• Kunsthandwerkstage 2018: Däumchen drehen: Was Kinder beim Töpfern alles lernen können

Kunsthandwerkstage 2018 : Däumchen drehen: Was Kinder beim Töpfern alles lernen können

In der Keramikwerkstatt Yad Chanah in Prenzlauer Berg führt Christian Diller Kitakinder und Grundschüler an die Arbeit mit Ton heran. Während der Europäischen Tage des Kunsthandwerks an diesem Wochenende kann man seinen Workshop besuchen.

Gut gemacht. Christian Diller erklärt, wie man aus Ton einen Elefanten macht. Erzieher Michal Borkowski (rechts) schaut neugierig zu.
Gut gemacht. Christian Diller erklärt, wie man aus Ton einen Elefanten macht. Erzieher Michal Borkowski (rechts) schaut neugierig...Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Ganz schön wuselig geht es an diesem Freitagvormittag in der Keramikwerkstatt Yad Chanah zu. Christian Diller nimmt’s gelassen – und verteilt zunächst blaue T-Shirts mit der Aufschrift „Ich bin ein Handwerker“ an die aufgekratzten Kinder. „Wir bemalen heute eure Elefanten“, ruft er in die Runde. Dafür sind die Erzieher Claudia Dörndorfer und Michal Borkowski mit ihren Schützlingen aus der benachbarten Kita angerückt. „Alle Ärmel hoch“, dirigiert der kleine Bruno, „wir sind die Arbeitsmänner.“ Dann macht er sich ans Werk.

„Sie waren schon ganz aufgeregt, wie die Elefanten aussehen“, sagt Claudia Dörndorfer. Bereits am Montag haben die Drei- bis Sechsjährigen die Tiere aus Ton gebastelt. „Das Material braucht Zeit zum Trocknen und Brennen“, erklärt Christian Diller und huscht währenddessen hin und her, gießt bunte Farben auf die Teller, stellt sie auf den großen Arbeitstisch und spornt die Kleinen an: „Traut euch, legt los!“

Diese Art von Feinmotorik wird heute selten vermittelt

Seit einem Jahr führt Diller Kinder an die Arbeit mit Ton heran. Die Kurse finden im Interkulturellem Haus Pankow in der Schönfließer Straße statt. Die Werkstatt wurde ursprünglich vor 30 Jahren von dem Keramikmeister und Kulturwissenschaftler Chajim Grosser gegründet. Seit Januar 2017 gehört sie zu „Socius – die Bildungspartner“, einem Dienstleister für soziale und pädagogische Angebote. Im März vergangenen Jahres startete Diller erste Töpferworkshops mit Kindern. „Eigentlich bin ich Holzbildhauer“, sagt er. Während seiner Ausbildung arbeitete er zwar schon mit Ton. Das eigentliche Handwerk lernte er aber vom Werkstattgründer Grosser.

Beim Bemalen ist Vorsicht geboten, um das kleine Kunsthandwerk nicht zu beschädigen.
Beim Bemalen ist Vorsicht geboten, um das kleine Kunsthandwerk nicht zu beschädigen.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

„In den ersten Stunden machen wir zusammen Daumenschälchen“, erklärt Diller. Diese spezielle Technik eignet sich besonders gut für den Einstieg. Dabei drücken Kinder mit dem Daumen ein Loch in eine kleine Tonkugel. Dann wird eine immer breitere Kuhle geformt. Diese Art von Feinmotorik werde heutzutage kaum vermittelt. „Noch vor 30 Jahren hätte man den meisten Grundschulkindern erklären können, das ist wie beim Backen. Heute kennt das kaum jemand“, sagt Diller, der an Nachmittagen auch Keramik AGs für Grundschüler betreut. Manche wüssten nicht mal, was ein Kreis ist. Beim Töpfern komme die Formgebung, überhaupt das Künstlerische, sehr indirekt an. Wichtig sei, dass Kinder ihre eigenen Ideen einbringen, Verantwortung übernehmen und den Respekt vor den Sachen der anderen lernen.

Schulen können Kurse buchen

In Zukunft möchte Diller gern Thementage organisieren, etwa zu Ostern oder in den Sommerferien. Zunächst sollten aber Schulen im Umkreis das bestehende Angebot wahrnehmen und Workshops buchen. Für eine Gruppe mit zehn Teilnehmern sind etwa hundert Euro fällig, inklusive Material. Die Räumlichkeiten sind mit allem ausgestattet und auch für die Zeit zwischen den Kursen ideal gelegen: In den Pausen können Kinder auf dem großzügigen Hof spielen und sich im Freien austoben.

„Großes Ziel ist, dass eine öffentliche Schule mit uns ein langfristiges Projekt macht.“ Sei es eine Schulhofverschönerung, Mosaike oder das Geschirr für die Schulmensa. Als Künstler würde Diller die ganze Vermarktung aber am liebsten abgeben. Und sich nur der Keramik widmen.

„Ich brauche die Eselsfarbe“, meldet sich Ben plötzlich und reißt dabei seinem Elefanten die Rüssel ab. „Keine Angst, das mach ich wieder ran“, sagt Diller. Auch ihm macht die Arbeit großen Spaß.

Kinderkeramikworkshop, Interkulturelles Haus Pankow, Schönfließer Straße 7, Prenzlauer Berg. Sonnabend, 24. März: 10 bis 12 Uhr. Eintritt frei. Mehr Infos unter socius.diebildungspartner.de/keramik/ und berlin.kunsthandwerkstage.de

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