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Die Gründerinnen: Verena Pausder (links vorne), Tanja Wielgoß, Lisa Währer Ariane Hingst, Katharina Kurz und Felicia Mutterer (vorne rechts),

© Filiz Serinyel

Tagesspiegel Plus

Mit Viktoria Berlin in die Bundesliga: Investorinnen wollen Frauenteam des Vereins zur großen Marke machen

Natalie Portman gab den Anstoß: Prominente aus Wirtschaft und Medien übernehmen das Frauenteam von Viktoria Berlin – für mehr Sichtbarkeit und bessere Bezahlung.

Der Kick kam so richtig, nachdem zuvor eine vermeintlich chancenlose Idee erfolgreich war. Damals ging es darum, Public Viewing für die Frauen-WM 2019 zu veranstalten: Mit Leinwand, Sponsoren, im großen Stil – so wie sonst bei den Männer-Fußballturnieren auch. Die Unternehmerin und Inhaberin der Brauerei BRLO im Gleisdreieckpark, Katharina Kurz, wollte das in ihrem Biergarten richtig groß aufziehen. Zusammen mit der Sportjournalistin und Podcasterin Felicia Mutterer, die sich schon seit langem für Themen rund im Geschlechtergerechtigkeit, Vielfalt und Sport engagiert.

Doch die meisten Sponsoren sagten ab. Frauenfußball? Offenbar nicht lukrativ genug. Katharina Kurz und Felicia Mutterer zogen es trotzdem durch. Auf eigenes Risiko. „Das Public Viewing wurde ein voller Erfolg“, sagt Kurz.

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Nun wird sie nicht nur die ab 6. Juli beginnende Frauen-EM wieder in ihrem Biergarten-Areal übertragen, sondern Katharina Kurz plant mit Felicia Mutterer und vier anderen Frauen aus Wirtschaft, Sport und Medien etwas Größeres: Zusammen übernehmen sie das Frauenteam des FC Viktoria 1889 Berlin aus Lichterfelde, um „die deutsche Sportwelt nachhaltig verändern“ – so formulieren sie es.

In fünf Jahren von der Regionalliga in die Bundesliga

Binnen fünf Jahren soll der Regionalliga-Verein es nicht nur in die Bundesliga geschafft haben, sie wollen ihn auch „zu einer Marke machen“ und damit die Sichtbarkeit der Frauen im Fußball erhöhen, bessere strukturelle Bedingungen für Mädchen und Frauen im Fußball schaffen – von der Platzvergabe bis hin zur Vereinbarkeit von Leistungssport – und Ausbildung und Beruf sowie für eine gerechtere Bezahlung der Frauen im Fußball kämpfen.

Neben Mutterer und Kurz gehören auch die Multi-Investorin Verena Pausder, Vattenfall-Wärme-Vorständin Tanja Wielgoß, die ehemalige Fußballnationalspielerin, DFB-Trainerin und Fernseh-Expertin Ariane Hingst und die ehemalige Fußballerin und Marketingspezialistin Lisa Währer zu den Gründerinnen. „Wir wollen nicht länger nur reden oder darauf warten, dass Frauen sich ihren Platz im Fußball erobern. Wir wollen selbst die Beschleunigerinnen für Fairplay im Sport sein“, sagt Tanja Wielgoß, deren Tochter Fußball spielt, weshalb sie wisse, wie viel schwerer die Bedingungen von Mädchen und Frauen im Fußball sind.

Wie so oft, liegt der Ursprung für das Vorhaben in den USA – dem Land, in dem Frauenfußball nicht nur beliebter ist als hierzulande, sondern die Profi-Kickerinnen auch deutlich erfolgreicher sind als die Männer. 2020 wurde bekannt, dass Schauspielerin Natalie Portman zusammen mit Mitstreiterinnen in Los Angeles den Fußballclub Angel City gründete. Sie wollten mit ihrem Einstieg ins Fußballgeschäft darauf aufmerksam machen, dass die US-Fußballerinnen weltweit erfolgreich sind und trotzdem um ein Vielfaches weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen.

Die USA sind Vorreiter bei gleichberechtigter Bezahlung im Fußball

Seit diesem Frühjahr sind die USA Vorreiter: Mit einer neuen Regelung sind die Vereinigten Staaten das erste Land, das eine gleiche Bezahlung bei den WM-Boni eingeführt hat. 2019 hatten sich bereits die australische Männer- und Frauenmannschaft auf gleiche Lohnstrukturen, jedoch nicht auf gleiche WM-Boni geeinigt.

Wir übernehmen in Berlin einen Verein, entwickeln ihn zu einer gemeinschaftlichen Marke, wie es sie so noch nicht gab.

