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© André Görke

Tagesspiegel Plus

Kolonialismus in Berlin-Kladow: „Die Christoph-Kolumbus-Straße sollte umbenannt werden.“

Früher saßen auf dem Flugplatz in Berlin-Spandau die Briten. Dann wurde eine Straße umbenannt. Die Grünen fordern jetzt einen neuen Namen - und haben eine erste Vorstellung.

In Berlin-Kladow gibt’s Ärger um Kolonialismus - und die Spur führt raus auf den alten Flugplatz im Südwesten der Stadt. Was ist passiert?

Gollaleh Ahmadi, Fraktionschefin der Grünen, will raus aus dem Rathaus Spandau, rein ins Berliner Abgeordnetenhaus – und hat noch mal interessante Lektüre am Stadtrand zurückgelassen, der das Rathaus noch gut beschäftigen wird.

Berlin-Wahl hin oder her: Die politische Arbeit endet ja nicht am Sonntag, 26. September, 18 Uhr, mit dem Ende des Wahltages.

Auf dem stillgelegten Berliner Flugplatz mit all den alten Offizierssiedlungen gibt es eine Straße, die den Namen des italienischen Seefahrers Christoph Kolumbus trägt - und die jetzt im Mittelpunkt steht.

Marco-Polo-Straße neben Christoph-Kolumbus-Straße - dahinter die einstigen Offiziershäuser der Briten.

© André Görke

Diese Straße war früher militärische Sperrzone, lag einst im Revier der britischen Alliierten, gehörte dann zum Bundeswehr-Sicherheitsgelände und trug den Namen Käthe-Paulus-Straße. 2011 wurde der öffentliche Teil umbenannt, als dort Neubauten für Familien entstanden sind. Auch die Bushaltestelle trägt den Namen von Christoph Kolumbus.

Die Bushaltestelle am Kladower Damm trägt auch den Namen Kolumbus’. Hier halten X34 und 134.

© André Görke

„Aus welchen Gründen wurde die Straße am 1. November 2011 in Christoph-Kolumbus-Straße benannt, obwohl zu dieser Zeit Kritik an Kolumbus bekannt war?“, will Grünen-Fraktionschefin Ahmadi im Rathaus wissen. Und: „Wurden beim Prüfverfahren Zusammenhänge zum Kolonialismus, zur Sklaverei oder der Unterdrückung der indigen Bevölkerung Amerikas berücksichtigt?“ Im Rathaus hat sie daraus einen schriftlichen Vorgang gemacht.

Ich bin überzeugt, dass die Christoph-Kolumbus-Straße umbenannt werden soll.

Gollaleh Ahmadi, Fraktionschefin Grüne, zum Tagesspiegel

„Ich bin überzeugt, dass die Christoph-Kolumbus-Straße umbenannt werden soll“, sagte Ahmadi auf Nachfrage des Tagesspiegels. Hat sie Gegenvorschläge? Das sei zu früh. „Klar ist jedoch, dass die Straße nach einer Freiheitskämpferin gegen Sklaverei und Kolonialismus benannt werden sollte.“

Der Name steht seit 2011 auf den offiziellen Straßenschildern.

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Den Fragenkatalog beantwortet jetzt Frank Bewig, CDU, seit 2016 zuständiger Stadtrat. 2011 war er noch Mitarbeiter im Bundestag unter Kai Wegner und BVV-Vorsteher. Bei der Spandau-Wahl 2021 tritt er als Bürgermeister-Kandidat an.

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„Vor 10 Jahren, während praktisch alle Welt über Kolumbus diskutierte, wurde in Spandau eine Straße nach ihm benannt“, ärgert sich Ahmadi. „Ich will wissen, warum das Bezirksamt nicht sensibel genug war.“

CDU sagt: Die Entscheidung wurde von den Grünen einst mitgetroffen

Thorsten Schatz, CDU, erinnert daran, dass dieser Entscheidung die Alternative Liste (Vorgänger der Grünen) zugestimmt hat. Ahmadi hält dagegen: „Ich stimme nicht allem zu, was meine Vorgänger gesagt oder getan haben.“ 

„Mir geht es nicht um die Löschung aus den Geschichtsbüchern“, sagte die Grünen-Politikerin noch dem Tagesspiegel, „sondern um einen kritischen Umgang mit Geschichte, damit durch den Straßennamen die Opfer nicht herabgewürdigt werden und das Unrecht an ihnen nicht glorifiziert wird.“

Und wer war jetzt Käthe Paulus?

Der Flugplatz im Süden von Berlin-Spandau ist seit 1994 geschlossen. Der getilgte Name Käthe Paulus - so hieß die Christoph-Kolumbus-Straße bis 2011 - findet sich übrigens seit 20 Jahren ganz in der Nähe ein zweites Mal, allerdings auf der anderen Seite des Flugplatzes. Im Neubaugebiet „Landstadt Gatow“ gibt es die Käthe-Paulus-Zeile seit dem Jahr 2000.

Die Frau war Fallschirmspringerin, erfand den modernen zusammenlegbaren Fallschirm, starb 1935 und erhielt 1970 auf Beschluss des Senats auf dem Dankes-Kirchhof Blankestraße ein Ehrengrab. Damals sollte die Doppelung der Straßennamen in unmittelbarer Nähe beseitigt werden - und so entstand ein neues Problem.

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