Luftverschmutzung in Berlin : Feinstaubbelastung kommt überwiegend von außen

Kraftwerke, Schifffahrt, Heizungen: 65 Prozent des Feinstaubs in Berlin entsteht außerhalb der Stadt. Das Tempo-30-Limit könnte dennoch erste Erfolge zeigen.

Der Großteil der Feinstaubbelastung in Berlin kommt von Kraftwerken wie diesem außerhalb der Stadt.
Der Großteil der Feinstaubbelastung in Berlin kommt von Kraftwerken wie diesem außerhalb der Stadt.Foto: Patrick Pleul/dpa

Mehr als die Hälfte der Quellen, die für die Feinstaubbelastung in der Stadt verantwortlich sind, liegen außerhalb von Berlin. Das teilte die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz in einer Antwort auf die Schriftliche Anfrage des Berliner FDP-Abgeordneten Marcel Luthe mit.

Der Senat stützt seine Erkenntnisse auf eine Studie des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung in Leipzig, die 2017 durchgeführt wurde. Demnach entsteht die über ein Jahr gemittelte Feinstaubbelastung zu 65 Prozent nicht in Berlin, sondern kommt aus Kraftwerken, Heizungen nicht aus Berlin oder von der Schifffahrt – der Wind trägt die Partikel dann in die Stadt.

Das Problem ist nicht neu. Für Luthe ist das ein eindeutiger Beweis dafür, dass der rot-rot-grüne Senat zu Unrecht die Mobilität der Berliner einschränke. „Wir sehen, dass es eine Vielzahl von weiteren Quellen gibt, die deutlich gravierender sind als der Pkw-Verkehr. Mit denen muss man sich zuerst beschäftigen, bevor man in die Freiheit der Berliner eingreift“, sagt Luthe.

Ursachen in Berlin vor allem Verkehr und Heizungen

Die Ursachen allerdings, die in Berlin liegen, sind nach Angaben des Senats „vornehmlich im Verkehrssektor und im Heizungssektor“ zu finden. 15 Prozent des Feinstaubs entstehe im Stadtverkehr durch den Abrieb von Autoreifen und durch Aufwirbelung. Allerdings seien nur vier Prozent auf Auspuffabgase zurückzuführen.

An elf Stationen in Berlin werden stündliche Messungen durchgeführt. Die Feinstaubbelastung darf nach Vorgaben der Europäischen Union im Tagesdurchschnitt 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft nicht überschreiten. Dieser Mittelwert ist beispielsweise an der Messstelle in der Neuköllner Silbersteinstraße 2017 an 28 Tagen überschritten worden, dieses Jahr bereits 22 Mal. An der Frankfurter Allee in Friedrichshain 17 Mal.

Feinstaub besteht aus etlichen luftgetragenen Partikeln, die einen Durchmesser von etwa 10 Nanometern bis 10 Mikrometer aufweisen und eine gewisse Zeit in der Atmosphäre verweilen. Er kann aus Reifen- und Bremsabrieb, Ruß aus unvollständigen Verbrennungsprozessen, aber auch aus Sandkörnchen und Blütenpollen bestehen.

Auch Partikel aus Zigarettenrauch mischen sich unter. Genauso finden sich Salze, Metalle wie Arsen, Blei und verschiedene Mineralien im Feinstaub. Deshalb wird er als sehr gesundheitsschädigend bewertet. Er greift Lunge, Atemwege und Herz-Kreislaufsystem an und gilt als krebserregend.

Der Wert hängt von vielen Faktoren ab

Unbebaute Grünflächen tragen dazu bei, die Feinstaubbelastung in der Stadt zu verringern, indem sie enge Straßenschluchten aufbrechen. Auch vom Wetter ist die Belastung stark abhängig, weshalb Jahresmittelwerte und nur längerfristige Beobachtungen zu vergleichbaren Ergebnissen führen. Dies gilt auch für die Messungen in der Leipziger Straße in Mitte.

Seit der Senat hier Anfang April das Tempo-30-Limit eingeführt hatte, ist die Feinstaubbelastung tatsächlich erneut gesunken – für einen direkten Rückschluss auf den Verkehr aber ist es zu früh. Im Juni lag der Monatswert dort bei 22 Mikrogramm pro Kubikmeter, im Mai bei 27, im April bei 30. Auch die Belastung durch Stickstoffdioxid und Stickoxid sank. Auf Anfrage des SPD-Abgeordneten Sven Kohlmeier gab die Senatsumweltverwaltung an, dass nur 3,5 Prozent der Autofahrer dort das Tempolimit überschreiten – der überwiegende Teil fährt also langsamer als zuvor.

Kohlmeier sagt, er sei kritisch gewesen, was das Tempolimit angehe. „Aber wenn sich bestätigen sollte, dass die Schadstoffbelastung dadurch sinkt, sind Tempolimits besser als Fahrverbote.“ Er will die Anfrage jeden Monat stellen, damit am Ende eine tatsächliche Vergleichbarkeit gegeben ist.

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