Katharina Kurz, Unternehmerin und Gründerin der Craft Beer Brauerei BRLO

„Als wir das mit Angel City FC hörten, fiel es uns wie Schuppen von den Augen“, erinnert sich Katharina Kurz. „Wir übernehmen in Berlin einen Verein, entwickeln ihn zu einer gemeinschaftlichen Marke, wie es sie so noch nicht gab und bringen sie nach vorn.“ Berlin als Sporthauptstadt und ohne erstklassiges Frauenteam? Das dürfe doch nicht sein, hätten sie damals gedacht. Mittlerweile ist zumindest das Basketball-Frauenteam von Alba Berlin in die Erste Bundesliga aufgestiegen.

Dass ihr Investment erfolgreich sein wird, daran zweifeln die Gründerinnen selbstverständlich nicht. Der Grund: Frauenfußball ist zunehmend ein Wirtschaftsfaktor, was auch erfahrene Investorinnen wie Verena Pausder überzeugt haben dürfte: Laut der Frauenfußball-Strategie der UEFA hat dieser das größte Wachstumspotenzial im Fußballmarkt. Demnach habe sich die Anzahl der Frauen- und Mädchenteams im Fußball in den vergangenen 15 Jahren verdoppelt.

Die jüngste Women’s-Champions-League-Saison hat mit mehr als 90.000 Zuschauer:innen im Camp Nou in Barcelona hat den Weltrekord gebrochen.

Felicia Mutterer, Sport- und Fernsehmoderatorin und Podcasterin

Felicia Mutterer ergänzt: „Die jüngste Women’s-Champions-League-Saison hat mit mehr als 90.000 Zuschauer:innen im Camp Nou in Barcelona den Weltrekord gebrochen.“ International investieren große Unternehmen wie die britische Bank Barclays und Limonadenhersteller Pepsi laut offiziellen Firmenangaben bereits Millionenbeträge in den Mädchen- und Frauenfußball. „Für Unternehmen wird es immer wichtiger, Haltung zu zeigen und Verantwortung zu übernehmen“, sagt die BRLO-Chefin.

Goldgewinnerin. Franziska van Almsick, ehemalige Profi-Schwimmerin, unterstützt das Vorhaben der Gründerinnen.

© Foto: dpa/Daniel Reinhardt

Mittlerweile hätten weitere namhafte Investorinnen wie die ehemalige deutsche Schwimmerin Franziska van Almsick, Ex-Fußballtorhüterin und -funktionärin Katja Kraus und Unternehmerin Lea-Sophie Cramer ihre Unterstützung zugesagt. DB-Cargo-Vorstandschefin Sigrid Nikutta, die Soziologin und Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, Jutta Allmendinger, und Ex-Justizministerin Brigitte Zypries seien als Botschafterinnen mit dabei. 

Im August soll das Team im DFB-Pokal antreten

Das Team von Viktoria Berlin bereite sich seit April vor, der Kader werde gerade noch weiter ergänzt, einige Spielerinnen wurden verabschiedet, neue kämen hinzu. Der Jurist und Fußballberater Henner Janzen habe bereits beratend im April die sportliche Leitung übernommen. Im August geht’s los – da soll das Team mit der ersten Runde im DFB-Pokal in die neue Saison starten. Die Frauen arbeiteten nebenbei in gewöhnlichen Berufen, denn sie kicken in der Regionalliga – im Frauenfußball kann man dort von dem Geld nicht leben, „dort gibt es nicht einmal eine Aufwandsentschädigung, und das wollen wir ändern“, sagt Katharina Kurz. Was aber nicht heißt, dass sie weniger trainierten.

Das hat vor einiger Zeit die damals noch aktive Nationalspielerin Turid Knaak bei dem Bundestorwarttrainer der Männer, Andi Köpke, während einer DFB-Auslosung in der ARD klar gemacht. Knaak war neben ihrer Karriere als Profi-Fußballerin auch als Dozentin an der Uni Köln tätig gewesen und schrieb zudem ihre Dissertation.

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Ein zeitaufwendiger Alltag, wie in der Sendung klargemacht wurde. „Es macht mir beides sehr viel Spaß und man kriegt eigentlich beides ganz gut hin“, sagte sie. Ob das nicht auch was für die Männer wäre, fragte der Moderator Andi Köpke. „Wir trainieren so viel, da ist keine Zeit“, antwortet der. Knaak konterte Köpke lachend mit: „Wir doch auch!“

Im Netz empörten sich eine Menge Social-Media-Nutzer:innen über Köpkes Spruch. Das war Ende 2019. Es kann offensichtlich gar nicht genug Ideen geben, die dazu beitragen, die Leistung der Fußballerinnen zu würdigen.

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