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Der Mann hinter dem Heimstaden-Konzern: Ivar Tollefsen.

© Foto: promo

Tagesspiegel Plus

Milliardär Ivar Tollefsen: Wer ist der Mann, der jetzt 4000 Wohnungen in Berlin kauft?

Er gilt als Abenteurer, aber kennt sich aus im Immobiliengeschäft: Sein erstes Haus erwarb Ivar Tollefsen vor mehr als 25 Jahren. Mietaktivisten kritisieren seine Macht.

Ivar Tollefsen ist eine schillernde Figur. Der 59-Jährige war zunächst als Unternehmer in der Musikbranche erfolgreich, bevor er mit Immobiliengeschäften zum Milliardär wurde. Gleichzeitig unternahm er Expeditionen in die Antarktis, bestieg dort den höchsten Berg, Jøkulkyrkja (3148 Meter), und nahm an der Rallye Dakar teil, bei der er 2004 den vierten Platz belegte.

Während Tollefsen das Abenteuer suchte, wuchs sein Immobilienimperium. Auf der „Forbes-Liste“ der wohlhabendsten Menschen der Welt steht er aktuell mit einem Vermögen von rund 3,1 Milliarden Dollar (2,6 Milliarden Euro) auf Platz 804.

1994 erwarb er sein erstes Mietshaus mit 20 Wohnungen in Oslo. Im Jahr 2001 kaufte Tollefsens Firma Fredensborg AS mit dem norwegischen Investor Jan Petter Collier im Wert von rund 65,8 Millionen Euro Immobilien von der Stadt Oslo. 2005 übernahm er Heimstaden, einen der größten privaten Eigentümer von Wohnimmobilien in Schweden - mit dem Tollefsen nun für rund 830 Millionen Euro 3902 Wohnungen in zentralen Lagen Berlins kaufen will.

[Anmerkung der Redaktion: Unser Autor wohnt selbst als Mieter in einem Berliner Haus, das Heimstaden kaufen will. Hier lesen Sie mehr darüber.]

Das Unternehmen war von Norwegern gegründet worden, der Name bedeutet „Heimatstadt” auf Norwegisch. Seit der Übernahme durch Tollefsen expandierte der Konzern massiv. Das Unternehmen behauptet: „Der Mieter steht bei uns im Mittelpunkt“. Es wirbt mit einem kundenzentrierten Geschäftsmodell. Allerdings gibt es mehrere Streitfälle um das Vorkaufsrecht. Erst kürzlich setzte sich die Stadt Oslo vor Gericht gegen Tollefsen durch, der über den Kauf mehrerer Häuser nicht rechtzeitig informiert hatte.

Eine 89-Jährige sorgt sich um ihre Wohnung

In Skandinavien gibt es auch Kritik an Tollefsens Firmenimperium. „Er hat meine Heimatstadt zu seinem Spielplatz gemacht”, sagt Tale Hammerø Ellingvåg. Die 27-jährige Geografiestudentin engagiert sich dort bei einer Initiative „Die Miete senken“. Sie kommt aus Kragerø, einer Kleinstadt mit etwa 5500 Einwohnern an der Küste im Süden Norwegens.

Mieterprotest in Kreuzberg.

© Kitty Kleist-Heinrich

Dem Milliardär Tollefsen würde fast die gesamte Stadt gehören, sagt die Aktivistin. Die kommunalen Behörden hätten der Macht seines Firmengeflechts kaum etwas entgegenzusetzen, selbst wenn der sich nicht an geltendes Recht halte. Im Februar 2019 habe ein Schiedsgericht einen Fall verhandelt, in dem sich die Firma Fredensborg Eiendom, die Tollefsen gehört, offenbar über das Vorkaufsrecht von Mietern hinweggesetzt habe. Der Investor hatte einen Wohnkomplex von der Gemeinde gekauft, in dem neun zum Teil hochbetagte Rentner zur Miete wohnten. Die Mieter wollten das Gebäude selbst kaufen, wurden aber nicht rechtzeitig informiert, um ihr Recht geltend zu machen.

Er hat meine Heimatstadt zu seinem Spielplatz gemacht

Mietaktivistin Tale Hammerø Ellingvåg

Die 89-jährige Mieterin Iris Aatangen sagte der Lokalzeitung, sie habe Angst, dass sie ihre Wohnung verlassen müsse, in der sie seit 1988 wohnte. Das Schiedsgericht habe letztlich einen Vergleich ausgehandelt, der den Mietern ein Wohnrecht von zehn Jahren einräumte. „Aber die Stadtverwaltung schickte den Rentnern eine Rechnung für die Anwaltskosten“, sagt Ellingvåg.

Auch in Schweden wird Heimstaden von Aktivisten kritisiert. Kalle Söderborg gehört der Gruppe „Alles für Alle“ an. Heimstaden würde vor allem ältere Häuser aufkaufen, an denen aber keine Instandsetzungen durchführen. Erst wenn Mieter auszögen, würden die Wohnungen luxussaniert und deutlich teurer vermietet, sagt Söderberg .

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