von Christian Hönicke

Im Berliner Mauerpark kommt seit dem vergangenen Jahr eine Schallschutzschale aus Holz zum Einsatz, um Bands nachbarfreundliche Musik zu erlauben. Am vorletzten Sonntag etwa hat die Band „The Cosmic Giggle“ erst beim Aufbau am Pflasterweg mitgeholfen und dann in die Tasten gegriffen.

Angelegt war die Schalenbühne als Pilotprojekt, das eigentlich inzwischen längst beendet sein sollte. Danach sollten die Erfahrungen ausgewertet und dann über den Bau einer dauerhaften „Acoustic Shell“ entschieden werden. „Nun sollen in einem Folgeprojekt Möglichkeiten für feste ‚Acoustic Shells‘ im Mauerpark konzipiert werden“, sagt Alexander Puell. Er ist der Vorsitzende des Vereins „Freunde des Mauerparks“, der an Idee und Umsetzung der Schale beteiligt war.

Doch das sieht der Bezirk anders. Pankow hält eine feste Schallmuschel in der beliebten Grünanlage in Prenzlauer Berg für praktisch ausgeschlossen. Rechtliche Probleme und die „stark eingedampften Haushaltsmittel“ machten das Ganze jedenfalls derzeit „sehr unwahrscheinlich“, sagt die zuständige Bezirksstadträtin Manuela Anders-Granitzki (CDU) auf Nachfrage. Es sei „nicht absehbar“, ob es überhaupt irgendwann dazu kommen könne.

Pankow fürchtet einen Rechtsstreit mit den Erben des Mauerpark-Planers

Die mobile Schutzschale ist in Zusammenarbeit mit den Anwohnerinitiativen entstanden und aus Mitteln des Parkmanager-Projekts finanziert worden. Für eine dauerhafte Schallschutzmuschel, wie es sie etwa in britischen Parks gibt, seien jedoch „derzeit keine Finanzierungsmittel an irgendeiner Stelle im Haushalt des Bezirks vorgesehen“, sagte Anders-Granitzki. Wegen der vorläufigen Haushaltswirtschaft gebe es dafür auch keine plausiblen Gründe.

Und auch mit mehr Geld stehen die Chancen laut Bezirksamt schlecht. Die Gestaltung des Mauerparks sei schließlich urheberrechtlich geschützt. Aktuell wird er gemäß dem ursprünglichen Gestaltungsplan des Landschaftsarchitekten Gustav Lange von 1993 saniert.

Selbst wenn die Finanzierung geklärte wäre, „stehen urheberrechtliche Klärungen in Bezug auf die Freigabe der damit verbundenen Eingriffe in das bestehende Gestaltungsprinzip des Parks“ an, berichtet die Stadträtin. Diese müssten mit den Erben Langes geführt werden und wären „langwierig und kompliziert“ – der Bezirk hat also offenbar kein wirkliches Interesse daran.

Ein Anwohnerverein schlägt eine „hybride“ Schallschutzlösung vor

Der Verein „Freunde des Mauerparks“ will sich davon jedoch nicht stoppen lassen. Er könne verstehen, dass sich die Bezirksverwaltung angesichts der schwierigen Gemengelage am Mauerpark lieber bedeckt halte, sagt der Vorsitzende Puell. Aber viele Probleme könnten auf „kreativem Weg“ gelöst werden: „Wir übernehmen gerne diesen kreativen Teil und werden die Verwaltung unterstützen, die wichtige Themen im Interesse aller Beteiligter voranbringen.“

Puell glaubt, eine dauerhafte Lösung finden zu können – und hat auch eine Idee. „In der Qualifizierung des Mauerparks ist ein kleiner Betrag für das Thema Acoustic Shells berücksichtigt, das Geld kommt aus Landesmitteln“, sagt er. „Damit soll ein Ansatz zwischen mobiler Shell wie jetzt und einer festen Shell gefunden werden.“

Dieser „hybride Ansatz“ könne dann so aussehen, dass ein Teil fest im Park steht – etwa ein Sockel aus Granitsteinen, auf den dann ein zweiter Teil aus Holz aufgesetzt werden kann. Puell: „Mit einfachen Mittel könnte so aus Sitzstufen bei Bedarf und wenig Aufwand eine Acoustic Shell werden.“

Bis dahin läuft das mobile Pilotprojekt erst einmal weiter. Der Verein arbeitet aktuell daran, einen zweiten Standort für die Mobilvariante zu ertüchtigen. „Seit dem Start des Pilotprojekts 2021 wurde die mobile Acoustic Shell schon elfmal im Park eingesetzt und getestet“, sagt Puell. Die Wirkungsweise sei von einem Lärmschutzexperten geprüft worden „und der Lärmschutz-Effekt für ausgezeichnet befunden“. Die Akustik sei auch von den Musikern durch die Bank für gut befunden worden, „der bisherige Standort nördlich vom Amphitheater war einigen aber zu weit ab vom Schuss“, so Puell.

Deshalb wolle man nun in diesem Jahr einen zweiten Standort testen. Er soll etwas südlicher zwischen Amphitheater und Bernauer Straße am Stadionwall liegen. Puell: „Wir können dann die Acoustic Shell also wahlweise im Norden oder Süden aufbauen.“

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