Komödie am Kudamm : Traditionseinrichtung kommt unter den Hammer

Resteverwertung bei den Ku’damm-Bühnen. Bis zum nächsten Freitag läuft die Versteigerung von Kronleuchter und Theaterstühlen.

Die letzte Veranstaltung im Theater am Kurfürstendamm.
Die letzte Veranstaltung im Theater am Kurfürstendamm.Foto: DAVIDS/Sven Darmer

3-2-1 – die Komödie am Ku’damm ist meins! Oder jedenfalls ein Theater-Klappsitz aus der Traditionseinrichtung, im besten Fall sogar der Kronleuchter, kurzum eins der 446 Lose, in die das Auktionshaus Dechow aus Hamburg das Bühnen-Inventar zerstückelt hat. Gut eine Woche nach dem letzten Vorhang im Haus am Kurfürstendamm, das Max Reinhardt mit der Inszenierung von Brecht-Stücken berühmt gemacht hatte, kommt die Inneneinrichtung unter den Hammer. Für die Liebhaber der Schauspielkunst womöglich ein Sakrileg, Schnäppchenjäger dagegen dürfen routiniert an die Leichenfledderei gehen.

„Einen netten Fang“ nennt Toke Bransky die Versteigerung nüchtern. Kein Vergleich mit der Resteverwertung bei der Pleite der Fluggesellschaft Air Berlin, die dem Insolvenzverwalter einen „hohen Betrag“ beschert habe. Theaterbestuhlung und Kronleuchter bringen, „wenn es gut läuft, zehntausend Euro“.

Aktuelles Gebot: Ein Klappsitz für 77,77 Euro

Das aktuelle Gebot für das erste Los, ein „Theater-Klappsitz aus dem Original-Gestühl“, stand am Montag bei 77,77 Euro. Aber es sind ja noch ein paar Tage, bis die Auktion dieses Sitzes endet, nämlich am 8. Juni um 10 Uhr. Dann folgen im Minutentakt weitere Stühle, auch in Zweier- und Vierer-Reihen. Aber Achtung Schnäppchenjäger, anders als bei Ebay endet das Bieten nicht zu einem festen Zeitpunkt ohne Wenn und Aber – sondern es geht bei diesen Auktionen so lange weiter, bis fünf Minuten lang niemand mehr das höchste Angebot toppt. Alle sollen dieselbe Chance haben – und Berliner Bieter beispielsweise nicht am mäßigen Tempo ihres digitalen Netzes scheitern.

„Wäre doch schade, die Dinge dem Abriss anheimfallen zu lassen“, sagt Michael Forner, Geschäftsführer der Komödie am Kurfürstendamm. Auf das Hamburger Auktionshaus kam der Unternehmer, weil er von deren Versteigerung der Air-Berlin-Hinterlassenschaften gelesen hatte. „Schulden haben wir bei niemandem“, sagt Forner. Nicht einen Euro bei irgendeiner Bank. Im letzten abgerechneten Geschäftsjahr 2016 sei sogar ein operativer Gewinn von 300.000 Euro erzielt worden. Dass im selben Jahr in der Bilanz eine der Firmen, für die Intendant Martin Woelffer verantwortlich zeichnet, ein „Fehlbetrag“ von über zwei Millionen Euro steht, der „nicht durch Eigenkapital gedeckt“ ist, habe buchhalterische Gründe, das seien Verbindlichkeiten der Gesellschaften untereinander. Forner zufolge erhielten die Spielstätten im vergangenen Jahr Zuwendungen aus dem Haushalt in Höhe von 235.000 Euro, in diesem Jahr wegen der größeren Spielstätte am Schillertheater von 921.000 Euro.

Am 5. Juni startet der Abriss

„Theatergeschichte für zu Hause“ wirbt das Auktionshaus Interessenten für das Inventar. Auf dessen Website stehen die Ku’damm-Bühnen neben einer Keksfabrik in Leysta, einer Gattersägeanlage für Rundholz (aktuelles Gebot: 12 000 Euro), dem Messschiff „Rijksoverheid“ im Hafen des Niederländischen Harlingen (170.000 Euro). Bieten kann man für den Passagierbus Cobus mit 289.000 Kilometern auf dem Tacho und sogar „Flughafentechnik“ steht zur Versteigerung. Vom BER etwa? Mindestens ebenso schadhaft, aber das erst nach 5136 Betriebsstunden, so dass die Container-Hubbühne FNC längst abgeschrieben sein dürfte – und während diese Zeilen verfasst werden, steht das Höchstgebot für diese Bühne bei 575 Euro.

Sitzen wie bei Woelffers. Klappstühle aus den Ku’damm-Bühnen.
Sitzen wie bei Woelffers. Klappstühle aus den Ku’damm-Bühnen.Foto: Dechow-Auktionen

Wer noch mal persönlich auf dem Gestühl probesitzen möchte, kann das an diesem Dienstag, den 5. Juni, zwischen 12 und 15 Uhr im Haus am Kurfürstendamm 206 tun, ein letztes Mal vor dem endgültigen Abriss der Einrichtung.

Der Komödie und ihren 40 fest angestellten Mitarbeitern sind maximale Auktionserlöse zu wünschen. So oder so geht die Show weiter. Zum Start der neuen Saison soll es am 23. September die Adaptation der erfolgreichen Filmkomödie „Willkommen bei den Hartmanns“ geben. Bis zum Jahr 2021 planen die Komödianten ihr Gastspiel am früheren Schiller-Theater, danach wollen sie zurückkehren an den Ku’damm, wo sie eine neue Spielstätte bekommen sollen, im Keller – immerhin entsteht das Foyer oberirdisch in einem Hof.

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