• Maximal 15.000 Euro für eine Anlage: Wie der Senat Solarstrom in Berlin fördern will

Maximal 15.000 Euro für eine Anlage : Wie der Senat Solarstrom in Berlin fördern will

Der Senat bezuschusst Berliner Firmen und Privatleute bei der Installation von Solarstrom-Batterien. Eine Vorlage soll am Dienstag beschlossen werden.

Jakob Schlandt
Heiter bis sonnig. Der Berliner Senat will Anreize setzen, Dächer mit Solaranlagen auszurüsten.
Heiter bis sonnig. Der Berliner Senat will Anreize setzen, Dächer mit Solaranlagen auszurüsten.Foto: imago images / Steinach

Sonnen-Strom vom Dach und dazu ein Speicher im Keller oder in der Garage: Wer beides installiert, kann sich zu erheblichen Teilen selbst mit günstigem Strom versorgen – muss aber auch eine Menge Geld investieren. Dabei greift der Senat den Berlinern nun unter die Arme mit einem Förderprogramm, das immerhin gut ein Zehntel der Kosten zuschießt. Das geht aus einer Senatsvorlage hervor, die dem Tagesspiegel vorliegt und am Dienstag beschlossen werden soll.

Wie viel Geld gibt es genau? Das hängt von der nutzbaren Kapazität des Sonnenstrom-Speichers ab. Pro Kilowattstunde will das Land Berlin 300 Euro beisteuern. Das ist eine ganze Menge: In zahlreichen anderen Bundesländern gibt es aus ähnlichen Fördertöpfen nur 200 Euro. Eine typische kleinere Anlage hat zum Beispiel eine Solarleistung von sechs Kilowatt und eine Speicher mit sechs Kilowattstunden Kapazität.

Wenn er voll ist, kann zum Beispiel sechs Stunden lang staubgesaugt werden. Die Kosten für das Gesamtpaket variieren enorm, aber 15.000 Euro wären eine typische Summe. Etwa die Hälfte davon wird für die Solaranlage fällig, die andere für den Speicher.

Für diese Anlage gäbe es demnach 1800 Euro Zuschuss – und sogar 300 Euro obendrauf, sofern die Anlage eine „prognosebasierte Betriebsstrategie“ hat. Sprich: Wenn von der Anlage smart geplant wird, wie Verbrauch und Stromangebot zusammenspielen. Übrigens: Nicht nur Unternehmen, auch Privatleute können die Förderung beantragen. Bei 50 Kilowattstunden ist allerdings Schluss, denn die maximale Fördersumme beträgt 15.000 Euro.

Auf den Weg gebracht hat die „Stromspeicher-Richtlinie Berlin“ Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne), an den Start gehen soll die Förderung im Herbst dieses Jahres, zuständig für die Abwicklung ist die Investitionsbank Berlin. Pop sagte laut Mitteilung zu der neuen Förderung: „Wir sind mittendrin in der Klimakrise.“ Die Energiewende sei eine Gemeinschaftsaufgabe. „Damit sie gelingt, müssen die Dächer Berlins stärker für Solaranlagen genutzt werden.“ Das solle die Stromspeicherförderung attraktiver machen.

Angesichts der vergleichsweise großzügigen Unterstützung bleibt die Frage, wie lange der Fördertopf ausreicht, der recht schmal bemessen ist. Man erinnert sich schließlich noch an die Lastenfahrrad-Förderung, die ratzfatz ausgeschöpft war. 2019 stehen 500.000 Euro insgesamt zur Verfügung, 2020 sollen es 1,5 Millionen Euro sein und 2021 eine Million. Eine Erhöhung sei aber „nicht ausgeschlossen“.

Selbsterzeugter Solarstrom könnte Elektroautos antreiben

Besonders reizvoll ist die Kombination aus Solaranlage für alle, die eine eigene Dachfläche zur Verfügung haben und ausreichend Platz für Speicher. In der „Mieterstadt“ Berlin ist das natürlich nur ein eingeschränkter Kreis. Theoretisch könnte sich aber auch eine Eigentümergemeinschaft Solaranlage und Speicher teilen, dann wird es aber kompliziert mit den rechtlichen Voraussetzungen.

Besonders attraktiv wird eigenerzeugter Solarstrom, wenn ein Haushalt oder ein Fuhrpark damit direkt seine Elektroautos füttern kann. Der eigenerzeugte Strom kostet schließlich deutlich weniger – grob gerechnet im Vergleich zu Strom aus dem Netz etwa die Hälfte je nach Anlagenkosten – und der Speicher sorgt zumindest zum Teil dafür, dass auch am Abend noch Elektrizität vorhanden ist, um sie in den E-Auto-Speicher zu übertragen.

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Die Hoffnung auch bei diesem Förderprogramm ist, dass intelligente Anlagen und Speicher in Zukunft das Stromnetz entlasten und dabei helfen, die stark schwankenden erneuerbaren Energien ins Stromnetz zu integrieren. Der Ökostrom-Anteil in Deutschland ist schließlich im ersten Halbjahr 2019 auf ein Rekordhoch geklettert.

Vor allem das windige Wetter führte dazu, dass die erneuerbaren Energien 44 Prozent des Stromverbrauchs deckten, wie der Energieverband BDEW jüngst auf Basis vorläufiger Berechnungen mitteilte. Im Vorjahreszeitraum waren es erst 39 Prozent.

Am meisten Ökostrom produzierten demnach mit 55,8 Milliarden Kilowattstunden Windräder an Land, sie lieferten 18 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2018. Von Solaranlagen kamen rund 24 Milliarden Kilowattstunden, eine Milliarde mehr als im Vorjahreszeitraum.

Der Osten Deutschlands hat deutlich höheren Grünstromanteil

Windkraft auf dem Meer legte um 30 Prozent auf 12 Milliarden Kilowattstunden zu. Aus anderen Energieträgern – vor allem Biomasse und Wasserkraft – stammten den Angaben zufolge 36,7 Milliarden Kilowattstunden, 0,5 Milliarden mehr als im ersten Halbjahr 2018.

Das aktuelle Wetter mit reichlich Sonne hat die Solarstromproduktion in den vergangenen Tagen kräftig nach oben getrieben, auch in Berlin und Brandenburg. Der Osten Deutschlands hat ohnehin einen deutlich höheren Grünstromanteil als der Rest der Republik, was einerseits am guten Wind, aber auch an den verfügbaren Flächen liegt.

Nach Angaben des Energieversorgers Eon erzeugen die rund 1,6 Millionen Photovoltaik-Anlagen in Deutschland derzeit mehr als 250 Millionen Kilowattstunden Sonnenstrom pro Tag. Damit produzieren die Solaranlagen momentan mehr Strom als Windräder an Land. Nach Zahlen der Bundesnetzagentur betrug der Ökoanteil an der gesamten Stromerzeugung in Deutschland tageweise fast 56 Prozent.

Je geringer der Anteil ist, der ins Netz drückt – je mehr also zuhause „zwischengelagert“ wird bei hohen Erträgen – desto besser für das Stromnetz. Genau hier setzt das Förderpaket des Senats an.

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