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Spargelhof in Brandenburg: Wo schmeckt der Spargel besser?

© Jürgen Held/Imago Images

Tagesspiegel Plus

Lecker Luxusgemüse aus Brandenburg: Der letzte Spargel ist gestochen – hier gibt es noch welchen

Am besten schmecken die langen Kerls nach einer Wanderung in Brandenburg. Wir verraten eine schöne Runde rund um Beelitz.

Es ist eine dieser kostbaren Kindheitserinnerungen. Das Beet war sandig, hoch gewölbt, ein Abenteuerort. Also vorsichtig in den Laufwegen einen Fuß vor den anderen setzen. Dort, wo sich ein helles Köpfchen zeigte, mit zwei Fingern drumherum die Erde weggraben. Bald war der Stängel freigelegt und der Fund wurde den Großeltern stolz überreicht.

Jahrzehnte später kauft man den Spargel doch lieber auf dem Markt und möchte zum Ende der Saison nach letztem Abstich am Johannistag, 24. Juni, das Gemüse nochmal bewusst genießen. Und wo schmeckt der Spargel besser als nach einer Wanderung in Brandenburg?

Wer ein Beispiel einer solchen Tour haben will, muss sich mit Wolfgang Watzek unterhalten. Der erfahrene Wandersmann aus Berlin berichtet von einem Ausflug zum Spargelbauernhof Schäpe im Landkreis Potsdam-Mittelmark.

Die Zeit wird knapp – lange ist Spargel nicht mehr auf der Karte

Es lohnt sich nach Tagesspiegel-Recherchen auch ein Abstecher aufs Gelände der werdenden Landesgartenschau in Beelitz sowie zum umgezogenen Spargelmuseum.

Die Tour begann am S-Bahnhof Friedrichstraße, so erzählt Watzek, der beim Skiverband Berlin aktiv ist und sich mit Wanderfreund:innen durch Laufen fit hält. Mit dem RE 7 Richtung Dessau fuhren alle bis Borkheide. Vom dortigen Bahnhof geht es „gleich rein in den Wald, zuerst parallel zur Bahn, nach etwa zwei Kilometer Wegstrecke an einer Baude dann nach rechts, weiter durch den Wald.

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Am Ende ist man an der Brücke der Autobahn, ein kurzes Stück weiter an der Straße, und nach 500 Metern geht es direkt nach Schäpe“, beschreibt Watzek. Bis dahin seien es etwa fünf bis sechs Kilometer – das geht prima, mit der Stärkung vor Augen. Schäpe ist ein beschaulicher Ortsteil von Beelitz, mit typischer Kirche.

Der Jakobs-Hof Schäpe war mal ein Bauernhof, noch bis zum 4. Juli gibt es dort Spargelgerichte, andere Restaurants der Gegend haben das Edelgemüse noch bis Monatsende auf der Speisekarte.

Frauen nehmen gern Semmelbrösel und ein bisschen Butter, Männer ungerührt die kalorienhaltigere Sauce Hollandaise

Das sagen die Spargelbauern der Region

Bei der Spargel-Bestellung gibt es geschlechtertypische Vorlieben. Das kann man bei einem Anruf beim Hof und dem Spargelverein von Spargelbauern der Region erfahren. Frauen nehmen gern Semmelbrösel und ein bisschen Butter (wegen der Figur, wie die Gäste sagten), Männer ungerührt die kalorienhaltigere Sauce Hollandaise.

Früher war der kalorienarme Spargel Luxusgemüse bei Hofe oder im Kloster, während die Landbevölkerung mit Kartoffeln satt werden wollte und musste. Heute sei Spargel wegen der wenigen Kalorien auch bei gesundheitsbewusster Kundschaft beliebt, sagt Jürgen Jakobs, Vorsitzender des Vereins Beelitzer Spargel.

Wandersmann Watzek empfiehlt nach dem Mahl auf dem Hof eine kleine regionale Schnupperrunde: „Angeschlossen ist ein Hofladen, natürlich mit Spargel, Erdbeeren und Fleisch- und Wurstwaren aus der Region. Es gibt auch viele nette Aufmerksamkeiten, die man eigentlich nicht braucht, aber die doch schön sind.“

Für die Rücktour könnte man wieder nach Borkheide, die Berliner Wandertruppe wählte indes den Weg über Beelitz Stadt. Da die Bundesstraße 246 umgebaut werde, könne man gut den Fuß- und Radweg benutzen, meint Watzek, und es störe kein Autoverkehr. Vorbei an den abgeernteten Spargelfeldern läuft man durch den Ortsteil Reesdorf zum Beelitzer Bahnhof – der Rückweg beträgt etwa sieben Kilometer.

Auf dem renovierten Bahnhof Beelitz kann man in einem Restaurant bei einem Kaffee auf den Zug warten. Wer nur eine Strecke laufen möchte, für den gibt es vom Bahnhof Beelitz Heilstätten eine Busverbindung mit einmal Umsteigen nach Schäpe. Beim Rückweg kann man die Rufbusverbindung nach Beelitz Stadt wählen.

Dort ist jetzt das Spargelmuseum von Schlunkendorf in die Altstadt umgezogen, in die Mauerstraße 12. Es waren schon Exponate aus dem Spargelstädtchen Schrobenhausen zu sehen, die bayerische Spargelmetropole. In rustikal-ländlichem Ambiente geht es dort an Spargelköniginnenkrone und historischem Vorlegebesteck vorbei. Auch viele schöne Schalen in allerlei Spargelformen sind zu betrachten. Geöffnet ist pandemiebedingt derzeit immer dienstags und donnerstags von 11 bis 16 Uhr.

Eine Spargel-Schüssel aus der Spargelmuseum Beelitz.
Eine Spargel-Schüssel aus der Spargelmuseum Beelitz.

© Gérard Lorenz

Wer dann noch Lust und Muße hat, kann in Beelitz das Gelände der Landesgartenschau 2022 besuchen, mit einem nordamerikanischen Mammutbaum, der ist zwölf Meter hoch, damit kann es kein Spargel aufnehmen. Den gibt es auch noch an den Ausfallstraßen von Berlin ins Umland an einigen Straßenständen.

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