Kitaplatz-Suche in Berlin : Eltern klagen trotz freier Plätze

10.800 freie Kitaplätze gibt es angeblich in Berlin. Trotzdem klagen einige Familien vor Gericht, weil sie keinen Platz finden. Wie kann das sein?

Durchblick gesucht: Von Transparenz bei der Kita-Lage kann man aktuell nicht sprechen.
Durchblick gesucht: Von Transparenz bei der Kita-Lage kann man aktuell nicht sprechen.Foto: imago/epd/Rolf Zöllner

Rund 10.800 Kitaplätze gelten zurzeit als nicht belegt und dennoch waren Anfang November vor Gericht rund 30 Eilverfahren wegen fehlender Kitaplätze anhängig: Beide Zahlen gab die Senatsverwaltung für Jugend am Freitag auf Anfrage bekannt. Und beide Zahlen belegen, dass es nach wie vor eine große Diskrepanz gibt zwischen den von den Trägern gemeldeten Kapazitäten und dem, was Eltern in ihren Kiezen erleben, in denen sie auf Kitasuche sind.

„Es fehlen noch immer tausende Kitaplätze, Kitas werden geschlossen, Betreuungszeiten verkürzt“, umreißt die Sprecherin der Elterninitiative Kitakrise, Katharina Mahrt, die aktuelle Lage. Eltern berichteten ihr, dass sie bei der Platzsuche „teilweise schon auf 2022/23 vertröstet werden“. Die Suche nach einem Betreuungsplatz sei für Berliner Eltern eine „gewaltige zeitliche, emotionale und nervenaufreibende Herausforderung.“ Nicht wenige Mütter und Väter könnten nach der Elternzeit nicht wie vorgesehen ihre Arbeit antreten. Die seit 2018 mit Berliner Kitaklagen befasste Rechtsanwältin Loreena Melchert berichtete dem Tagesspiegel von einem Fall, in dem Eltern vom Land 8.600 Euro nach einer Verdienstausfallklage bekommen hätten.

Wer trotz Rechtsanspruch keinen Kitaplatz findet, kann sich vom Land Berlin auch eine Ersatzbetreuung  („Nanny- Regelung“) finanzieren lassen. Im Kita- Jahr 2018/19 wurde das rund 450 Mal in Anspruch genommen, teilte die Sprecherin der Jugendverwaltung, Iris Brennberger, dem Tagesspiegel mit Hinweis auf entsprechende Angaben der Bezirke mit.

Senat sieht „leicht positive Tendenz“

Aktuell gebe es aber nur 14 dieser Fälle. Dies könnte daran liegen, dass es im Herbst generell mehr freie Plätze gibt als etwa im Frühjahr oder auch daran, dass es im Vergleich zum Vorjahr 1.400 nicht-belegte Plätze mehr gibt. Daraus lasse sich „eine leicht positive Tendenz“ ablesen, lautet die Einschätzung der Jugendverwaltung.

Berliner Kita-Zahlen

  • In Berlin gibt es 177.000 Kita und Tagespflegeplätze
  • 10.800 gelten als nicht belegt
  • Das sind 1400 mehr als im Vorjahr
  • 4.600 neue Plätze wurden seit 2018 geschaffen
  • Unbekannt ist, wie viele Plätze regional fehlen

Verwaltungssprecherin Brennberger erinnerte daran, dass der vor einer Woche gestartete Kita-Navigator Eltern die Kitaplatzsuche erleichtern solle. Er trage dazu bei, „dass Eltern eine besseren Überblick über das Angebot und belastbare Informationen über freie Plätze erhalten“. Dabei würden erstmals auch Vormerkungen für Plätze berücksichtigt. Wie berichtet erfüllen allerdings noch längst nicht alle Kitas die Pflicht, freie Plätze einzutragen oder belegte Plätze auch tatsächlich als belegt zu melden.

Der Kita-Navigator hakt noch an fehlenden Meldungen

„Der Kita Navigator hat leider noch keine Entlastung gebracht, da die Daten veraltet sind“, bestätigt Mahrt. Eltern hätten berichtet, vergangene Woche bis zu 20 Absagen für vermeintlich freie Plätze erhalten zu haben. Zudem würde bemängelt, dass im Navigator für freie Plätze keine Spezifizierung wie Alter oder Geschlecht angegeben werde, um gezielter anfragen zu können.

Aktuell gibt es in Berlin insgesamt 177.000 Plätze in Kitas und der Kindertagespflege – das seien 4600 mehr als im Vorjahr, berichtet Brennberger. Allerdings wurden die Planungen erheblich zurückgeworfen, weil sich für Kitamodulbauten, mit denen der Senat schneller Kapazitäten schaffen wollte, nicht genügend Anbieter gefunden hatten. Als weiteres Problem kommen steigende Gewerbemieten hinzu, die von den Platzgeldern des Landes nicht abgedeckt sind. Hierfür wird nach Lösungen gesucht.

Um Familien zu helfen, einen Weg zu einem Kitaplatz zu finden, bietet der Arbeitskreis Neue Erziehung (ANE) in Kooperation mit der Elterninitiative Kitakrise an diesem Sonnabend von 10 bis 11.30 Uhr die Veranstaltung „Auf in die Kita – Wie finde ich einen Betreuungsplatz für mein Kind“ durch und zwar im Familienzentrum in der Adalbertstraße 23b in Kreuzberg.

Beantwortet werden beispielsweise folgende Fragen:

  • Wie finde ich einen Betreuungsplatz für mein Kind?
  • Welche Betreuungsmöglichkeiten gibt es?
  • Was sind meine Rechte und was tue ich, wenn ich keinen Betreuungsplatz finde?

Neben dem Team von Kitakrise werden laut Mahrt die Rechtsanwältin Nele Trenner von den „Kitarechtlern“ und Landeselternsprecherin Corinna Balkow, Fragen beantworten. Alle Informationen rund um die Kitaplatzsuche sollen dann in der aktualisierten ANE-Elterninfo „Auf in die Kita“ zu finden sein.

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