Kindertransporte : Überlebende kehren zu Besuch zurück

Sie wurden in der NS-Zeit von den Eltern weggegeben und so gerettet, jetzt kommen die "Kinder" mit ihren eigenen Kindern wieder.

Denkmal. Am Bahnhof Friedrichstraße erinnert eine Skulptur an die Rettung.
Denkmal. Am Bahnhof Friedrichstraße erinnert eine Skulptur an die Rettung.Foto: imago/Schöning

In einen Zug zu steigen, konnte für Juden in der Zeit des Nationalsozialismus den Tod bedeuten oder die Rettung. Für die meisten hieß es: Deportation und Ermordung. Wenige Glückliche konnten durch die sogenannten Kindertransporte nach Großbritannien entkommen. Am heutigen Montag wollen Überlebende der Kindertransporte in Begleitung von Angehörigen eine Erinnerungsreise entlang ihrer Route beginnen; sie landen in Wien und fahren am Donnerstag mit dem Zug nach Berlin, wo sie am frühen Abend eintreffen. Montag reisen sie weiter nach Amsterdam und dann über Hoek van Holland mit der Fähre nach London.

In Berlin ist vier Tage volles Programm geplant. Gleich Freitagfrüh steht ein Empfang im Abgeordnetenhaus auf dem Programm, mit Staatssekretärin Sawsan Chebli (SPD) und Sigmount Königsberg von der Jüdischen Gemeinde. Die Gruppe besucht außerdem die Reichstagskuppel, das Holocaust-Mahnmal, die Synagoge an der Pestalozzistraße, das Haus der Wannseekonferenz, die Hackeschen Höfe, das Centrum Judaicum, die East Side Gallery, das Max-Liebermann-Haus, das Scheunenviertel, das Rathaus Schöneberg, dazwischen wird pausiert und gegessen, diskutiert und Lesungen gelauscht. Organisiert wird das alles von der Kindertransport Association mit Sitz in New York. Von den 20 Reisenden sind nur vier Überlebende, die anderen sind Familienmitglieder.

Im Sommer 2018 radelte eine Gruppe in Erinnerung an die Kindertransporte vom Bahnhof Friedrichstraße bis nach London, darunter der 81-jährige Rechtsanwalt Paul Alexander, der von Sohn und Enkel begleitet wurde. In den Jahren 1938 und 1939 konnten rund 10.000 Kinder durch diese Transporte gerettet werden. Die allermeisten kamen nach England, einige in die Schweiz, so wie Ruth Westheimer, später Amerikas bekannteste Sextherapeutin.

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